DANISH CROSSTALK

Als im Frühjahr die dänischen Bands: MOON LOVES HONEY, TURQUOISE SUN und EERIE BLUE gemeinsam auf Tour waren, entstand bei uns die Idee, mit allen Bands einmal die dänische Musikszene zu durchleuchten. Dabei kamen interessante Dinge zum Vorschein und der Crosstalk entwickelte sich zu einem munteren Gedankenaustausch, der erst endete, als die erste Band auf die Bühne musste.

 

 

 

Ich wollte heute mehr über die dänische Musikszene wissen, erzählt uns ein bisschen mehr über die Szene und die Möglichkeiten oder Schwierigkeiten als Band zu starten

 

Der erster Grund warum wir hier sind, ist dass es nicht viel Möglichkeiten in Dänemark gibt, außer für Hip-Hop oder RnB und Trap usw, nur Punk Bands sind immer noch ziemlich cool, irgendwie.

 

Irgendwie !

 

Es gibt einen Haupt Radiosender der das gleiche das ganze Jahr über spielt und wenn man was anderes macht, ist es nicht so einfach als Musiker.

 

Habt ihr die Möglichkeit in kleinen Clubs zu spielen auch ohne Label ?

 

Spielen ist nicht das Problem, es ist ein ziemlich kleines Land und man kann quer durch fahren,  von Norden nach Süden oder Westen nach Osten alles an einem Tag. Die Stadt fördert Kultur und Kunst, das heißt man wird auch bezahlt. In London ist die Regel so, man bezahlt um zu spielen und wenn man ein bisschen größer wird kriegt man was, oder man ist auf null. In Dänemark ist es schon wichtig dass man irgendeine Entlohnung kriegt, man muss einfach raus gehen und versuchen, es ist so klein dass man ganz schnell Booker kennenlernt, man muss es einfach nur versuchen.

 

Die Stadt fördert die Venues, aber die müssen dann sicherstellen dass sie ein vielfältiges Programm anbieten, wo verschiedene Genres repräsentiert werden und die Leute in Dänemark ein vielfältiges Angebot an Musik bekommen.

 

Das Problem was du erwähnt hast, dass es so ein kleines Land ist mit nur 5,5 Millionen Einwohnern. Es ist dann so, dass wenn du zum Beispiel nach Heavy New Psychedelic suchst oder Super Heavy Death Metal wirst du nicht mal 100.000 Leute finden die sowas auch hören möchten. Es ist Dänemark, aber in Deutschland findest du mehr als 100.000 Leute in jeder Nische weil das Land einfach größer ist und dieses Gefühl, die  Interessen mit so vielen anderen Leute zu teilen, bringt dich dazu sowas frei zu erleben, egal wofür man sich interessiert.

 

Für uns als Band hilft uns die “Globalisierung der Geschmäcker” unsere Kreativität zu nähren, um uns als Band zu erweitern müssen wir aber Dänemark verlassen, weil da zu viele Menschen sind, die einfach das wollen was Radios anbieten, und sowas… gefällt uns nicht.

 

Ich meine damit die Mainstream Radios, die coolen Radios bleiben cool und spielen coole Sachen.

 

Ist Radio da die größte Quelle um sich mit Musik zu beschäftigen ? Oder gibt es sonst auch Zeitschriften?

 

Es gibt ein paar Zeitschriften die überall in Dänemark verkauft werden wie: Gaffa oder Sound Venue, sonst gibt es welche die ganz gute Deals mit dem nationalen Rundfunk machen, man kann als Musiker leben wenn man im nationalen Rundfunk gespielt wird, auf dem richtigen Sender, man kann gutes Geld dadurch machen, eine Zeit lang zumindest.

 

Und diese Magazins präsentieren neue Bands auch?

 

Zu einem gewissen Punkt, man muss schon die richtige Leute kennen und die richtige Musik dafür machen, wir reden immer noch von Subkulturen und wenn es nur eine große Stadt, die auch so groß wie Kopenhagen ist, gibt, muss man ein bisschen weiter gucken um sowas zu entdecken, es dauert bis man seine Fanbase aufgebaut hat.

 

Ist es für euch einfacher Live Gigs in Deutschland zu kriegen, oder eventuell Norwegen?

 

Wir hatten die Möglichkeit in Norwegen zu spielen, aber die Tour war von hohen Norden nach Bergen und dann Oslo usw. Wir haben die Kosten kalkuliert und alleine für Transport waren es ungefähr 4000€ und alle Konzerte waren mit Eintritt, also Risiko und keine Garantie.

 

Also ist Deutschland besser.

 

Wir können mit dem Auto hierher fahren.

 

Man kann auch nicht sagen was besser ist, für manche Bands ist es einfacher nach Norwegen zu gehen

 

Es gibt auch ein paar dänische Bands die eine riesige Fanbase außerhalb Dänemark haben und überall rum reisen und in größeren Venues spielen. Wenn die dann zurückkommen spielen die vor 50 Leuten in kleinen Clubs, wiederum gibt es auch Bands die in Dänemark richtig groß sind und nie außerhalb spielen.

 

Ice Age ist das bestes Beispiel, die haben so lange überall gespielt und wurden wie neue Messias des Punks behandelt , was sie auch bestimmt sind soweit ich mich mit Punk auskenne, aber die spielen im Tape, einem Club noch etwas kleiner als der Auster Club, wo knapp 200 Leute reinpassen

 

Die spielen nächste Woche und wir wollen hingehen, das ist sogar um die Ecke von uns, es ist nicht mal ausverkauft, obwohl es die Tickets schon länger gibt, das ist genau was wir meinten. Für uns ist Deutschland ein besserer Ort, weil  es so viel Platz für Subkulturen gibt und alles vielfältiger ist. Man fühlt sich nicht komisch irgend ein Genre zu mögen, weil es da andere gibt die Heavy Metal, Black Metal  oder Heavy Psychedelic hören wollen, man findet alles weil die Leute sich auch trauen.

 

Ich glaube viele werden erst mal ein bisschen größer innerhalb Dänemarks und breiten sich dann über die Grenze aus, manche machen das Gegenteil, starten mit nichts in Dänemark und werden voll groß woanders

 

Ich habe einmal diese Typen in Roskilde gesehen, die waren so spitze, richtig crazy und auf einmal hör ich die dänisch sprechen zwischen zwei Songs und ich fand es so krass dass ich die noch nie gehört hatte, keiner kennt die in Dänemark, auch weil die selber wussten die werden da nicht groß und sind ausgewandert

 

Und wie ist es mit kleinen Labels, besonderes für Rock Musik ?

 

Es gibt ein paar coole Labels. Viele Leute die was am Start hatten haben dann ein eigenes Label gegründet, zum Beispiel Yung, diese Punk Band hat ein Label gegründet und bringen auch Musik von anderen raus, von Freunden, es ist eine Art Community.

 

Es gibt auch keine Bands mehr die CD oder Vinyl rausbringen, es gibt viele digitale Labels die sich von der Produktion von CDs in die digitale Branche verwandelt haben. Ein bisschen mehr wie Verlage, weil man heutzutage nur noch so Geld verdienen kann in Dänemark.

 

Ich kenne mich nicht so gut aus mit Labels aber von was ich gehört habe sind die meisten eher wie PR Agenturen, weil man heute die Produktion selber machen kann, aber man durch ein Label mehr sichtbar wird.

 

Hier in Deutschland ist es so dass man bei fast jedem Label unterschreiben kann, wenn man dafür bezahlt, es war vor zwei drei Jahren noch nicht so, was haltet ihr davon ?

 

Das läuft auf jeden Fall was schief, die Musikszene ist eine richtige Industrie geworden, wo alles nur noch ums Geld geht. Wovon viele Bands die Opfern sind, bezahlen zu müssen um einen Traum erfüllen zu können. Und dieser Traum ist natürlich Anerkennung und Ruhm.

 

Ich sehe wirklich diese Opfer Rolle, es wird immer andere Bands geben die es auch versuchen auf diesem Weg und es ist kein schöner. Ich würde sagen die beste Lösung wäre Labels zu haben die nur Musik unterstützen die sie wirklich mögen und eine richtige Zusammenarbeit zu führen, mit eine gewisse Chemie die da sein muss und nicht nur Geld und Papierkram. Und manchmal funktioniert das nicht weil wir denken dass wir so professionell klingen, aber die fühlen das nicht, es gibt keine Vibes. Aber ich finde dass es aber trotzdem besser ist, als nur etwas zu kriegen weil man die richtigen Kontakte hat oder viel Geld. Es gibt so viele die aus dem Nichts auftauchen und einfach entweder Geld haben oder die perfekt gestylte Geschichte, deren Musik wird ein halbes Jahr gehört und dann direkt vergessen.

 

Wenn die Musikfirmen ganz viel Geld von uns wollen und und ein exklusives Netzwerk versprechen, wo andere Bands dann keinen Zugang mehr kriegen, weil es deren Netzwerk ist, dann sind wir nicht weit von einem Kartell entfernt.

 

Wenn ihr die Möglichkeit woanders neu anzufangen, wo würdet ihr hingehen ?

 

Den Mond.

 

New York City, die haben eine coole Rock Szene.

 

Da ist die Konkurrenz ziemlich hart, man muss richtig gut sein, sehr diszipliniert.

 

Ich war in Miami, dort hat es auch ein coole Underground Szene, nicht so groß aber cool.

 

Ich weiß nicht ich mag London voll gerne, daher kommen so viele unglaubliche Bands daher. Es wäre so cool ein Teil davon zu sein, aber es ist, glaub ich, ziemlich schwierig. Ich weiß noch von dieser einen Band die wir als Support unterstützt haben, die waren so erstaunt als die gehört haben dass wir Geld für Gigs kriegen.

 

Geld ist natürlich wichtig aber die Musik kommt zuerst.

 

Es geht nicht nur um Geld.

 

Ich glaube es ist wichtig was zu schaffen, was in der Welt raus zu bringen, aber ja es ist ein hartes Business, als neue Band.

 

Wenn du den richtigen Sound hast,  kannst du bestimmt ganz viel auf dem Mond machen.

 

Erst muss man den Flug dahin bezahlen

 

Ach SpaceX wird es ermöglichen.

 

Wir kommen zu meiner letzte Frage, was ist schön in Dänemark, als Musiker ?

 

Ich glaube heutzutage kann man ziemlich schnell mit nichts aussteigen und was Tolles machen. Man spielt ein oder zwei Jahre und plötzlich steht man auf der Bühne in Roskilde. Alles ist möglich und auch schneller möglich, im Vergleich zu ältere Zeiten.

 

Für mich ist die Natur das schönste in Dänemark, es ist inspirierend, diese Ruhe, und Schönheit.

 

Wir haben diese Förderprogramme für Studenten, wo man Geld bekommt um zu studieren, aber auch Zeit um sich zu entwickeln als Musiker,  man muss sich erst mal keine Sorgen machen und mit der Einstellung dass man damit Geld verdienen muss an die Sache rangehen sondern erst Mal die Zeit und Freiheit nutzen, um die beste Musik zu machen , ich glaube das ist was sehr schönes in Dänemark.

 

Ich kann gerade nicht an irgendwas schönes denken ..

 

In Kopenhagen gibt es viele Musiker und Leute in der Musikszene die sich zusammentun, so dass die Industrie diese nicht beherrschen kann und dass man unabhängig davon bleiben kann. Viele Musiker spielen auch in mehrere Bands

 

Ja davon habe ich schon gehört!

 

Man ist irgendwie flexibel und man kann auch auf jeden Fall irgendwann erfolgreich sein und alle freuen sich für dich. Es gibt einen Austausch und gute Beziehungen zwischen vielen Bands, das ist richtig cool.

 

Es hört sich gut an

 

Viel Arbeit ist der Schlüssel, gehe nicht Heim bevor du was geschafft hast, gib eine Runde aus und dann zurück zur Arbeit.

 

Ich zahle heute nicht die Runde..

 

Wir bedanken uns für die vielen Informationen. Schaut Euch die Bands mal näher an, es lohnt sich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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