KUNST UNDERDOG: MASCH

Wenn man in Berlin einen Künstler sucht, der Erfahrung, Talent, völlige Unberechenbarkeit und Einzigartigkeit in seinen Bilder vereint, dann bleibt am Ende nur einer übrig: MASCH. Ein Liebhaber der Stille, denn man hört und sieht viel zu selten etwas von ihm. Seit 1973 wurde die Kunstwelt durch MASCH bereichert, wobei seine zeitlosen Arbeiten oft an die von Rauschenbach oder Beuys erinnern, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren.

Seine Geschichte ist still und kontinuierlich. Selbst die Verleihung eines Oscars, normalerweise ein Thema für die hiesige Yellow Press, hat hier keiner mitbekommen. Eben still und ohne großen Drang in der Öffentlichkeit zu agieren, wuchs ein in sich gekehrtes Genie, welches so obskure wie auch reine und schöne Kunst zutage bringen kann.

So hat nicht nur der Künstler selbst, sondern auch jedes Kunstwerk eine stille und doch tiefgründige Geschichte, ein in sich geschlossenes Universum.

 

Jetzt hat der Berliner Kunst-Underdog MASCH kurzfristig eine Ausstellung angeboten bekommen und diese sogar angenommen. Somit blieb auch uns nicht viel Zeit den Ausnahmekünstler dazu kurz zu befragen. So ließ es sich Kunst Redakteur The Black nicht nehmen mit dem Künstler zu reden.

 

Am 6. Dezember eröffnet deine Soloshow „ Essentials“ in der Galerie Sievi. Was für Bilder werden wir in der Galerie Sievi sehen?

Ich habe mich entschieden, einen Querschnitt aus verschiedenen Serien zu zeigen. Die Ausstellung wird demnach einen Zeitraum der letzten acht Jahre präsentieren. Bei intensiver Betrachtung werden die Zusammenhänge der Serien sichtbar, die sich dem Betrachter auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort erschließen. Wenn die Serie „NEW GENERATION“ noch farbreduziert daherkommt, stehen sie den neuen, farbintensiven und humorvollen Arbeiten von „wild at heart“ gegenüber. Das ergibt die Spannung dieser Ausstellung.

 

Dein Thema ist die Vergänglichkeit und die Schönheit darin. Dazu immer ein Priese Masch-Humor. Welche Themen bearbeitest du mit deinen neusten Werken?

Die Bedeutung von Vergänglichkeit und Schönheit geht in meinen Arbeiten eine intensive Symbiose ein. Ich bin der Auffassung, dass vieles, was uns im täglichen Leben umgibt, auf eine schöne Weise altert. Ob es eine verwitterte Eingangstür oder eine stillgelegte Fabrikhalle, mit ihren veralteten Maschinen ist, das alles hat auf dem zweiten Blick die Schönheit und den Charme, von der ich spreche. Aber auch die Gesichter vieler greiser Menschen haben etwas Faszinierendes. Die Vergänglichkeit ist allumfassend.  Die Arbeiten stehen nicht unter Beeinflussung moderner Kunstströmungen, vielmehr interessiert mich die freie Gestaltung der Oberfläche mit verschiedenen Materialien in zumeist dreidimensionalen Darstellungen. In meinen neusten Arbeiten „wild at heart“ würze ich das Thema „Vergänglichkeit“ mit Humor und führe meine Themen Figuration und Abstraktion auf neue und aufregende Art zusammen.

 

Was bedeutet gute Kunst für dich?

Nun ja, ohne Kunst ist für mich alles nichts. Kunst ist mein Lebenselixier. Ich brauche die Kunst wie das Atmen. Kunst zu machen, bedeutet für mich nicht, allen zu zeigen, was für ein toller Künstler ich bin. Das bestimmen eh andere. Kunst machen bedeutet für mich in erster Linie Befreiung von allen Konventionen. Wenn meine Kunst verstanden wird, gut! Wenn nicht: auch gut! Dann weiß ich, dass ich authentisch geblieben bin. Darauf kommt es an: Authentizität. Nichts wäre fataler, als wenn sich ein Künstler nach Gefälligkeit ausrichtet. Er verkauft und verdient dann zwar oft mehr als Andere, ist aber für die nachfolgende Kunstwelt Bedeutungslos.

 

Ist es in der Kunst nicht viel zu oft so, dass selbst Künstler sich nach Markttrends richten?

Das muss jeder Künstler für sich selbst entscheiden. Sich allerdings nach den „Trends“ zu richten, wenn es die überhaupt gibt, hat nichts mit Authentizität zu tun, darum geht es nicht in der Kunst.

Nun bist du sicher kein Gefälligkeitskünstler, aber deine Bilder sind doch eigentlich dafür gemacht „nicht verstanden zu werden“. Aus meiner Sicht aus dem einfachen Grund, du lässt dich an manchen Bildern wochenlang, manchmal monatelang dazu verleiten, immer wieder das eigentlich fertige Bild, einer neuen Fertigung zu unterziehen. Mich erinnert das an Rauschanberg, der eben solche Arbeiten gemacht hat.

Nein, ein Gefälligkeitsmaler bin ich nicht. Das Zauberwort ist: Authentizität. Wenn ein Künstler „gefällige“ Arbeiten herstellt, erlangt er für den Moment zwar gewisse Aufmerksamkeit, ist aber für den Kunstmarkt nicht von Bedeutung. Ich bin der Meinung, einzig und allein der Künstler soll seine Arbeit „verstehen“. Sie zu deuten und in eine Allgemeinsprache zu übersetzen, überlasse ich dem Betrachter. Ich selbst spreche nicht allzu gerne über meine einzelnen Werke. Die Arbeit eines Künstlers ist ein Prozess, den er mit sich selbst ausmachen muss. Zu dem Prozess gehört es auch manchmal, dass die Arbeiten eine gewisse Zeit im Lager schlummern und bei neuer Betrachtung als noch nicht fertig erscheinen. Dann lege ich noch einmal Hand an. Nicht ich alleine entscheide, ob das Bild fertig ist, das Bild sagt es mir.
Liegt nicht genau hier die Provokation zu sagen „es ist irgendwie alles anders“?

„Anders“ sein als die Anderen ist die Herausforderung für einen Künstler, die er annehmen muss. Ich bin der Meinung, dass alles schon gemalt wurde. Ein Künstler kann nur noch Variationen herstellen.

 

Wann ist ein Bild fertig? Ganz ehrlich bitte, denn ich habe Arbeiten in deinem Atelier gesehen, aus mehreren Schichten und Übermalungen, teilweise mehrere Jahre alt und dass auch auf der Rückseite. Oder macht das Masch aus?

(lacht) Das ist meine Marotte, meine persönliche Note, die ich einfach nicht ablegen kann. Bilder, die vermeintlich als „fertig“ in meinem Regal stehen, werden oft von mir nach langer Zeit überarbeitet. Ich bin in dieser Hinsicht ein enorm selbstkritischer Künstler. Ich arbeite nach dem Bauch, weniger nach dem Kopf. Wenn meine Arbeiten bereits in Galerien gezeigt wurden, lege ich natürlich nachträglich keine Hand mehr an! Solange Bilder sich aber in meinem Atelier befinden, lege ich bei einigen manchmal nach Tagen, Wochen oder gar Monaten noch einmal Hand an. Das ist meine Arbeitsweise. Bilder sind nie wirklich fertig. Wann sie „fertig“ sind, bestimmen die Bilder von selbst. Das muss ich als Künstler spüren und erkennen. Es gibt ehrlicherweise auch Momente, wo ich Arbeiten „verschlimmbessert“ habe, das ist aber für mich kein Hinderungsgrund, eine Arbeit dann wieder in den „Urzustand“ zu bringen – solange es funktioniert. Dass manche Bilder auf der Rückseite bemalt sind kommt vor. Auch das spiegelt meine Art Kunst zu machen wider. Mein Atelier ist ein Ort des Kampfes, da geht es mitunter wild zu. So passt der Titel meiner neuen Ausstellung wie die Faust aufs Auge: WILD AT HEART.

 

Was sollen die Menschen mitnehmen, die deine Bilder betrachten?

Ich bin für jede kritische Anmerkung dankbar. Wenn man meine Arbeiten liebt und sie gefallen, umso besser! Dann freut sich das Künstlerherz. Ich wünsche mir von den Menschen, die meine Arbeiten betrachten, ein Verständnis dafür zu entwickeln, was hinter der reinen Darstellung steckt: Es ist der Arbeitsprozess. Meine Arbeiten zu erklären, darin tu ich mich meist schwer und ich interpretiere dann oft etwas hinein, was ich mit einem Bild gar nicht ausdrücken wollte. Also besser, man bohrt gar nicht lange nach und nimmt die Bilder so an, wie sie sind. Wenn sie gefallen, genügt mir das. Ich bin dankbar dafür, dass ich mit meiner Kunst die Welt etwas abwechslungsreicher gestalten darf.

 

Wenn Bilder gefallen, fehlt dann nicht die eigentliche Provokation?

Nicht unbedingt. Darstellungen in der Kunst sind so universell wie die Psyche der Menschen. Für Jeden ist etwas dabei. Ein Sammler kauft im Grunde eine Arbeit, weil sie ihm gefällt, ob sie nun provozierend ist oder nicht ist sekundär.

Ich finde in deinen Bildern immer wieder innere Auseinandersetzungen, weitreichende Farbgebungen die einen ruhen lassen und im nächsten Moment eiskalt aufrütteln. Wie tief ist deine Seele in Bildern verwurzelt?

Ich beziehe die Spannung in meinen Bildern aus Lebenserfahrung. Ich versuche (wie es Picasso einmal ausgedrückt hat) zu denken wie ein Kind. Kinder stecken noch nicht voller Konventionen und sind frei im Kopf. Es ist meist schwer, sich von den Alltagssorgen zu befreien, um Kunst zu machen. Diese Befreiung ist die Vorstufe aller Kunst. Welche Farben ich benutze und gegeneinanderstelle, ist eine spontane Entscheidung, da verlasse ich mich auf mein Bauchgefühl.
Hast du nie Angst zu viel von dir Preis zu geben in manchen Bildern? Oder haben wir die Abgründe noch gar nicht zu sehen bekommen?

Jede Kunst gibt Auskunft über den Künstler. Das Spektrum der Sujets ist universell. Kunst machen kann auch Therapie sein. Auch Ängste kann man als Künstler fabelhaft beseitigen.

 

Du hast viel zu wenig Ausstellungen. Würdest du am liebsten die Öffentlichkeit eher meiden?

Der einzige Grund, weshalb ich verhältnismäßig wenige Ausstellungen mache, hat schlicht den Grund, dass ich wenig Zeit zum Malen habe. Das ist ein Drama. Ich meide aber nicht die Öffentlichkeit! Das wäre kontraproduktiv. Ich bin sehr selbstkritisch, das blockiert mich ab und an.

 

Du hast einen Ehren-Oskar für das beste Szenenbild des Films „The Grand Budapest“ erhalten.

Als ich vor einigen Monaten diesen Award von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences direkt aus Hollywood zugeschickt bekam, war das natürlich eine überwältigende Sache! Ich konnte das erst gar nicht fassen, dass der Oscar mit vier Jahren Verzögerung bei mir eintraf. Das hatte wohl den Grund, dass sich in der Zwischenzeit meine Adresse geändert hat und das Paket zwischen Hollywood und den Babelsberger Film Studios hin- und her geschickt wurde.

 

Warum begeistert dich die Arbeit für den Film? Hat das eine Geschichte? Was nimmst du von der Filmarbeit für deine Gemälde mit?

In künstlerischer Hinsicht holte man mich als Set Painter zu dieser Produktion, bei der ich Dinge in verschiedenen Szenen auf „Vintage“ bringen sollte. Der Film spielt bekanntlich Anfang der1930er Jahre. Im Art Departement Babelsberg, das anerkannter Weise eines der besten der Welt ist, professionalisierte ich die Technik der auf „alt“ gemachten Oberflächen. Das kam meiner damaligen Malerei zu Gute. Bilder, die während dieser Zeit entstanden sind, sind die besten der ganzen Serie.

Für spezielle, künstlerische Aufgaben engagiert mich das Art Departement regelmäßig.

 

Was wärst du geworden, wenn du nicht Maler geworden wärst?

Da muss ich nicht zweimal überlegen: Musiker! Seit meinem 14. Lebensjahr spiele ich Gitarre. Ich war lange Musiker, bevor ich mit der Malerei begann, habe mit meiner damaligen Band eine LP eingespielt und war auf Tour. Seitdem läuft meine künstlerische Karriere in zwei Bahnen: Musik und die Malerei. Wobei die Malerei an erster Stelle steht. Aber ich brauche das Eine wie das Andere. Ich bin der festen Überzeugung, dass gute Maler auch musikalisch sind – vielleicht sogar auch umgekehrt. Die Malerei und die Musik gehören für mich zusammen. Nicht von ungefähr spricht man zum Beispiel von Farbklängen oder Farbkomposition.

 

Vielen Dank und viel Glück für die Ausstellung.

 

Die Ausstellung:

 

MASCH – Essentials

  1. Dezember 2019 – 22. Januar 2020

Opening: 06. November 2019 um 19 Uhr

Galerie Sievi, Gneisenaustraße 112, 10961 Berlin

 

Mehr Infos: https://masch-art.com/

und in unserem neusten Heft!

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