EISBRECHER TALK ABOUT

UM DAS EIS ZU BRECHEN BRAUCHT MAN EIN MEGA HERZ

 

Als es innerhalb der Band MEGAHERZ musikalische Differenzen gab, gründeten Alexander „Alexx“ Wesselsky und Jochen „Noel Pix“ Seibert EISBRECHER. Das war 2003 und da setzt unser Interview mit Alexx an.

 

 

C&D: Warum hast du dich letztendlich mit Noel zusammen von Megaherz verabschiedet hast?

Alexx: Ich habe mich von Megaherz getrennt, weil ich von den ewigen Umständen die Schnauze voll hatte. Weil es einfach zu langsam und zu lahm ging und weil man das Gefühl hatte, dass da unüberwindbare Hürden in den Weg gestellt wurden. Also fesche Jungs, man war jung, man war wild und man dachte sich dann: Dann halt nochmal von vorn das Ganze. Pix und ich hatten keine Ahnung wohin es gehen sollte. Man hat sich nicht verstritten zu Megaherzzeiten und man hatte sich auch angenähert, aber es war die Zeit sich von Megaherz zu trennen und mit Pix weiter zu ziehen. Und dann kam raus was raus gekommen ist. Ich kann dir also nicht sagen wieso es klingt wie es klingt. Wir haben uns da eigentlich gar nichts vor genommen. Das erste war Deutsch und die Musik war irgendwie elektronisch, also ein Unterschied zu Megaherz. Viel größer kann der Sprung für mich nicht sein zu Herzwerk II und Eisbrecher eins- Herzwerk war eindeutig Rockseite, laut und deutlich und very happy. Und Eisbrecher ist deutlich elektronisch mit deutlich reduziertem Gitarrenbeiwerk. Also da ist der große Unterschied. Heute würde ich sagen, dass es später sich kristallisiert hat- Eisbrecher ist rockiger geworden und naja… damals wars halt so. Liegt vielleicht auch daran, damals waren wir zwei Leute und er war der Meister der Elektronik. Er spielt ja Gitarre, er macht Elektro und so weiter… Und dann haben wir das so gemacht. Wir haben das nicht als Bandprojekt gemacht sondern als Zwei-Mann-Ding. Deswegen klingt es vielleicht so elektronisch, wie es klingt. Es war halt einfach so. Es war kein Plan dahinter. Auch wenn da Ähnlichkeiten sind und da die gleiche Stimme ist, macht viel aus aber es hat ja nichts genutzt. Auch die Sticker auf der ersten Platte “ die ehemaligen Megaherz Mitglieder“, deswegen haben wir trotzdem nicht viele Platten verkauft. Was haben wir denn damals verkauft aus dem Stand? 10 Mille? Ja gut, dass ist gar nicht so scheiße wie wir auf dem heutigen Markt sehen. Mit der ersten Scheibe war dann Eisbrecher auch gleich wieder gefährdet. Da hat uns die Plattenfirma auch gleich wieder den Stecker gezogen, weil dem einen war es schon wieder zu viel elektronisch und dem Anderen dies und das. Ja, da mussten wir ganz schön einstecken.

 

C&D Da muss man ja dazu sagen dass ZYX nicht die große entscheidende Firma ist, die genau solche Sachen letztendlich nach vorne bringen kann. Wie seid ihr damals bei ZYX gelandet?

Alexx: Drei Alben lang mit Megaherz. Und dann sind wir mit Herzwerk II zu BMG Ariola gegangen. Heute sind wir die BMG Nachfolgeorganisation.  Da sind wir heute wieder mit Eisbrecher. Klingt irgendwie witzig. Ganz ehrlich, natürlich brauchst du ein gutes Team und so weiter, der Gregor Minnig war kein schlechter Kerl, das ist er heute auch nicht und er war unser Arbeitskämpfer und bei ZYX wusste man was man hat. Christian Mikulski und Gregor Minnig, warum nicht? Lieber weiß man mit wem man es zu tun hat, ok da gibt’s auch gut und schlecht, aber man weiß worauf man sich einlasst und dann gibt es andere, die versprechen dir viel und du weißt nicht was auf dich zu kommt. Also haben wir uns entschieden wieder zurück zu ZYX zu gehen. Start bei 50.000 Plattenverkäufen. Am besten ohne Werbung und Marketing. Hat damals nicht funktioniert, funktioniert heute auch nicht. Aber kalter Kaffee von gestern, aber es war nicht einfach. Für Megaherz das Ende war nicht leicht und für Eisbrecher der Anfang war auch nicht leicht. Und es sollte schwierig bleiben. Es ist und bleibt ein hartes Geschäft.

 

C&D: Nun kann man ja dann sagen. Bei diesen ganzen Wechsel die es in dem Plattenlabelbereich gab, auch der ganze Personalwechsel, kann man sagen was man will, konsequent habt ihr euren Weg durchgezogen und seid letztendlich und im Moment an der Spitze angekommen. Also 100 Punkte, alles richtig gemacht oder?

Alexx: Naja, 100 Punkte alle richtig gemacht – heißt, zumindest nicht so viel falsch gemacht. Also alles was in diesem Geschäft zählt ist einfach dran bleiben, dran bleiben und dran bleiben. Die Jungs und ich haben es weit gebracht, also irgendwie haben wir wohl mehr richtig als falsch gemacht. Also das Ergebnis nicht schlecht, aber man kann immer geiler sein. Also Stück für Stück immer ein bisschen nach oben ist die richtige Richtung. In so fern, ja. Mit Glück einer vernünftigen Taktik haben wir es doch. Wir sind demütig genug um zu wissen dass es ohne Glück gar nicht funktioniert, aber man kann auch viel lernen. Man muss lernen in dem Geschäft und wir wollten viel lernen, ja wir haben viel richtig gemacht und man muss dieses Business auch einfach durchschauen.

 

C&D: Wenn wir jetzt mal auf diese ganzen Personalwechsel zurück kommen, die in den letzten zwölf, dreizehn Jahren vollzogen wurden – sieht du Eisbrecher für euch beide als Duo-Projekt oder als Band-Projekt?

Alexx: Ja es ist halt ein Duo-Projekt wenn es darum geht Schallplatten zu machen und es ist ein Projekt die ganze Band auf die Bühne zu stellen. Ganz einfach. Pix und ich, wir tragen von Tag eins an die Verantwortung. In so fern ist es immer wieder nicht einfach, man muss sich dazu durchringen Entscheidungen zu treffen und die müssen einstimmig getroffen werden. Und ja, wir bleiben, was der Motor angeht das Duo. Aber wir haben natürlich auch das Team dabei. Es gibt also keine Probleme wenn es darum geht die Songs zu schreiben und mit Leuten zu sprechen, mit Kumpels auszutauschen und man arbeitet besser. Man arbeitet mit Hinz und Kunz, der Eisbrecher Grundsatz heißt „Willkommen“. Die Verantwortung liegt bei uns und zu zweit auf der Bühne zu stehen ist ein bisschen wenig. Eine Rockband braucht fünf Mann. Das war so, das ist so, das bleibt so. Deswegen auf der Bühne fünf. Aber für die Verantwortung, die Planung ist und bleibt es zwei. Also beides ist richtig.

 

C&D: Nun war das Quintett nun auch Sturmfahrt Tour. Erfolgreich für euch gelaufen? Gabs da was besonderes, was du gerne berichten würdest von der Tour?

Alexx: Also die Tour ist hervorragend gelaufen. Wir hatten mehr Leute als je zuvor. Viele Alben verkauft in Zeiten in denen man immer weniger Alben verkauft, der Markt immer weniger Alben aufnimmt. Ist alles gut, wir können uns nicht beschweren. Von daher, wie viel eine Band wert ist sieht man an der Abendkasse.

Wenn man dem zu Grunde legt haben wir eine sehr erfolgreiche Tour absolviert die uns auch erstmalig nach Frankreich geführt hat und zum Club-Gig in die Niederlande in Eindhoven. Also Paris, Eindhoven, Zürich, Österreich, das war eine Europatournee und sie war erfolgreich. Wir haben eine fette Bühne gebaut,waren mit drei Nightlinern und drei Trucks unterwegs. Also wir waren über 50 Mann Produktionscrew. Es gehören schon ganz viele Menschen inzwischen zu uns und waren mit uns unterwegs. Und das bedeutet Verantwortung. Früher bist du mit dem Sprinter gefahren und hast dich irgendwo rein gestellt und einer vom Club hat dir, wenn er Lust hatte, so zwischen Bier und Zigarette mal das Licht aus gemacht. Und heute schleppen wir uns alles selber mit, wie diese riesen Bands die inzwischen alles selbst machen. Warum? Weil man nur dann weiß, was man macht. Das beste Teamplay ist das, bei dem man sich auf sich und seine engten Mitstreiter verlassen kann. Und auf das Warum, warum wir so viele Leute ausgetauscht haben in den letzten Jahren, die Tour war super. Punkt. Wir haben es überlebt. Bin gestern übrigens 49 geworden.

 

C&D: Herzlichen Glückwunsch

 

Alexx: Ja, danke. Ich hab mich als Frontman ganz gut gehalten. Man nimmt es so wie es kommt. Weißt du, man kann es genießen. Es ist geil. Es ist nicht so – die Zeit ist vorbei. Sondern es macht immer noch Freude, einfach restlos. Das Beste was man haben kann, auf der Bühne die Energie, die Energiespirale in die richtige Richtung aufzudröseln. Das ist einfach geil. Wenn dieses Energie-Pingpong funktioniert. Und zu den Menschen die Eisbrecher verlassen haben: Die haben Eisbrecher verlassen weil das Leben seine Weichen stellt. Das heißt – Wenn einer Kinder bekommt und Vater wird, der braucht auch Regelmäßigkeit und der braucht auch Sicherheit. Da ist dieser Rockjob mit seiner Unwegbarkeit einfach das Gegenteil, nicht die richtige Wahl. Deswegen haben sich viele entschieden aus privaten Gründen, familiären Gründen stellenweise die Band zu verlassen. Wir sind nie im Schlechten gegangen. Jeder ist jetzt da wo er hingehört. Ich habe keine Kinder und bin mit dem Eisbrecher verheiratet, aber es gab viele Väter und sie denken an die Zeit zurück und so stellt das Leben seine Weichen. Also völlig wertneutral, es kommt wies kommen muss und jeder sollte so intelligent sein und erkennen mit wem oder wo er hin gehört. Und für jeden gibt es eine Zeit. Der Rock’n’Roll ist nun mal das Gegenteil von Sicherheit.

 

C&D: Ja das ist ganz klar, das ist bei uns Journalisten letzten Endes nicht anders. Und wie bei so einem Verlag, wir sind davon abhängig und man muss diese Sache lieben die man tut.

 

Alexx: Wir ernähren uns alle von der gleichen Nahrung. Jeder von der anderen Seite. )Aber Sicherheit gibt es nicht. Und aus diesem permanenten Gefühl der Nicht-Sicherheit entstehen auch ganz andere Glücksgefühle und Glücksmomente, das ist auch immer wieder schön einen Gig zu erringen. Schwierig. Manchmal denkt man sich scheiße ich wäre jetzt doch lieber Lehrer oder Polizist oder wer weiß was, aber so sind wir nicht. Du bist da wo du hin gehörst.

 

C&D: Jetzt ist es ja so, dass ihr wie jeder andere auch, mit dieser erdachten Schublade „Neue Deutsche Härte“ konfrontiert werdet. Klar gehört ihr nicht dazu. Für mich auch. Ich muss aber kurz als Hintergrund sagen dass die ganze Abhandlung die nun dieses ganze Interview begründet, daraus entstanden ist dass wir mal gesagt haben – ok wir schmeißen Mal mit diesen Wörtern um uns und suchen uns da mal ein paar Band raus, die neue Deutsche Rockmusik machen, die gut sind und gucken mal wo diese Bedeutung eigentlich her kommt. Wie würdest du diesen Begriff Neue Deutsche Härte definieren?

Alexx: Ha! Das fragst du mich? Seit Jahren ist dies ein Totschlagbegriff. Bezeichnend für die Hinterfotzigkeit des Begriffes ist die Geschichte dass es mal ein Buch gab, das hieß „Last Exit Germania“ von einem Wolf Rüdiger Mühlmann. Ich glaube es war 1997/1998 oder weiß der Kuckuck irgendwas um den Dreh.“ Last Exit Germania“, da ging es um Bands wie Richthofen, Rammstein, Laibach und weiß der Kuckuck. Also die neue Deutsche Härte als Rammstein und die Neue deutsche Härte und was soll das überhaupt sein? Blablabla. Und seitdem denkt man sich, das ist der einzige Begriff. Ich weiß nicht, ist er dazu da um zu diskriminieren? Oder ist er dazu da dass er sagt: Geil, hier gibt’s was das super ist? Neue Deutsche Rockmusik gefällt mir da schon besser. Aber auch das ist Quatsch. Was heißt denn schon neu? Rockmusik gab es immer in Deutschland und mal härter und mal weniger hart. Was ist daran neu? Also wenn Rammstein damals einen neuen Trend los getreten hat, dann war das damals neu. Neue Deutsche Härte oder neue deutsche Rockmusik, warum hat man dann alle Bands die klingen wie Rammstein gleich totgeschlagen, journalistisch und medial. Oder die Band zurück geschlagen weil sie nicht klingt wie Rammstein? Komischerweise hat es nicht funktioniert. Es wurde immer nur belächelt – wie ihr wollt sein wie Rammstein aber klingt nicht wie Rammstein. Oder ihr grenzt euch zu wenig ab von Rammstein oder ihr seid zu weit weg von Rammstein. Alles Bullshit. Es hat also nicht funktioniert. Mir persönlich ist es immer scheiß egal ob jemand Neue Deutsche Härte drauf treten will oder nicht, es gefällt oder es gefällt nicht. Musik ist ganz einfach. Und ich finde es gut oder ich finde es scheiße. Und es funktioniert oder es funktioniert nicht. Oder – Es ist zwar nicht mein Thema aber ich finde das was die Jungs da auf der Bühne machen trotzdem geil. Hm… Vielleicht ist es auch keine deutsche Tugend auch mal andere Leben zu lassen und mal zu sagen – Respekt. Wie gesagt, ist nicht meine Welle aber was die machen, machen sie nicht schlecht. Also, lange Rede, kurzer Unsinn: Dieser Stempel und dieses Label, diese Schublade NDH hat für keine Band Gutes gebracht und für keine Band funktioniert. Mal schauen wohin diese Reise führt.

 

C&D: Ich sage jetzt mal so, die Theorie die wir jetzt am Tisch entwickelt haben, ist doch: Wenn Journalisten keine Schubladen erfinden wissen die A&Rs doch nicht was es sein soll. Also wenn man sich Deutschland anschaut als A&R Land, dann hast du eigentlich immer irgendwelche A&Ss die dann natürlich meist dem Trend aus Amerika folgen. Aber wenn die das nirgends einsortieren können und sagen können ok die Band hat bei dem Label  gute Zahlen bekommen. Das Einzige was aus meiner Sicht oder unserer Sicht neu ist, ist das in den letzten 10-15 Jahren bei den Leuten in Deutschland immer mehr in Bewusstsein davon stand sich Deutsche Texte bei Rockmusik mal anzuhören. Weil wenn du überlegst, vor 20 Jahren war es noch verpönt deutsch zu singen.

Alexx: Da hast du Recht… Es ist eine Abkürzung. Und der Begriff selbst sagt nichts. Es ist halt Neu – Ja es ist deutsch aber was daran neu sein soll weiß ich nicht. Und Härte.. ja Härte. Weiß nicht. Also neue Deutsche Härte. Ich finde es ist ein schwachsinniger Begriff. Man kennt deutschsprachige Rockmusik schon ganz lange irgendwo zwischen Wolf Maahn, den Toten Hosen, zwischen den Böhsen Onkelz und zwischen Rammstein und auch Westernhagen und was weiß ich noch alles. Es gab oder gibt halt noch keine Deutschsprachige Heavy-Metal oder Hardrock Tradition. Im Klassischen Sinne. Es immer entweder Punk, oder etwas links, also jetzt nicht zu krass sozialdemokratisch oder zu krass Links oder so aber so ein bisschen so a la Toten Hosen, das geht, da hast du das Gewissen das ist geil. Kommt aber irgendwann eine Band wie die Rammsteiner dann daher und hauen alle um und haben keinerlei Aussage, dann weiß keiner stehen die links, rechts, oben, unten – ohhh alle verunsichert. Weil in Deutschland nicht mal ein Künstler als Bekenntnis nach links Liberal abliefern. Das beruhigt. Das beruhigt unglaublich. Die Böhsen Onkelz haben ja das Gegenteil bewiesen, dass es auch in die andere Richtung geht, Freiwild übrigens auch und das in Deutschland. Wenn die Journalisten alle einig sind – die sind bestimmt rechtsradikal – dann wird so lange geschrieben, bis aus dieser rechtsradikalen Tasche ein super duper Verkäufer wird. Also ein Super Thema, mega fett und das Thema wird irgendwann so groß, dass man dann sagt – Ha, das ist ja Kunst. Oder ach, das ist Links. So ist auch die Erfolgsquote von Rammstein auch nichts anderes. Da stimmt nicht mal die Ästhetik. Was das ist rechts – Nein, die sind Kunst, nein die sind Links. Punkt. Und jetzt dürfen die auf den Spiegeltitel drauf. Und verkaufen weltweit 55 Millionen Platten. Komisch – jede Band, die die rechts Keule auf den Kopf bekommen hat und damit gespielt und kokettiert hat, verkauft nun Millionen Platten und viele Bands die sich diesen Weg sparen verkaufen gar nichts oder es wird einfach al gar nicht darauf geachtet. Das finde ich schon ganz schön witzig. Also ist schon witzig um auf bekannt zu machen und Strategie zu entwickeln muss man sagen – hey willst du sie auf deiner Seite haben dann musst du erst mal in die rechte Trompete blasen damit sich alle schön aufregen und da funktioniert dieser Reflex schon. Und unter dieser Überschrift wurde die neue Deutsche Härte eingeführt. Und wir unterstellen jetzt mal generell allen, die jetzt ab 1996/1997/1998, alle die deutschsprachige Rockmusik machen, dass sie eher rechts sind als links und sie müssten erst mal das Gegenteil beweisen. Und wenn sie erfolgreich werden, wie jetzt Rammstein dann braucht man keine Beweise mehr denn Erfolg ist ja wie ein Wertneutral, mit Echo und Bambi. Und ansonsten muss man aus dieser Schmuddelwäsche, dieser Schmuddelecke wieder raus kommen. So jetzt schauen wir mal, wer ist noch geblieben aus den 90er Jahre der harte deutschsprachige Rockmusik macht? Wer denn?

 

C&D: Na da haben wir ja Rammstein, die Hosen und die Onkelz.

Alexx: Nein, ich meine jetzt mal die neue Deutsche Härte gelabelten Bands. Keiner. Das ist nicht existent. Und mir ist aufgefallen seit 10 Jahren, oder auch fünf, jeder kommt daher uns sagt „ja ihr seid die neue Speerspitze der neuen Deutschen Härte denn ihr seid ja schon lange dabei“ wie Megaherz und Oomph und so. Ernsthaft?! Oomph gab es lange bevor es den Begriff gab, Megaherz gab es lange bevor es den Begriff gab und Eisbrecher ist sehr erfolgreich obwohl wir im Blitzlicht mit diesem ganzen Scheiß gelinde gesagt nichts zu tun haben. Wir sind so ein bisschen Gothic, ein bisschen Metal, ein bisschen Electro, ja wir sind  irgendwo alles aber mit dieser neuen deutschen Härte haben wir nichts zu tun. Das ist ein Begriff der eigentlich am Ende der 90er oder spätestens Mitte der 2000er Jahre beerdigt wurde. Es ist halt Rockmusik mit deutschen Texten. Und jetzt ist es so, als wir damals angefangen haben Musik zu machen hat uns jeder ausgelacht und gesagt – was? Deutsch? Guck mal, Guano Apes sind erfolgreich, haha ihr seid Vollidioten. Die Happy ist erfolgreich. So heute, zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre später, lacht dich jeder aus wenn ich sage- ich singe englisch. Aber bei denen lief es so vom Text, der Aussage– ich meine eigentlich jetzt den neuen deutschen Schlager – Bourani, Forster und co. Da wünscht man sich eigentlich dass wieder englisch gesungen wird. Auf Deutsch versteht man einfach diesen unglaublich nichtssagenden  Scheiß, völlig aussagelos, absolut unemotional, aufgesetzten Brei der die Gehirnrinde verkleistern soll. Ja dumm, da wünscht man sich wieder so alte Texte wie Roland Kaiser oder Udo Jürgens zurück. Das hatte noch was. Aber das andere, dieser neue deutsche Schlager ist einfach nur etwas was die Ohren zuseift und Platz verkauft.

Aber ich darf auch mit Bedauern feststellen dass es um die deutschsprachige Rockmusik echt nicht gut bestellt ist. Sonst würde es einen Nachwuchs geben. Und den gibt es nicht. Und in so fern würde ich sagen dass sich keiner, kein Journalist, kein Plattenfritze oder irgendeiner verdient gemacht hat auf die harte deutsche Rockmusik good old Germany in den letzten Jahren, denn alle haben mehr verhindert. Mehr verhindert als geschaffen oder irgendwelchen Leuten eine Chance zu geben, da hat sich nichts verändert. Ich finde es einfach traurig. Ich finde es einfach traurig und die Musiklandschaft ist öde und langweilig und wir sind einfach ein Absatzmarkt und der Rock kommt von Übersee- Metallica zahlst du 200 Euro fürs Ticket – aber für eine Band von um die Ecke, da geht halt keiner hin. Wir schauen wohin die Reise geht. Vorhin musste ich mir und Pix auf die Schultern hauen, dafür dass es uns überhaupt noch gibt. Und dass wir überhaupt noch so erfolgreich auf dem Level agieren, mit den Möglichkeiten die wir haben. Entweder sind wir so klug oder wir haben so viel Glück oder irgendwie beides. Aber dieses Level unterhalb von 5.000 – also dieses Level unterhalb den Broilers dürfte es nichts mehr geben.

 

 

C&D: Naja das Problem ist ja was ich auch sehe, dass du natürlich um überhaupt mal Sachen kennen zu lernen, mal abgesehen von den Medien mit denen man sich täglich beschäftigt. Früher bist du mal in Plattenladen gegangen und der Dealer deiner Wahl hat ein paar neue Sachen auf den Tisch gelegt und dann hast du dir die angehört. Wo kannst du das heute noch?

Alexx: Naja gar nirgendwo. Du trinkst n Kaffe, du rauchst n Joint und dann stellst du dich hin und schaust wonach du suchst. Sowas gibt’s halt nicht mehr. Schade. Aber du, es bringt einen nicht weiter der Vergangenheit hinterher zu träumen, aber man darf ja feststellen. Man kann ja mitgehen aber man muss nicht alle beklatschen was gerade aktuell ist. Und ich muss ja auch nicht so tun als wäre alles früher besser gewesen.

 

C&D: Immer weniger CDs, Vinylverkäufe stabil, Konzerte werden teurer, Downloads steigen, vor allem auch die illegalen. Wie wird sich der Konsum verändert, fällt der Werteerhalt weg?

Alexx: Da hast du recht und es wird sich dahingehend ändern, denn die neue Hardware wird heißen T-Shirt und Sweatshirt, neue Hardware wird heißen Tickets und vielleicht wird man bei Live-Events nur noch das Vinyl mitnehmen weil die CD tot ist. Und das wars. Mag sein es wird immer irgendwie weiter gehen, nur das Massenprodukt ist durch die totale Digitalisierung eine veränderte Einnahmemöglichkeit. Es geht immer mehr hin zur Industrie und immer mehr weg vom Künstler. Das wird immer mehr zum Problem. Und das heißt die Großverdiener sind dann i-Tunes, Spotify & co und nicht Eisbrecher Alex, Pix, oder sonst wer. Unglaublich, wir sind dann diese Idioten die dafür sorgen dass irgendwelche Leute mit mehr oder weniger halblegalen oder illegalen Komponenten ihren Geldspeicher füllen. Ist so. Aber mal sehen wohin die Reise geht. Immerhin sind wir schon fast 50 viel muss man ja nicht mehr mitmachen und man hat ja auch ein paar Jahre noch mitbekommen vom klassischen Rock’n’Roll Business. Dieser ganze zukünftige Scheiß… abwarten.

 

C&D: Der Spaß darf nicht verloren gehen. Das ist immer noch das wichtigste.

Alexx: Ne, ne ansonsten ist man im Musikgeschäft falsch. Es muss schon Spaß machen. Wie gesagt, Rockmusik darf ja beides. Rockmusik darf Spaß machen und unterhalten und man darf auch mal stinksauer sein. Und das ist halt geil und deswegen mache ich das ja auch. Damit ich nicht auf einer Emotion rum taste von – ich bin so gut drauf, das Leben ist so geil – Nö, man kann auch mal sagen fuck the system.

 

C&D: Eine Frage wäre jetzt noch – Abschlussworte. Willst du noch etwas los werden an die Leser und an die Fans?

Alexx: Es gibt ein paar Dinge im Leben, die sind richtig unwichtig. Es ist nicht wichtig, welche Buchstabenkombination auf deiner CD oder auf deinem Album hinten drauf steht, es ist wichtig welcher Künstlername oder Bandname vorne drauf steht. Deswegen scheiß auf Label, jeder Zuhörer darf auch etwas schlecht finden und ob nun Nirvana Grundge war, es wird für alle Zeiten scheiß egal sein, weil Nirvana war geil. Und wenn sie jetzt irgend ein anderes Label gehabt hätten, zum Beispiel Pinky Fox oder Vollgeschissene Unterhosen, dann hätte es auch nichts an der Musik verändert. Es war halt cool. Also, Labels sind ausschließlich für Medienmenschen da und man muss es ja nicht mitmachen. Punkt, aus, Feierabend. Wer happy damit ist, der soll happy damit sein. Das ist mir scheiß egal, wenn ich was nicht gut finde, finde ich es einfach nicht gut selbst wenn ein anderes Label drauf geklebt wird. Und wenn ich was geil finde, ist es mir scheiß egal wenn es andere in eine Schublade schieben. Man muss es ja nicht mitmachen in Deutschland. Alles gut.

 

 

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