THE WAY WOMAN STARTET

Der Sextoy-Produzent Crave hat ein Video lanciert, in dem die Geschichte der weiblichen Lust nacherzählt wird. Eine teils erschreckende, teils kurzweilige Kulturgeschichte, die vom antiken Griechenland bis in die Jetztzeit führt.

Das US-Unternehmen Crave, dessen Produkte derzeit in Europa nicht erhältlich sind, mischt sich mit einem engagierten Beitrag in die gegenwärtigen feministischen Debatten. Der Werbefilm des Unternehmens erzählt die Geschichte der weiblichen Lust und macht keinen Hehl daraus, dass dies den Großteil der Zeit eine Geschichte der Unterdrückung war.

Politisch engagierte Unternehmen in den USA

Damit reiht sich Crave in die Reihe mehrerer Unternehmen ein, die in letzter Zeit politisch Position bezogen haben. Letzte Woche schaltete unter anderem der Sextoy-Hersteller Dame eine Anzeige in der New York Times, um gegen die Anti-Antreibungspolitik der Trump-Regierung zu protestieren. Selbst große Konzerne wie Disney und andere Hollywoodstudios haben angekündigt, in Bundsstaaten, die Abtreibung erschweren oder das Recht auf Selbstbestimmung untergraben, keine Investitionen mehr zu tätigen. Damit positioniert sich die Wirtschaft sehr stark und deutlich in der gesellschaftlich progressiven Ecke.

Crave mischt sich ein

Auch Craves Film wird unmittelbar politisch, dort heißt es ohne Umschweife gleich zu Beginn: »Dies ist ein Film über die Geschichte der weiblichen Lust und wie sie Jahrhunderte lang unterdrückt worden ist.« Ti Chang ist Mitgründerin von Crave und sagt zu der Aktion: »Je mehr wir buddelten, desto stärker wurde uns klar, dass diese Geschichte sich im Wesentlichen darum drehte, dass die Gesellschaft versucht hat, die Lust der Frau zu verneinen und den Körper der Frau Jahrhunderte lang zu kontrollieren.«

Bezug nehmend auf die erlassenen Anti-Abtreibungsgesetze in Georgia, Alabama und Ohio sag Chang: »Schaut man sich die Schlagzeilen der letzten Zeit an, wird es recht deutlich, dass dieses kleine Video, das wir machen wollten, weitaus relevanter und wichtiger ist, als wir uns das anfangs gedacht haben.«

Eine Kulturgeschichte der Unterdrückung der Frau

Der narrative Bogen des Videos zeichnet tatsächlich ein bedrückendes Bild. Bereits bei den Griechen sah man Frauen und ihre Lust als zweitrangig an. Man hielt die Vagina für einen verkümmerten Penis. Im Christentum wurde die Sexualität der Frau ständig verleugnet und totgeschwiegen und in den besonders düsteren Jahren der Hexenverfolgung zu einem misogynen Instrument der gesellschaftlichen Zurechtweisung und manch privater Rache. Die jahrhundertelangen Praktiken der Genitalverstümmelung bei Frauen in afrikanischen Stämmen, die bis in die Gegenwart reichen werden ebenso angesprochen wie das abendländische Konzept der Hysterie als Krankheitsbeschreibung für sexuell frustrierte Frauen.

Zu den Zielen des Films sagt das Unternehmen außerdem: »Wir haben die Vision, eine Welt zu erreichen, in der jeder über seine eigene Lust verfügt, sie selbst steuert und kontrolliert. Und diese Vision kann nicht wahr werden in einer Welt, in der die Hälfte der Menschen davon bedroht sind, dass ihre körperliche Autonomie angegriffen wird und in Gefahr ist. Echte Debatten über die Lust der Frau zu führen, scheint wie ein idealistisches Ziel in einer Umgebung, die so beschaffen ist, wie die unsere. Wir glauben, dass es essenziell ist, darüber zu reden, und deshalb haben wir dieses Video gemacht.«

Unter der Oberfläche: Wenig Veränderung?

Crave fügt hinzu: »Während die Taktiken heute andere sind, ist es sehr deutlich, dass sich nicht viel verändert hat. Dieser Film ist mehr als eine Geschichtslektion, er ist der Aufruf zu einem Protest. Deine Lust gehört niemandem als Dir selbst – kontrolliere sie selbst!«

Der Film findet sich auf dem Facebook-Profil des Unternehmens. Von Europa aus ist es leider nicht möglich die Webseite von Crave aufzurufen. Europäer finden dort nur eine vorgeschaltete Seite, die auf Amazon verweist. Eine vertane Chance, hätte doch das Video den ein oder anderen europäischen Händler für die Produkte von Crave interessieren können.

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