IM GESPRÄCH MIT DEM MEISTER

Die Biografie von Horror-Meistro RUGGERO DEODATO ist gar nicht so lang wie von manch einem anderen, aber da fehlt ja auch so Einiges. Am bekanntesten unter den Cineasten ist Deodato jedoch für seine viel diskutierten Filme aus den 70ern, wie „Cannibal Holocaust“ oder „Mondo cannibale 2“, als in Italien die Ur-Schmiede der Horror und Splatter-Filme wuchs und Namen wir Fulci, Romero und eben Deodato die Kinos enterten.

c-williams

 

„Cannibal holocaust“, in Deutschland als „Nackt und zerfleischt“ erschienen, ist ein Genre-Klassiker. Immer wieder hieß es: die Leichen sind echt, die Tötungsszenen sind echt, viel Gerede und am Ende war es einfach beste Regiearbeit. Nicht viel anders bei „Mondo cannibale 2“ und wenn auch nicht mit der gleichen Thematik befleckt, so gab es bei Deodato`s Filmen immer viel zu diskutieren. Aber die Filmografie ist bei weitem länger als es in den meisten Nachschlagewerken zu lesen ist. Da fehlen zum Beispiel weit über 1.000 Commercials, die Deodato für italienische Film-und Fernsehfirmen gedreht hat. Ebenso fehlen unzählige TV Serien, die Deodato für Rai 1 und andere große Stationen des Landes produziert hat, darunter auch welche mit dem großen Bud Spencer.

RUGGERO DEODATO, gerade 80 geworden, ist ein Umtriebiger, ein Macher, auch in seinem Alter. Jetzt erschien gerade sein neuster Film „Ballad in blood“ (Donau Film), sein erster Horrorfilm seit Jahrzehnten.

TO GO: Mit „Ballad in blood“ erscheint nach langer Zeit ein neuer Horrorfilm von ihnen. Bitte erzählen Sie unseren Lesern etwas darüber.

Mich hat der Fall von Amanda Knox fasziniert. Die Frau, die eine britische Austauschschülerin, Meredith Kercher, in Italien ermordet haben soll. Ich glaube ja dass sie schuldig ist. Dies ist meine Grundlage für den Film „Ballad in blood“. Es ist kein Horrorfilm, wie auch „Cannibal holocaust“ kein Horrorfilm war. Die Leute haben nur immer gesagt es sei ein Horrorfilm. Für mich sind das alles Realitätsfilme, denn sie haben alle einen Bezug zur Realität. „Ballad in blood“ ist zudem eine absolute low budget Produktion, wirklich low budget. Aber die Darsteller haben daraus etwas gemacht.

 

TO GO: Sie haben mit einem jungen und fast komplett unerfahrenen Cast gearbeitet. Hat das einen bestimmten Grund?

Ich mache das bei allen meiner Filme. Ich arbeite nicht mit Casting Firmen, die mauscheln immer hin und her. Da fehlt mir die Qualität des Darstellers. Es gibt Agenturen, da kann ich mir die Darsteller ansehen oder ich suche sie mir eben allein. So wie Edward Williams habe ich auf der Straße angesprochen, ob er sich vorstellen kann, einen Film zu drehen. Sieh Dir an wie gut er ist. Carlotta Morelli ist eine unglaublich gute Schauspielerin, ich hatte schon einmal mit ihr gearbeitet. Sie hat etwas aus der Rolle gemacht. Aber dem stehen die anderen in nichts nach. Es ist richtig, dass lediglich Ernesto Mahieux seine Erfahrungen hat und schon einige Filme gespielt hat.

 

TO GO: Wer hat die Musik zu dem Film gemacht?

Die Musik stammt von Claudio Simonetti (GOBLIN, Anmerk. Der Redaktion).

 

TO GO: Ist es für Sie eigentlich scher mit den ganzen neuen Technologien zu produzieren?

Nein überhaupt nicht. Erstens drehe ich immer mit meinem Auge, es ist der besondere Blick und so habe ich nie mit Animationen gearbeitet. Auf der anderen Seite habe ich so viele Commercials und TV-Produktionen gemacht, die alle viel Budget hatten, teilweise sogar sehr viel Budget, dass ich all diese Dinge kenne, weil sie dort stehen und eben auch von anderen genutzt werden.

 

TO GO: Aber sie haben ja auch eine Episode in „Deathcember“ gedreht. Das war gleichzeitig ihr erster Weihnachtsfilm.

Das ist richtig, darüber habe ich aber noch gar nicht nachgedacht. Die Arbeit hat Spaß gemacht. Die Idee kam von Deutschen, Dominic Saxl, Ivo Scheloske und Frank Vogt.

 

TO GO: Wie stehen sie selbst zu Weihnachten?

Ach Weihnachten ist etwas für die Kinder. Es geht um die Geschenke, machen wir uns nichts vor. Aber für mich ist das nichts mehr.

 

TO GO: Nervt es eigentlich manchmal, wenn man immer wieder zu „Cannibal holocaust“ befragt wird?

Nein absolut nicht. Der Film ist einer meiner wichtigsten Filme und damals gab es ja nur Romero, Fulci und mich. Romero hatte so viel mit seinen Zombies zu tun, für mich ist das nichts. Wenn man jemanden erschießt dann steht der plötzlich wieder auf. Ich weiß nicht ob es sowas wirklich gibt und mich interessieren Sachen mehr, wenn sie real sind. So auch die Kannibalen. Aber grundsätzlich muss ich sagen, ich bin glücklich was ich alles gemacht habe und machen konnte. Somit kann mich eine Frage zu „Cannibal holocaust“ auch nicht nerven.

 

TO GO: Sie sind ja auch selbst Darsteller und so haben sie in „Hostel 2“ einen italienischen Kannibalen gespielt. Haben Sie eine besondere Beziehung zu Kannibalen?

Gut beobachtet. Aber nein das habe ich nicht.

 

TO GO: Sie sind 80 Jahre alt. Manch anderer kann mit 60 schon nicht mehr arbeiten. Hält Sie der Film jung?

Ich bin dankbar für alles was ich machen konnte. Es ist möglich, dass ich dadurch etwas fitter bin.

 

TO GO: Was können wir denn als nächstes von Ihnen erwarten. Vielleicht einen weiteren Genrefilm?

Ich soll einen neuen Film machen? (lacht) Also ich bin jetzt 80 Jahre und habe alles machen können, was ich wollte. Ich glaube da kommt einfach mal die Zeit, wo man aufhören sollte.

 

Wir verlosen 2 DVDs zu BALLAD IN BLOOD. Mail mit „Deodato“ bis 1. Dezember an: verlosung@cuteanddangerous.de

 

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