MEHR ALS EIN WORT

Eine Albumveröffentlichung ist eine wichtige Sache, vor allem wenn es ums Debut geht. Lange Planung, ausgefeilte Marketingstrategien, exakte Zeitplanung und bang dann geht’s los. Anders läuft es heute eigentlich nicht mehr. Eigentlich. Im Info heißt es:“ONE MORE WORD ist eine von diesen Bands die plötzlich da sind“ und so ging es auch in der Redaktion. Da lag sie, eine Mini Debut CD, ein Cover was weder Fisch noch Fleisch ist, ein Info – Fehlanzeige, eine Visitenkarte, aber die lag schon auf einem anderen Stapel – und nun ab in den CD Player. „Wow“ volle Breitseite, das Ding hat es in sich, sechs Tracks mit unglaublicher Dynamik und einer starken Vocalpräsenz. Wie aus dem Hut gezaubert, alles auf den Punkt, wenn auch nur sechs Tracks. Aber lieber sechs mega geile Songs, als zehn und den Finger an der Vorlauftaste.

Andreas Werner sprach mit den Wunderkindern aus Hamburg.

C&D: Stellt Euch doch unseren Lesern erst mal vor.

Jugy: Hallo, wir sind ONE MORE WORD, eine 5-köpfige Metal-Band aus dem schönen Hamburg. Wir tun uns immer schwer mit den ganzen Genres und Kategorien, aber man kann uns musikalisch wohl gut und gerne in der Metalcore / Deathcore Szene einordnen.

 C&D: Wie hat alles bei Euch angefangen?

Jugy: Unser Gitarrist Dave und ich kennen und schon lange und standen früher im Hamburger Underground mit unseren alten Bands recht häufig zusammen auf der Bühne. Ende 2015 sind wir dann durch Zufall wieder in Kontakt gekommen und haben festgestellt, dass es uns beide wieder gewaltig in den Fingern gejuckt hat kreativ zu sein und auf der Bühne zu stehen. Nach einem langen Telefonat stand dann fest: es muss eine gemeinsame Band her! Gesagt, getan. Einige weitere Telefonate mit unserem Bassisten Phillip und ein Essen mit unserem Drummer Alex später war die damalige Erstbesetzung dann auch schon komplett und wir haben angefangen uns musikalisch auszutoben. Allerdings kam erst mit dem ersten und hoffentlich einzigen Besetzungswechsel in unserer zugegeben sehr jungen Bandgeschichte der nötige Schwung in die Sache- durch Hennes Beitritt. Es ist verrückt, was sich durch das Austauschen nur einer einzigen Person alles ändern kann.

C&D: War ONE MORE WORD von Anfang an ein ernstes Vorhaben?

Jugy: Naja, was heißt ernst? Wir hatten auf jeden Fall von Anfang an vor, ernsthaft Musik zu machen und Phillips Garage auch irgendwann mal zu verlassen, um live zu spielen. Dass es jedoch in so kurzer Zeit dieses Ausmaß annehmen würde, hätte wohl am Anfang niemand für möglich gehalten geschweige denn, es sogar als festes Ziel angesetzt.

C&D: Woran habt Ihr Euch anfangs orientiert? Musikalisch sowie organisatorisch?

Jugy: Puh. Also wir haben alle einen sehr breitgefächerten Musikgeschmack und werden daher aus wirklich vielen Richtungen inspiriert und beeinflusst. Wenn ich jedoch sagen müsste, woran wir uns anfänglich musikalisch orientiert haben, würde ich sagen, dass wir angefangen haben, mit der Intention in die stilistische Richtung à la AUGUST BURNS RED, TEXAS IN JULY oder den alten ARCHITECTS zu gehen. Ob uns das gelungen ist, vermögen wir selbst natürlich nicht wirklich zu beurteilen. Uns ist völlig klar, dass wir das Rad nicht neu erfunden haben, geben uns aber Mühe unserer Musik auch unseren eigenen Stempel aufzudrücken, um wenigstens etwas aus der Masse herauszustechen. Organisatorisch hatten wir wirklich Glück, da wirklich jeder von Anfang an einiges an Erfahrung mit in die Band gebracht hat und somit auch die Rollen schnell verteilt waren und klar war, wer was zu tun hatte.

C&D: Entschuldigt meine offenen Worte, aber wenn man die Homepage und Facebook sieht, dann scheint Ihr bereits im Gründungsprozess gesigned worden zu sein und macht auf mich den Eindruck, als seid Ihr noch gar nicht richtig im Band Dasein angekommen?

Jugy: Ist ja gar kein Problem… Seien wir mal ehrlich: wir stecken als Band ja auch offensichtlich noch volle Lotte in den Kinderschuhen. Wir haben jedoch auch schon länger hinter vorgehaltener Hand an unserem Material gearbeitet und wollten gleich mit allem auf einmal an die Öffentlichkeit treten. Wir hatten ja keine Ahnung, ob die Band unsere hohen Ansprüche, die wir von Anfang an hatten, erfüllen würde. Deshalb hätte es ja auch sein können, dass dieses neue Projekt die Garage nie verlässt. Durch die unterschiedlichen Erfahrungen und Skills aller haben wir schon sehr schnell als Gruppe zueinander gefunden und einiges an Songs auf die Beine stellen können, was uns persönlich zufrieden stellt. Mit dem Plattenvertrag hätte in diesem Stadium unserer Entwicklung natürlich niemand gerechnet! Von daher sind wir selbstverständlich unendlich dankbar und auch happy über die Fortschritte, die ONE MORE WORD bis hierhin bereits gemacht hat.

C&D: Ich kenne keine Band, die mit 400 Likes einen Deal zur Hand hatte.

Jugy: Das ist in der Tat recht selten. *lacht*

C&D: Womit habt ihr Swell Creek Records überzeugt? Live oder mit dem klassischen Demo?

Jugy: Es ist tatsächlich das klassische Demo gewesen. Wir dachten uns, dass die Platte doch eigentlich deutlich besser geworden ist als wir selbst erwartet hatten. Mal gucken, was die Profis dazu sagen! Und so haben wir unser Demotape an verschiedene Plattenfirmen geschickt und tatsächlich auch ausschließlich gutes Feedback bekommen. Wir haben gar nicht damit gerechnet, dass jemand WIRKLICH ernstes Interesse haben könnte. So kann man sich täuschen.

C&D: Habt Ihr das Gefühl, eine Klasse übersprungen zu haben?

Jugy: Ja, auf jeden Fall! Obwohl natürlich klar sein sollte, dass einem mit einem Deal nichts geschenkt wird. Gerade heutzutage kann ja jeder aufgrund der medialen Fortschritte seine künstlerischen Werke verbreiten. Das bedeutet auch, dass aus dir nichts wird, wenn du dir als junge, aufstrebende Band zu fein bist, ein Jugendzentrum zu bespielen oder vor einem 10 Mann Publikum genauso Gas zu geben wie vor 2000+ Menschen, weil der Markt einfach zu satt ist und die nächste Gruppe nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Es gibt so unendlich viele gute Bands da draußen, die unterm Radar fliegen und meiner ganz persönlichen Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten als so einige andere große Bands der heutigen Zeit. Bedenkt man all diese Umstände, wird auch klar, weshalb wir überwältigt sind, dass uns so viel positives Feedback zu Teil wird und wir nun Part der Swell Creek Family sein dürfen.

C&D: Was wäre passiert, wenn Ihr den Deal nicht bekommen hättet?

Jugy: Nichts eigentlich. Wir hätten den Plan, den wir uns zurechtgelegt haben, genau so durchgezogen und unser Bestes gegeben.

C&D: „EFFECTUS PAVONIS“  ist Euer erstes Mini-Album. Erzählt uns bitte etwas über den Entstehungsprozess?

Jugy: Man muss dazu vielleicht wissen, dass viele der in den Songs verbauten Riffs bereits vor Entstehung der Band geschrieben wurden und wir somit gleich zu Beginn genug Material hatten, um uns frisch ans Werk zu machen. Wir haben uns erst mal in den Proberaum eingeschlossen und  einfach nur Musik gemacht- ein Teil des Band-Seins, der heutzutage so ja leider kaum noch an der Tagesordnung ist. Versteh mich nicht falsch, auch wir nutzen GuitarPro und PC, um uns gegenseitig neue Ideen zuzuschicken und uns darüber auszutauschen. Wenn sich Songideen verfestigen, kann jeder seinen Part zur nächsten Probe viel leichter üben. Allerdings wird die Musik vorher immer erst mal „echt“ erzeugt und dann lediglich festgehalten. Will sagen: es entstehen keine Songs am Rechner, die keiner spielen kann. Schimpf mich altmodisch, aber das Feeling würde sonst einfach verloren gehen. Nach einem Jahr hatten wir bereits so viele Songs fertig, dass wir aussortiert haben, um die Qualität der Platte nicht zu schmälern. Wir haben alles in Eigenregie selbst aufgenommen und produziert. Um der Musik jedoch den letzten, besonderen Feinschliff zu verpassen und auch nochmal ein fachkundiges Paar Ohren über unser Schaffen drüberhören zu lassen, entschieden wir uns, die Platte in den UEBERSOUND STUDIOS in Hamburg gemeinsam mit unserem Kumpel Danny (The Delta Mode / Syqem) zu mixen und zu mastern. Mit dem Endergebnis könnten wir nicht zufriedener sein.

C&D: Warum habt Ihr Euch für ein Minialbum entschieden?

Jugy: Oft ist man am Anfang total begeistert und überzeugt von seinen Ideen und Songs. Kommen aber neue Sachen dazu und man entwickelt sich (hoffentlich) weiter durch den Prozess des Immer-Weiter-Schreibens sozusagen,  fällt einem irgendwann auf, dass nicht alles, was man macht auch gut ist und das ist ja auch verdammt richtig so. Wir haben uns darauf geeinigt, ein Minialbum rauszubringen, weil wir lieber sechs Songs als Debut auf den Markt bringen wollten, die ordentlich ballern und uns allen auch zu 100% gefallen. Auf Krampf ein Zehn-Track-Album zu veröffentlichen, bei dem einem die eine Hälfte als Künstler zwar gefällt (man hätte es ja sonst nicht komponiert), aber nicht genau dasselbe gute Gefühl gibt wie die andere Hälfte, befanden wir für sinnlos. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

C&D: Wie sind die Kritiken zum Debut bis dato?

Jugy: Durchgehend positiv. Das Negativste, das wir bisher zu hören bekamen, war, dass man das ja alles schon mal gehört habe. Aber wie ich ja am Anfang schon mal sagte, ist unser Anspruch nie gewesen, das Rad neu zu erfinden. Wir wollen einfach gute Musik machen, die uns selbst gefällt. Mehr wollten wir nie erreichen und das haben wir unserer Meinung nach auch geschafft. Wir wollen mal sehen, was der Rest der Welt dazu sagt.

C&D: Wie viele Songs habt Ihr als Band zurzeit?

Jugy: Nimmt man die alten Songs dazu, die es nicht auf die Scheibe geschafft haben, sind wir bei ca. 11 Tracks. Wir wollen uns mit dem verworfenen Material jedoch nicht lange aufhalten und schreiben bereits an den nächsten Songs, für den nächsten Release. Wir sind gut davor. Mal sehen, wie der Alltag einen über die Zeit vorankommen lässt.

C&D: Welche Auswahlkriterien habt Ihr für die Albumsongs angesetzt?

Jugy: Wir wollten einfach genau die Songs auf ‚EFFECTUS PAVONIS’ haben, die uns im Ganzen am besten gefallen haben und unserer Meinung nach auch am besten einfangen konnten, dass wir eben nicht daran interessiert sind, wirklich jeden Song gleich klingen zu lassen. Es wäre doch nun wirklich sowohl für die Hörer als auch für die Künstler langweilig, ein Album mit zehnmal dem gleichen Song anzubieten. Obwohl dies heutzutage ja leider doch recht häufig vorkommt, wenn ich so drüber nachdenke. Schade eigentlich.

C&D: Geht Ihr parallel den Weg, ein Management zu suchen und auf dem „traditionellen“ Weg die Welt zu erobern, oder macht Ihr diese Dinge allein?

Jugy: Derzeit ist nichts in diese Richtung geplant, ehrlich gesagt. Sollte unser Weg allerdings so weiterverlaufen, dass wir vielleicht irgendwann mal jemanden brauchen, der für uns den Überblick behält, wäre ein Management natürlich eine feine Sache. Allerdings schätzen wir den Umgang und Kontakt zu den Menschen persönlich sehr und es wäre irgendwo auch schade, das alles in andere Hände abzugeben. Wir schauen mal bis zu diesem Punkt ist der Plan, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

C&D: Wann können wir mit einer Tour rechnen?

Jugy: Angedacht ist Ende 2017 / Anfang 2018. Jedoch ist so eine ordentliche kleine EU Tour ohne Booking Agentur im Rücken deutlich schwerer zu organisieren als man das als Außenstehender vielleicht denken mag. Wir geben aber ordentlich Gas und freuen uns schon sehr auf die Bühnen Europas.

C&D: Was wollt Ihr abschließend loswerden?

Jugy: Wir sind sehr dankbar für das geniale Feedback und große Interesse an unserem Debut. Wir hoffen, dass wir die hohen Erwartungen, die an uns gestellt werden, erfüllen können und dass wir eine lange und gute Zeit als Band haben werden. Auch wollen wir nochmal ein fettes Danke an Bauke DeGroot von Swell Creek Records loswerden: Dafür, dass er an uns glaubt und uns diese große Chance gibt! Und an dich auch vielen Dank für das nette Interview, Andreas.

 

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