STILL SURFING

Weit entfernt von den üblichen musikalischen Trends in der Musiklandschaft bewegen sich seit 14 Jahren THE RAZORBLADES auf der Welle eines Sufbretts, will sagen sie haben ihre Seele dem Surf Sound verschrieben. Besonders? Irgendwie ja, aber je mehr man sich in das umfangreiche Material der Band reinhört, umso selbstverständlicher wird die Entwicklung der Leidenschaft für Surf Musik. Redakteur Leonard Mertens sprach mit Gründer und Leadgitarrist Rob Razorblade und konnte viel Interessantes erfahren.

Das ist die neue Titelstory im aktuellen CUTE AND DANGEROUS TO GO. Hier nun das komplette Interview mit Rob Razorblade.20151220_Razorblades_Cam1_0090_1

C&D: Wieso kommt eine Band heutzutage auf die Idee Surf Sound zu machen?

Das hat viel mit meiner persönlichen Geschichte zu tun. Ich bin schon mit 18 auf den Surfsound gestoßen als ich mit meiner damaligen Band Marvel‘s Rosary im Vorprogramm der Fenton Weills gespielt habe. Die haben so eine Mischung aus Link Wray-Instrumentals, Filmthemen und Sixties Beat gespielt und das hat mich schwer beeindruckt und ich habe angefangen, selbst in dem Stil Songs zu schreiben. Das war 1988…Nach ein paar Jahren in anderen Stilistiken bin ich um die Jahrtausendwende durch die US-Band Slacktone zu dem Stil zurückgekommen. Im Guitar Player war eine Review ihrer ersten CD „Warning! Reverb Instrumentals“. Ich dachte das klingt cool, hab die CD bestellt und hab dann die ganzen 3rd Wave Bands entdeckt, The Mermen, Insect Surfers, Fifty Foot Combo und dachte, ich muss auch so eine Band machen.

C&D: Wo ist der Unterschied zwischen Surf Musik a`la BEACH BOYS und 21st Century Surf?

Die Beach Boys sind so Lieschen Müllers Vorstellung von Surf-Musik, so eine freundliche, ungefährliche Tralala-Strandnummer. Wir sind eher von den schnellen Instrumentalgeschichten wie Dick Dale und Punk-Surfbands wie Shadowy Men On A Shadowy Planet beeinflusst. 21st Century-Surf heißt für uns, die alten Einflüsse zu nehmen und sie mit vielen anderen Stilen zu kombinieren, von Punk Rock über Ska, Reggae, Rock bis zu Noise-Experimenten à la Sonic Youth oder 80s Wave/Underground-Rock. Das Ganze wird dann noch mit einer super schnellen, energetischen Spielweise gepaart, dem Ramones-Bühnenansatz, keine Pausen zwischen den Songs, kurze Nummern.

C&D: Könnt Ihr Euch mit den Urgesteinen des Surf Sounds identifizieren?

Ich mag die ganzen klassischen Bands und besonders Dick Dale hat auch großen Einfluss auf mein Spiel gehabt. Als ich mich Ende der 90er wieder für Surf interessiert habe, hab ich auch die ganzen Standards gelernt, Miserlou, Penetration, Mr. Moto, Apache usw. Als Musiker finde ich es aber nicht so interessant ein reines Retro-Ding zu machen, sondern versuche eher den Original-Sound als Ausgangspunkt zu nehmen und dann mein eigenes Ding reinzubringen, sowohl beim Songwriting als auch was das Gitarrenspiel angeht. Deswegen findest du gitarristisch bei The Razorblades quasi meine komplette musikalische Biografie, Rock, Blues, Jazz, Ska, Punk, Underground Rock und Rockabilly.

C&D: Was verbindest Du mit dem Begriff „Surf Sound“.

Für mich setzt sich der Surf-Sound aus zwei Bausteinen zusammen: Zum einen ist da der typische knallige Gitarrensound: klar, fett im Bass, mit viel Hall und Delay, der typische Twang-Sound. Zum anderen gibt es dieses energetische Grundfeeling, kurze, schnelle Songs mit eingängigen Melodien ohne viel Gedudel, dieses fast punkmäßige „Auf-den-Punkt-kommen“. Zwischen diesen zwei Polen kann man dann jede Menge coole Sachen anstellen J

C&D: Eure Alben gibt es auf Vinyl. Was für eine Beziehung hast Du zur Schallplatte?

Ich liebe Vinyl, seit ich mit 8 oder 9 Jahren die erste Platte gekauft habe und bin bis heute Plattensammler. Ich mag das Gefühl eine Platte in der Hand zu haben, das Cover beim Hören zu studieren und habe auch so ein Sammler-Gen, d.h. ich kauf mir ganz gerne die komplette Biografie von Bands die ich mag und freu mich dann an dem Stapel Platten.

C&D: Siehst Du durch die Veröffentlichung Eurer Alben auf Vinyl eine engere Bindung zum Sound von damals?

Eigentlich nicht, da wir nicht versuchen den Sound von damals zu reproduzieren, sondern eher einen eigenen Sound haben. Aber es freut mich, dass man heute Alben wieder auf Vinyl veröffentlichen kann und Leute sie kaufen. Dass es in den späten 90ern/2000ern neue Alben nur auf CD gab , fand ich als Vinyl-Fan etwas deprimierend.

C&D: Welche Schallplatte hast Du Dir zuerst gekauft?

Wenn man Dschinghis Khan und Peter Maffay mal weglässt (ich war klein und unwissend) war das „Let There Be Rock“ von AC/DC, gefolgt vom ersten Album von Ideal.

C&D: Denkst Du in der heutigen Zeit, kann sich die Schallplatte wieder stärker durchsetzen?

Ich denke die Schallplatte wird ein gut laufendes Nischenprodukt bleiben. Wenn man im Feuilleton oder Musikzeitschriften Artikel über den Vinyl-Boom liest, klingt das so, als ob wirklich alle Menschen Schallplatten kaufen, aber wenn man sich mal im Bekanntenkreis umhört, sind das doch eher wenige Personen, die ernsthaft Vinyl erwerben. Für mich funktioniert Streaming und Vinyl auch gut zusammen, Streaming ist praktisch für unterwegs, Vinyl eher was fürs Herz und zuhause.

C&D: Verkauft Ihr mehr Vinyl oder CDs?

Mehr Cds, ungefähr 2 :1, aber das neue Vinyl-Album im Klappcover mit CD läuft ganz gut.

C&D: Ihr habt ja sogar eine Single veröffentlicht. Es gibt Fans in Euren Konzerten, die wissen gar nicht was eine Single ist. Stört Dich das?

Nein, darum geht es beim Konzert nicht, da sollen die Leute mitmachen, tanzen und einen schönen rock’nrolligen Abend haben. Ich bin mit Vinyl aufgewachsen und es hat mich immer fasziniert, eine Sammlung zu haben, aber wenn ich 20 Jahre später geboren wäre, würde mich das vermutlich auch nicht so stark interessieren. Wichtig ist, dass sich die Leute sich für abseitige Musik fernab des Mainstreams interessieren und zu Konzerten kommen. Welches Format sie zu Hause hören, ist dann reine Geschmackssache.

C&D: Was können wir noch von den Razorblades erwarten?

Wir sind jetzt erstmal den Rest des Jahres auf Tour in Europa. 2017 gibt es dann das 15-jährige Bandjubiläum und zu dem Anlass werden wir noch eine spezielle Veröffentlichung rausbringen. Ab Sommer finde ich dann auch hoffentlich wieder Zeit an neuen Songs fürs nächste Album zu arbeiten. Ansonsten heißt es „The Road Goes On Forever!“…wir spielen gerne und viel live und habenkeine Pläne damit aufzuhören.

C&D: Gründungsmitglied Rocco verließ die Band 2007 um mit VanCanto Metal zu machen, wenn auch in einer eigenen Art. Wie gefällt dir persönlich die Musik von VanCanto?

Ich persönlich bin nicht so der Metal Fan – weder die Musik noch die Ästhetik spricht mich besonders an. Da ich aber mit Rocco verwandt bin, verfolge ich die Band natürlich und finde, dass sie ihren Stil gut machen. Dazu sind sie noch sehr erfolgreich, was mich als Bruder erfreut

C&D: Kannst Du Dir auch vorstellen musikalisch in eine andere Richtung zu wechseln. Oder bist Du dem Surf Sound verbunden?

Ich bin seit 25 Jahren Profi-Musiker und mache daher immer wieder auch andere Musik, meistens aber zurzeit im eigenen Studio, da THE RAZORBLADES so viel live spielen, dass mir die Zeit für andere Projekte fehlt. Zurzeit arbeite ich an ein paar Arrangements klassischer Filmthemen im Rockabilly/Lounge-Sound, die dann hoffentlich irgendwann auch mal auf die Bühne kommen und bin auch als Journalist für Gitarre & Bass tätig, schreibe Workshops, in denen ich mich mit diversen Musikstilen befasse.  Ich kann mir definitiv vorstellen andere Musik zu machen, habe aber mittlerweile den Anspruch überwiegend eigenes Material zu spielen und dann dauert das immer sehr lange. Ich schau mal, was das nächste Jahr so bringt, 2016 ist schon mehr oder weniger verplant J

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