COLIN STETSON

DER SOUNDTRACK ZU HEREDITARY

Düster und oft auch schräg, aber immer passend, ist der Soundtrack zu HEREDITARY. Jazzmusiker Colin Stetson weiß genau was er macht. Das gilt für seine Art Altsaxophon zu spielen und auch für seine Art zu komponieren. Der Soundtrack erschien gerade digital bei Milan und ist ein Soundtrack Highlight. Karsten Wallert sprach mit Komponist Colin Stetson.

 

SLATE: Was ist deine musikalische Ausbildung? Was hat dich zur Filmmusik geführt?

Colin Stetson. Festival de la Cité. Lausanne. Photo Marie Magnin

COLIN: Ich war schon länger als Künstler tätig, als Maler, Bildhauer, Set oder Kostümdesigner für das Theater und den größten Teil meines Lebens habe ich mir vorgestellt beim Film zu arbeiten, auf einer visuellen Ebene. Mit 15 habe ich sehr schnell angefangen mich ernst mit Musik zu beschäftigen und diese Leidenschaft hat mein Weg im Leben bestimmt. Als Musiker habe ich auf jeden Fall den Sinn für visuelle Erzählungen behalten, besonders in meinen Solo Alben  und als ich die Gelegenheit bekommen habe Filmmusik zu machen, war ich sehr gespannt und habe sehr schnell gemerkt dass dieser Prozess mir gefällt.

 

SLATE: Wie wurdest du kontaktiert für HEREDITARY?

COLIN: Ari hatte mich ein paar Jahre eher kontaktiert als er die erste Fassung vom HEREDITARY- Drehbuch fertig hatte und sagte dass er meine Alben gehört hatte als Inspiration während er es geschrieben hat. Er wollte wissen ob ich die Musik dafür schreiben würde. Ich habe das Drehbuch gelesen und Ari erklärte mir seine Vision, wie er diese Geschichte erzählen möchte und was die Musik für eine Rolle spielen würde. Ich war sofort gefesselt und ein paar Jahre später hat sich das Projekt auf eine schöne Weise entwickelt.

 

SLATE: Ein paar Worte über den kreativen Prozess?

COLIN: Es war ein Vergnügen mit Ari zusammen zu arbeiten. Es war von Vorteil, dass wir so lange vor dem Dreh schon in Kontakt waren. Ich konnte schon früh mock ups und Demos für Themes, Sounds und Texturen machen, basierend auf der ersten Fassung und auf den ersten Dreharbeiten. Als die ersten Schnitte kamen, hatten wir schon unsere Basis etabliert und der Grundstein um die richtige Stimmung für den Film war gelegt.

 

SLATE: Was für eine Art Musik war dein Ziel?

COLIN: Ari’s Hauptvorgabe für die Musik war BÖSE. Wir sollten alle Hinweise auf Sentimentalität oder Nostalgie weglassen und einen Charakter mit bösen Absichten und ungesehenen Machenschaften zum Leben erwecken. Ich wollte mich von klassischen Motiven dieses Genres oder von irgendeinem Genre entfernen und mich auf eine spezifische und mehrdeutige Ausstattung konzentrieren und diese in vollem Umfang nutzen.

 

SLATE: Wie war der Aufnahmeprozess?

COLIN: Ich arbeitete allein im Studio, ich spielte alle Instrumente selbst ein und mixte direkt danach. Für mich war das Schreiben, Spielen und Aufnehmen alles ein laufender Prozess, was Anfang 2017 angefangen hat und Anfang 2018 abgeschlossen wurde. Es war natürlich viel Arbeit, obwohl dieses Erlebnis sehr angenehm war. Das experimentieren war immer fun und fast immer erfolgreich und es gab keine großen Hindernisse auf der Strecke.

 

SLATE: Und die übliche Frage zum Schluss: welche Rolle spielt Musik bei einem Film grundsätzlich, deiner Meinung nach?

COLIN:  Ich nehme Filmmusik wie Kollaboration/Arrangement beim Songwriting wahr. Meine Beteiligung sollte nur das entsprechen was noch gebraucht wird für einen Song oder einen Film in diesem Fall, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Diese Rolle sollte bei jedem Film eine andere sein und nur spezifische Bedürfnisse erfüllen,  je nach Geschichte, Bildsprache oder Intention.

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