POESIE DES RAUL PAZ

Im Interview (gesamtes Interview im Anhang) mit dem Haus für Poesie zeigt sich Paz wortgewandt, lebendig, geistvoll und als großer Fan der Idee der Europäischen Union: „Dieses Symbol Europas gibt mir Hoffnung. Und schließlich schätze ich Europa auch, weil es mich liebte, als mein eigenes Land die Türen schloss.“
Raúl Paz‘ (geb. 1969) musikalisch-poetische Herkunft war zunächst sehr traditionell geprägt. So wuchs er mit dem kubanischen Punto guajiro (kurz Punto) auf, der ausgehend von Andalusien, seit dem 17. Jahrhundert Dichtkunst mit Musik verschmilzt. Im Interview erzählt Paz zudem von den „Controversias“, gereimten Diskussionen, die in Kuba Streitigkeiten zwischen Bauern schlichten. „Poesie ist Teil meines Lebens, seit ich ein Kind war. Die rationale und narrative Sprache anderer schriftlicher Formate erschien mir immer weniger unterhaltsam, ohne Freiraum für Reflexionen.“
Paz studierte, isoliert von globalen Musiktrends, an der Musikakademie in Havanna Violine, Gesang und Komposition. Eine musikalische Offenbarung waren Deep Purple, Led Zeppelin und Bob Marley, die er erst in den 90er Jahren über amerikanische Radiostationen entdeckte.
1993 verließ er für die nächsten Jahre Kuba. Seine neue Wahlheimat Frankreich bedeutete eine musikalische Kehrtwende – und den Versuch, die Traditionen mit der Moderne zu versöhnen.
Raúl Paz begann, kubanische Musik mit Elementen des Hip-Hop, Dub, Chanson und Rock zu einer Fusion aus Salsa, Jazz und Elektropop weiterzuentwickeln. Seither gilt er mit seinem Stil als musikalischer Revolutionär des 21. Jahrhunderts und Vertreter der sogenannten „neuen kubanischen Musik“. Auch wenn er ausschließlich auf Spanisch singt, ist seine  musikalische Sprache kosmopolitisch. Dieser Ansatz enthält auch einen Auftrag: „Heute gibt es eine junge Generation in Kuba, die langsam die große musikalische Kraft, die wir einst waren, wiederbelebt. Dafür ist es notwendig, Türen und Fenster weit zu öffnen, Pfade zu betreten, die fast vergessen sind.“
Der internationale Durchbruch gelang Paz mit dem 2003 erschienen Album „Mulata“. „Berlin ist eine meiner Lieblingsstädte wegen ihrer Fantasie, ihres Enthusiasmus, ihrer Weltoffenheit und ihrer Kultur, wenn auch nicht so sehr im Winter. In Deutschland habe ich das Album aufgenommen und produziert, das ich am meisten schätze –  Mulata.“

Raúl Paz‘ Arbeit ist vielseitig und kreativ: Er schrieb Songs für Viktor Lazlo, Bühnenmusik für Tanz und Theater, Soundtracks (u.a. für den Film Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit, 1998) und vieles mehr. Paz gründete zusammen mit zwei Kollegen die international erfolgreiche kubanische Band „Orishas“ und teilte bereits die Bühne mit Celia Cruz, Marc Anthony und Rubén Blades.
Sein aktuelles Album „Vidas“ (2018) ist eine Reflexion über die Zeit, die Launen, die Distanz, Freundschaft und die Vergänglichkeit des Lebens und der Liebe. Das Album bildet den Soundtrack der kubanischen Telenovela „Vidas“. Beim Konzert spielt er aktuelle Songs und ein Best-of seines gesamten Werkes.

Das 20. poesiefestival berlin ist ein Projekt des Hauses für Poesie in Kooperation mit der Akademie der Künste. Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und des Auswärtigen Amts, mit freundlicher Unterstützung durch Maritim proArte Hotel Berlin. Präsentiert von taz, BÜCHERmagazin, tip Berlin, ASK HELMUT und Deutschlandfunk Kultur.
Das Poesiegespräch:Raúl Paz – Ein Stück von dir wird freundlich unterstützt durch das Auswärtige Amt, das Instituto Cervantes Berlin und ECHOO Konferenzdolmetschen.
14.–20.6.2019
20. poesiefestival berlin: Endlich Zeit für Sprache
Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin

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