WIR GEHEN VOR DIE HUNDE

LETO GEHEN VOR DIE HUNDE

 

Der Satz wird sie bis zum ersten Best of- Album im Jahre 2025 verfolgen, LETO sind „quasi die sozialste Band der Welt“. Immerhin ein Aufhänger der im Gedächtnis bleibt, aber auch die Musik der jungen Band aus der Rookie Familie hat bleibenden Eindruck hinterlassen, bei uns, bei mir, bald auch bei Euch. Es gibt viel zu reden, aber das ganze Interview haben wir hier nicht abdrucken können, das könnt Ihr dann online in unserer Kolumne „Uncut“ lesen, es lohnt sich.

 

Text: Nina Wagenaar / Interview: Oliver Williams / Fotos: Lucja Romanow und Anne (exklusiv für C&D)

 

 

C&D: Wie lebt es sich als sozialste Band der Welt?

Jannes: In Schichtdiensten und vielen Momenten, die eine Menge Empathie abverlangen. Ob wir tatsächlich die sozialste Band der Welt sind, sei mal dahingestellt. Wir sind auf jeden Fall alle mehr oder weniger in sozialen Berufen unterwegs. Phill ist Altenpfleger, Pasn arbeitet mit Menschen mit Behinderung und ich bin Sonderpädagoge. Paul ist gerade im Inbegriff sein Medizinstudium zu beenden und wird wohl einer der coolsten seiner Art. Er hat weder das Sylt- noch das Porsche-Gen, sondern hat die Menschen auf seiner Liege immer im Fokus. Als soziale Band lebt es sich eigentlich ganz gut, weil man relativ häufig authentische Rückmeldungen bekommt, wenn man auf dieser Erde etwas bewegt. Hingegen ist es manchmal ganz schön ätzend keinen Medienfutzi in der Band zu haben, so wie jede andere Band. Aber weil wir ja so sozial sind, können wir Freunde für diese arbeiten gewinnen – es hat alles sein Für und Wider.

 

C&D: Wie kam es zu dieser Aussage?

Jannes: Das hat sich aus einem Mailverkehr mit unserer Labelchefin Anne ergeben. Nachdem ich aufgrund irgendeiner Situation mit der „sozialsten Band der Welt“ unterschrieben habe, war der Drops gelutscht. Anne musste herzlich lachen und schwor in dem Moment diesen Titel im Pressetext zu verpacken. Und jetzt kommst du ;)….

C&D: LETO gibt es seit 2015. Erzählt doch mal unseren Lesern etwas über die Entstehungsgeschichte.

Paul: Wir kennen uns alle schon über zehn Jahre. Pascal und Jannes haben früher in einer Punk-Band gespielt, Phill und ich haben früher Emo-Punk gemacht. Unsere Wege haben sich oft in den regionalen Jugendzentren gekreuzt, so haben wir uns kennen gelernt. Phill hat oft bei Jannes und Pascal als Gitarrist ausgeholfen und so kam es dann nach einiger Zeit dazu, dass ich eine SMS von Jannes bekommen habe, mit der Frage, ob wir nicht mal was zusammen machen wollen. Ich habe mich mega darüber gefreut. Wir haben uns bei Jannes in der WG getroffen und ein paar Pils später waren wir eine Band.

C&D: Ihr habt im Herbst Euer Debütalbum veröffentlicht. Wie zufrieden seid Ihr damit?

Paul: Stolz wie Bolle! Das ganze Jahr war echt gut zu uns. Das wir mit dem Album bei Rookie Records landen konnten, hat uns irre gefreut und wir sind sehr zufrieden mit dem Album. Von der Produktion über das Artwork bis zum fertigen Produkt ist alles so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Ich kann das Album nach wie vor gut hören, ohne es doof zu finden.

C&D: Euer Produzent Olman hat einen roughen Sound gezaubert. Entspricht das genau Euren Vorstellungen?

Paul: Wir kennen Olman schon seit mehreren Jahren. Wir haben 2015 unsere EP bei ihm aufgenommen und wollten auch das Album zusammen machen. Wir hatten eine sehr produktive Zeit zwischen Vorproduktion und Album. Olman war insofern besonders wichtig, da er unseren Sound grundsätzlich geprägt hat. Wir haben viele Amps und auch die Drums bei dem Backlineverleih „Rückkopplung Hamburg“ rausgeschleppt, um den richtigen Sound zu finden. Bei den Gesängen haben wir ebenfalls viel probiert, um schließlich die richtigen Mikros und Preamps zu finden. Das haben wir vorher so noch nie gemacht und ich denke am Ende hat sich das gelohnt – es war sowohl dem Studio- als auch dem Livesound sehr dienlich.

C&D: Beeindruckend ist das Cover Artwork. Wie ist die Idee für die Fotos entstanden und wer hat sie gemacht?

Paul: Ein sehr guter Freund von uns und inoffizielles Mitglied Julius Dettmer hatte die Idee dazu. Er hat neben dem Cover auch sämtliche Videos und unser Merch kreiert – von der ersten EP bis jetzt. Er sammelt seit geraumer Zeit unter dem Hashtag #berlintrashtv auf Instagram Bilder von kaputten Glotzen. Er hat mittlerweile 700 Bilder angehäuft und die Idee zu diesem Mosaik ins Gespräch gebracht. Wir fanden das mega gut und so kam auch alles andere dazu. Diese Kleinigkeiten mit dem Videotext im Design, das RGB-Video zu Karma und auch die drei verschiedenen Vinyl-Farben fußen auf dieser Idee. Ein richtig schönes Gesamtkunstwerk von ihm.

C&D: Geht unser Land nicht ohnehin vor die Hunde?

Jannes: Aus meiner Perspektive finde ich es ganz schön beängstigend, was gerade in diesem Land vor sich geht. Seit einer gewissen Zeit passieren Dinge, die ich mir nie nie vorstellen konnte. Für mich ist es unerklärlich, wie Menschen mit erhobenem rechten Arm durch Städte ziehen können und sogar auf politscher Ebene ihr Unwesen treiben dürfen. Ich bin einfach fasssungslos, wie das geht – diese Nazischeiße ist doch historisch gesehen noch so jung. Ich erinnere mich in den letzten Monaten immer wieder an meine Schulzeit in der Orientierungsstufe. Im sogenannten WuK-Unterricht gab es in Büchern immer wieder grausame Bilder aus Konzentrationslagern, auf denen so unglaublich schlimm runtergehungerte Kinder gezeigt wurden. Ich weiß noch ganz genau, dass ich mir einfach nicht vorstellen konnte – so sehr ich mein Gehirn auf Höchstleistung auch getrieben habe -, wie ein menschliches Wesen einem Anderen so etwas antun kann. Und heute sind ähnliche Ideologien wieder salonfähig? Ich könnte einfach nur heulen. Lasst uns Musik machen und dagegen anschreien.

C&D: Wer von Euch würde denn als Bundeskanzler kandidieren?

Jannes: Keiner! Man sollte das tun, was man kann.

C&D: Und was würdest Du verändern?

Jannes: Auch ohne Bundeskanzler zu sein, versuchen wir uns jeden Tag für die Themen Chancengerechtigkeit, Inklusion und Pflege einzusetzen.

C&D: Für mich stellt sich die Frage, ob Musik nicht sowieso mehr verändert als die Politiker, egal welcher Partei sie angehören. Wie steht Ihr zu dieser Aussage?

Jannes: Für uns trifft diese Aussage auf jeden Fall zu. Wir sind uns einig, dass wir einen Großteil unseres Werte- und Normenkatalogs durch Musik generiert haben. Für mich waren „Die Ärzte“ da absolut richtungsweisend. Diese ganze Haltung und die Songtexte haben so starken Einfluss auf mich gehabt, sodass ich mich in der Jugend politisch total orientieren konnte. Also Musik und Texte haben auf jeden Fall eine unglaubliche politische Power.

C&D: Fiebert Ihr auf die kommenden Liveshows?

Jannes: Liveshows sind für uns immer der absolute Gradmesser. Mit dem Debütalbum Liveshows zu spielen, ist für uns das Geilste.

C&D: Können wir im kommenden Jahr eine größere Tour erwarten?

Jannes: Die ersten Shows sind für das nächste Jahr sind gebucht. Da ist gerade noch viel Bewegung drin. Wir werden sehen wie ausgedehnt die Tour sein wird. Wir werden auf jeden Fall in vielen neuen Regionen zu sehen sein. Man darf gespannt sein.

C&D: Nun steht das Weihnachtsfest an. Ist das ein Thema für Euch persönlich?

rbsh

Jannes: Ja, für mich ist das ein Thema. Seit meiner Kindheit finde ich den 24.12. ziemlich aufregend. Früher waren es Geschenke, heute ist es eher das Zusammensein und Runterfahren. Dieser Weihnachtsbumms vor dem Fest gibt mir relativ wenig. Weder ist meine Wohnung geschmückt, noch stehe ich jetzt auf Weihnachtsmärkte. In Hamburg regnet es ja eh nur….

C&D Wie feiert Ihr Weihnachten?

Jannes: Mit meiner Familie bei meinen Eltern. Es gibt super Essen und wir hängen ein bisschen zusammen ab. Am 23.12. ist immer ein traditionsreiches Treffen mit alten Freunden, die man nur zu Weihnachten sieht. Austragungsort ist die Stammkneipe unserer Jugend: Das glorreiche „Schmidts“. Falls sich irgendjemand mal in die absolut biedere Kreisstadt Rotenburg Wümme verirren sollte (die Betonung liegt hier auf „verirren“), geht da hin. Beste Kneipe ever.

 

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