THE HAPPY HAPPY HAPPY SUN

UND IMMER WIEDER GEHT DIE SONNE AUF…

 

Österreich ist eine ganz besondere Welt. Hier entstehen Bands und entwickeln sich Künstler, von denen der Rest der Welt manchmal gar nichts weiß und auch nie wissen wird. Zum trotz alle Social Media Kanäle, Österreich ist für sich und das ist schade. THE HAPPY SUN erscheint am 27. September und dürfte eins der aufregendsten Alben in diesem Jahr werden. Ein zeitloser Indie Rock Sound, der an Größen wie JOY DIVISION, PSYCHEDELIC FURS und SISTERS OF MERCY erinnert, dennoch frisch und modern aus den Boxen strömt, als sei es der Sound der Zeit. Aber irgendwie ist er das auch, denn Zeitlosigkeit wird ja von vielen Künstlern angestrebt, nur eben nicht erreicht. THE HAPPY SUN ist das neuste Projekt von Multi-Talent Gerhard Potuznik. Von wem?

 

Es war uns klar, dass diese Frage kommt und darum haben wir keine Kosten und Mühen gescheut, haben Einreise und Ausreise-Anträge gestellt, die Botschaft in Österreich bestochen und zuletzt auch beim Label höflich angefragt. Dann hat es geklappt. Ein deutsch-österreichisches Aufeinandertreffen war arrangiert und die Musikwelt wird um eine Erfahrung reicher sein – glaubt es.

 

TO GO: Bitte stell Dich doch unseren Lesern einmal vor.

Hallo, ich bin Gerhard Potuznik, Musiker und Grafik Designer und lebe in Wien.

 

TO GO: Bitte erzähle uns etwas über Deine Anfänge als Musiker?

Es begann irgendwann mit einer billigen Westerngitarre, die ich von meinen Eltern bekommen hab, ungefähr zeitgleich mit dem ersten Kassettenrekorder, mit eingebautem Mikro.  Das war noch zur Schulzeit. aber so richtig begonnen hat es Ende der 80er als ich ein Demo zu Gig Records schickte, dem Label wo unter anderem auch FALCO unter Vertrag war. Das kam gut an und ich durfte 1988 meine erste 12“ inch machen, vom Style her sehr New Order/Pet Shop Boys artig. Anfang der 90er lernte ich Patrick Pulsinger und Erdem Tunakan kennen. Auf ihrem Label „cheap records“ veröffentlichte ich dann die nächsten 12 inches und das war dann der eigentliche Start. aber Techno halt, keine Gesang und keine Gitarre. streng verboten!

 

TO GO: Was gab es am Anfang zuerst ein Konzept oder die Musik?

90 % Musik, 10% Konzept würd ich sagen.

 

TO GO: Erinnerst Du Dich noch an den ersten Gig und wie war dieser?

Ja das weiß ich noch genau. das war irgendwann 1987 oder 86 im damaligen Wiener Kultclub U4. als Vorprogramm von einem gewissen Herrn Nikki Sudden, der auf Akkustikgitarren Solotour war. ich trat allein mit Drummaschine und E-Gitarre auf, die Songs von damals kommen in Fragmenten sogar noch jetzt bei The Happy Sun vor.

 

TO GO: Du blickst auf unzählige Alben, 12“ und 7“ zurück, worin unterscheidet sich die Arbeitsweise zu einem Project wie THE HAPPY SUN?

Bei The Happy Sun gibt es meistens demoartige Skizzen, die ich auf die Schnelle mit dem iphone aufnehme und dann im Studio zuhause ausbaue und dann „richtig“ aufnehme. Sowas gab es bei den elektronischen Sachen eher kaum. Aber der Vorgang ist der gleiche, ich mach alles mit logic, arrangiere es dann bis ich einen Song fertig habe, egal ob das jetzt Indie Rockgitarren Zeugs ist oder reine Synths mit Beats. In der letzten Zeit allerdings überlasse ich den Mix dem Bernd Heinrauch und durch die Liveband hab ich jetzt auch Musiker an der Hand, die dann diverse Parts auch aufnehmen und auf der Platte dann auch drauf zu hören sind. Drums programmiere ich gar nicht mehr, weil alles der Philipp Pluhar einspielt, der jetzt auch unser Livedrummer ist. Das ist zurzeit schon eine andere Arbeitsweise.

 

TO GO: Musstest Du irgendwann einen persönlichen Wandel zwischen Elektromusik und Rock vollziehen?

Nein, eigentlich gab es nie einen richtigen Wandel, da ich ja eigentlich vom 70er Hard/Glamrock komme, danach Punk und New Wave. Vor allem im Postpunk und New Wave waren ja gern und oft viel elektronische Elemente, von daher war es für mich nicht schwierig Gitarre und Synths zu mischen oder beides parallel zu machen. Das war immer für mich völlig normal. Ich hab ja auch schon in meiner Technophase mit Tex Rubinowitz eine Art Rockband gegründet, wo ich gesungen hab und Gitarre gespielt hab. Auch die Anfänge bevor ich Techno gemacht hab, waren zwangsläufig mit Elektronik verbunden. Ich hatte ja nie eine Band und ich war gezwungen alles selbst zu machen. eben mit Drummachines, Synths, Samplern etc., so lernte ich auch zu mischen und das ganze Drumherum.

 

TO GO: Wenn man sich Deine Schaffensphase ansieht, dann bist Du ein musikalisches Genie. Der einzige Vergleich der mir dazu einfällt ist TODD RUNDGREN. Wie siehst Du Dich selbst?

Also erst mal danke für den Vergleich. Todd Rundgren mag ich übrigens sehr! Aber nein, als Genie betrachte ich mich ganz und gar nicht. Ich denke dass ich ein gewisses Talent habe Songs zu schreiben und zu singen, technisch bin ich alles andere als virtuos, dass die Schaffensphase so lange andauert überrascht mich selbst, obwohl ich schon sagen muss, dass das immer mein Hauptziel war: einfach so lange es geht Musik zu machen und Sachen rauszubringen.

 

TO GO: Allein als GD LUXXE waren Deine Outputs enorm (fast jedes Jahr ein Album). War da etwas in dir was raus musste?

Ja schon, ich wurde damals, also Mitte der 90er bis Mitte Nuller Jahre von sehr vielen Einflüssen inspiriert und konnte davon im Technobereich vieles nicht so umsetzen. GD Luxxe war sozusagen ein Ventil Songs zu machen mit Vocals, die sich in mir aufgestaut hatten. zum Glück hat das gut funktioniert und durch Labels wie Breakin Records in London oder Ersatz Audio in Detroit kam es in regelmäßigen Abständen zu Veröffentlichungen.

 

TO GO: Ist THE HAPPY SUN Deine persönliche Retroschmiede?

Ja und nein, ich hab The Happy Sun nicht als Retroband konzipiert eigentlich, aber ich merke natürlich selbst, dass ich dann im Mix oder im Arrangement oft und gerne alles schon ein bisschen so hinbiege, dass es nach meinen alten Helden aus den 80ern klingt. Irgendwie nervt mich der Gedanke, „angesagte“ Sounds, Beats etc. drunterzumischen um es moderner klingen zu lassen. Die elektronischen Experimente hab ich schon hinter mir. was ich cool finden würde ist, wenn der The Happy Sun Sound als zeitlos empfunden werden würde, ein Sound der nicht für eine bestimmte Epoche steht, sondern immer Gültigkeit hat, obwohl die Wurzeln klar erkennbar sind.

 

TO GO: Immer wieder klingen JOY DIVISION oder SISTERS OF MERCY durch, was bedeuten diese Bands für Dich?

Sehr viel, diese Bands waren eine riesen Inspiration für mich, als ich zum ersten mal „unknown pleasures“ gehört hab, wusste ich tief drinnen dass das genau das ist was ich machen will. Dies war bei den Sisters ähnlich oder bei Wire. Dann bei New Order natürlich auch ein Grund warum ich wahrscheinlich Gitarren und Synths gerne vermischt hab und nie ein Problem damit hatte. Damals hab ich verstanden das es nicht drauf ankommt ein Gitarrengott zu werden, sondern dass man auch geniale Sachen machen kann, wenn man kein „richtiger“ Musiker ist, das hat viele Tore geöffnet in mir und für mich.

 

TO GO: Vor allem „Summerrain“ ist für mich der beste Song, den die PSYCHEDELIC FURS nie geschrieben haben.

Danke für das Kompliment! wobei ich an Psychedelic Furs beim Schreiben des Songs gar nicht dachte, eher an, hüstel…, REM…

 

TO GO: Wann ist das Projekt THE HAPPY SUN entstanden und wie?

Ich hatte einfach Lust, von einigen Songs die mir was Spezielles bedeuteten, Coverversionen zu machen. Vieles davon Punk/New Wave, wo Gitarre, Bass, Schlagzeug einfach die Elemente waren auf die es ankam. Das machte großen Spaß und im Zuge dessen begann ich eigene Songs zu machen, die mit den GD Luxxe Sachen nichts mehr zu tun hatten. So entstand dieses neue Projekt, aus dem nun ja eine richtige Band wurde. Da hat alles irgendwie schön ineinander gegriffen. ein bissl abgeguckt von Bowie und Tin Machine (lacht) entstanden ist es 2017.

 

TO GO: Bist Du anders an die Kompositionen gegangen als sonst?

Ja, alles entstand auf der Gitarre, die meisten Sachen sogar auf der Akkustischen. Ich nehm immer so Jams auf und such mir dann Passagen die mir gefallen und auf die baue ich dann den Rest des Songs auf. Die meisten früheren Kompositionen entstanden eher beim rumspielen mit neuen Plug ins am Laptop.

 

TO GO: Welches ist Dein persönlicher Lieblingstrack auf dem Album und warum?

Das ändert sich laufend, bis vor kurzem war es der Opener „Alien girl“ – das ist auch einer der letzten Tracks die ich gemacht hab und der ist für mich so schön stimmig, straight, ohne Schnickschnack, inklusive dem Text. zurzeit mag ich aber „All your colors“ am liebsten, vielleicht aber einfach deshalb weil ich das grad mit der Band probe.

 

TO GO: Kann man bei THE HAPPY SUN von einem langfristigen Projekt ausgehen?

ja

 

TO GO: Trotz der vielen Projekte bist Du in Deutschland immer noch relativ unbekannt. Woran liegt das?

Vielleicht weil ich zu unterschiedliche Sachen mache, das ist schwierig mit zu verfolgen. es liegt aber sicher auch an mir selbst, weil ich ein superschlechter Verkäufer bin und mir das ganze Drumherum eher auf die Nerven geht. Ich mag keine Partys (hallo Deichkind) und lass mich selten wo blicken, auch wenn ich mir dadurch die ein oder andere Tür verschließe. Networking und so ist nicht so mein Fall.

 

TO GO: Sind manche Ideen von mehr Kapital abhängig?

Du meinst die Umsetzung von Ideen? hm.. ja, klar wäre es lustig jetzt Unmengen an Kohle zur Verfügung zu haben um sich von David Lynch und Tarantino Videos drehen zu lassen und superfettes Marketing zu machen. Es würde jedenfalls dem Ganzen wahrscheinlich nicht schaden, wenn man mehr Kapital zur Vergügung hat. Aber im Endeffekt kann man ja schon vieles machen ohne viel Geld zu brauchen, solange die Idee gut ist.

 

TO GO: Wie ist das Cover vom HAPPY SUN Debüt entstanden?

Ich bin aus der Dusche gestiegen und hab mir ein Handtuch um dem Kopf gewickelt beim abtrocknen und stand so vorm beschlagenen Spiegel und dachte dass das super aussieht. Man weiß nicht genau was das soll, es sieht irgendwie nach ägyptischer Mythologie und exotisch aus und gleichzeitig halt nach jemand der ein Handtuch am Kopf hat, sowas mag ich sehr. Das ist auch in den Texten oft so, dass die Dinge was völlig anderes bedeuten als man am ersten Blick liest. Das war dann auch beim Rest des Artworks so. es sind alles ganz banale Fotos von meiner Umgebung. der Innenhof vom Haus in Wien wo ich wohne, der Garten meiner Mutter, Urlaubsfotos aus Malta etc., aber die sind eben anders in Szene gesetzt, so dass man mehr drinnen sieht als was sie eigentlich darstellen. Das DIY Prinzip einfach ein wenig weitergedreht, Photoshop sei Dank. Sinngemäß: vom Hinterhof in der City zu fremden Welten ist es nur ein kleiner Schritt.

 

TO GO: Welchen Einfluss hat Kunst in Deinen Projekten?

Mich haben die sogenannten Artrock Bands der 70er immer sehr beeindruckt, weil da Dinge möglich waren, die eine herkömmliche Band vielleicht so nicht gewagt hätte. Das waren oft Kunststudenten, von Genesis bis Wire und deren Zugang war mir sehr sympathisch, auch wie ein Brian Eno an seine Sachen rangeht zum Beispiel „soundpainting“. Ich war früher auch sehr an Surrealismus, Dadaismus und Futurismus interessiert und der Besuch einer Galerie war für mich damals immer extrem inspirierend – also musikalisch. Ob das jetzt immer noch einen Einfluss hat, kann ich schwer sagen, aber wahrscheinlich doch irgendwo, am ehesten in den Texten.

TO GO: Lässt Du lieber Deine Musik für Dich sprechen?

Ganz klar: ja. Neuerdings auch gern bei live Gigs.

 

TO GO: Nun sind ja auch zahlreiche Werke von Dir auf Vinyl erschienen. Bist Du in dem Bezug eher old school?

Naja, Vinyl ist ja inzwischen wieder nu school (lacht) oder wieder out? Dass viele meiner Sachen auf Vinyl rauskamen hängt mit dem Technohintergrund zusammen. da war mit CDs auflegen eher verpönt und das kam immer alles auf Vinyl. Dass es sich jetzt mit The Happy Sun auch wieder so ergeben hat, ist natürlich super. Mir persönlich gefällt das Format millionenmal mehr als CD, CD hab ich immer gehasst. Für mich ist die Kombination aus digitalen Releases und Vinyl die beste.

 

TO GO: Sammelst Du selbst Vinyl?

Früher war ich extremer Plattenjunkie, doch das riss irgendwann komplett ab. Trotzdem hab ich sicher an die 4000 Platten, von Underground Resistance bis Sebadoh.

 

TO GO: Was war die letzte Vinylscheibe die Du Dir gekauft hast?

Andy Mac – dawner (zamzamsounds) die 7 inch. Ich kauf fast nur Reggae/Dancehall/Dub Singles zurzeit.

 

TO GO: was können wir von Dir als Musiker als nächstes erwarten?

Zunächst mal die Happy Sun live Band. Jetzt im September stehen mal zwei Gigs an, weiteres ist in Planung und ich bastle natürlich weiter an The Happy Sun, das ist klar mein Hauptprojekt. Parallel dazu kam gerade auf dem tollen Label „Rock is hell“ eine 7 inch meiner anderen Band „Mäuse“ raus und auch da wollen wir demnächst ins Studio marschieren.

 

TO GO: Wann sehen und hören wir Dich endlich in Deutschland live?

Im Moment gibt es leider noch keine Dates, hoffe sehr dass sich das ändert und es 2020 klappt!

 

Vielen Dank

 

Wir verlosen von diesem sensationellen Album THE HAPPY SUN 3 Exemplare auf CD. Mail mit „Happy“ bis 14. Oktober an: verlosung@cuteanddangerous.de

 

 

 

 

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