IN THE NAME OF GRAILS

Die Aktivitäten der GRAILS Mitglieder sind sehr umfänglich.  Jeder von ihnen hat eigene Side-Projects oder spielt zudem in anderen Formationen. Das Besondere an GRAILS selbst ist die Schaffensform von psychedelischen Rocksongs auf rein instrumentaler Basis. Gerade heutzutage sind rein instrumentale Bands selten und oft nicht gerade mit Erfolg gesegnet, wenn man mal von Ausnahmen wie PUBLIC SERVICE BROADCAST absieht. GRAILS haben einen großen Zuspruch und das nicht nur in Europa. Ihre Songs sind reine Kunstwerke und werden so auch von vielen Fans als ein Heiligtum geehrt.

Das Berlin Konzert war etwas ausgefallen Anregendes. Die Atmosphäre die GRAILS erzeugt haben, findet man sehr selten und auch alt eingesessene Psych-Rock Bands, die ich schon gesehen habe, schaffen nicht diese inspirierende Dynamik und fesselnde Instrumentierung auf der Bühne.

Das neue Album „Chalice hymnal“ ist gerade erschienen, was für Anna-Lena ein Grund war sich mal mit den Allround Musikern zu unterhalten.

Interview: Anna-Lena Riedel / Text: Nina Wagenaar / Fotos: Mario Tantow

 

 

C&D:   Bevor Ihr Euch GRAILS genannt habt, wart ihr unter dem Namen LAUREL CANYON bekannt. Wieso habt ihr euren Namen in GRAILS geändert?

Alex:    Das ist schon ewig her. Am Anfang haben wir alles sehr langsam angefangen, wir wussten noch nicht so genau was wir machen wollten und was wir erreichen wollten. Als wir den Plattenvertrag unterschrieben haben dachten wir uns, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist um ernst zu werden. Dafür wollten wir einen Namen haben der mehr Spaß macht, deshalb GRAILS.

C&D:   Bei Facebook beschreibt ihr euch selber als Soul Band, aber alle anderen ordnen euch dem Rock zu. Wieso gerade Soul? War es ein Scherz von euch?

Tess:    Ich wusste gar nicht, dass es noch da ist. Als es Myspace gab, war alles eher lustig gemeint und nicht ernst. Dort waren wir irgendwann auch mal J-Pop und so. Das haben wir irgendwie übernommen.

C&D:   Also geht ihr mit den Meinungen der anderen konform, dass ihr eher Rock vor allem psychedelisch seid?

Alex:    Wenn wir ehrlich sind, dann ja. Aber ich finde, dass Soulmusik einfach nur Musik vom Herzen ist, also kann alles Soulmusik sein.

Tess:    Viele Menschen sagen, dass wir Post Punk machen. Aber ich denke, dass wir eher diese Art von Drogenmusik machen wie PINK FLOYD. Ich denke die Musik kann überall hingehen, es kommt eben darauf an, wie die Musik in deinem Kopf ist. Also konkret die Ideen, welche man hat. Wenn man einen kreativen Kopf hat, dann will man dies auch ausleben und denkt immer daran, wie man seine Sachen, welche man im Kopf hat, den anderen Menschen näherbringen kann. Früher war es auch so, dass man Musik gemacht hat, eben aus den bereits genannten Gründen. Heute postet man auf Facebook in was für einem Genre man als Band spielt. Wir versuchen die Musik so zu sehen, wie sie früher war. Wir wollen wirkliche und ehrliche Musik machen und experimentieren. Aber dafür gibt es kein Genre, weil es dafür keinen spezifischen Sound gibt. Wir denken, dass wir keinen spezifischen Sound haben. Aber

wir brauchen einen, damit wir Musik verkaufen. Denn die meisten Menschen identifizieren sich mit ihrer Musik und kaufen meist nur ein Genre. Also ist es für uns besser, wenn wir ein Genre haben, damit uns die Leute anhören.

C&D:   Würdet ihr sagen, dass ihr einen eigenen Sound habt?

Tess:    Ja würde ich. Wir machen alles selber. Wir wollen nicht wie ein Produkt klingen, sondern wir wollen wie wir klingen. Es gibt Bands die wollen wie ein Produkt klingen, nur damit sie viele Platten verkaufen. Wir sind eine kleine Band, für uns interessieren sich nicht so viele Menschen, also können wir unserem Herzen folgen und die Musik machen, die wir machen wollen.

C&D:   Ihr habt ein neues Album draußen „Chalice hymnal“. Der Aufnahmeprozess dazu war anders als bei euren Alben davor. Außerdem wird gesagt, dass er sehr beeinflusst wurde von Alex Hall und den beiden anderen Bands LILACS und CHAMPAGNE von Emil Amos. Was meint ihr dazu?

Tess:    Das hat ein Journalist gesagt, weil sie denken, dass wir mehr Samples als sonst benutzen. Aber wir haben schon immer Samples genommen.  Ganz am Anfang haben wir noch alles live aufgenommen und hörten uns eher wie eine Jazzband an. Aber wir fanden, dass wir nicht wie wir, sondern wie andere Bands klangen. Also haben wir verschiedene Methoden ausprobiert. Vielleicht sind wir einfach nur besser geworden darin Samples zu benutzen, aber benutzt haben wir sie schon immer.

C&D:   Zwischen eurem letzten und dem neuen Album liegen fünf Jahre. Wieso habt ihr so lange gebraucht?

Tess:    Wir waren beschäftigt. Wir haben viel gemacht, deshalb hat uns einfach die Zeit gefehlt um weiter zu machen. Wenn man klein ist, denkt man, dass Musik das wichtigste der Welt ist. Man möchte so groß werden wie BLACK SABBATH und in Stadien spielen. Aber wenn man größer wird realisiert man, dass ein Album gut sein muss. Man kann so groß sein wie man will, solange die Alben miserable sind, wird auch die Band nicht gut sein.

C&D:   Ihr habt euer Album „Black tar prophecies Vol.5“ nur auf Vinyl herausgebracht, wieso?

Tess:    Weil wir es noch mit anderem Material zusammen bringen möchten um eine gute CD daraus zu machen. Ich denke, dass es nicht nur als Vinyl erhältlich sein wird. Aber gerade denke ich, dass es nicht so schlecht ist, wenn die Leute dafür arbeiten müssen, damit sie die Musik zu schätzen wissen.

Jack:    Früher war das auch so, wenn man eine Platte haben wollte, die es nur in Estland gab, dann wurde viel Geld dafür bezahlt um sie zu bekommen. Und das ist wie die Welt funktioniert hat. Die Menschen heutzutage verstehen nicht, dass es so funktioniert, sie bekommen Depressionen und Wutausbrüche, wenn sie etwas nicht auf Spotify finden. Das ist traurig.

Tess:    Es ist eine Reaktion auf die Kultur des Internets, um den Menschen zu zeigen wie es funktioniert hat. Letztens haben wir ein Mixtape im Internet veröffentlicht und die einzigen Kommentare die kamen waren so etwas wie, wo ist die Playlist? Sie wollen alles haben und downloaden.

Jack:    Die Menschen denken, dass der Kunde immer Recht hat.

Tess:    Sie wollen alles umsonst haben. Aber so geht es nun mal nicht.

C&D:   Warum habt ihr euch dazu entschlossen die Vinyls in bunt zupressen?

Tess:    Das war eher eine Entscheidung des Labels. Ich meine sie sehen gut aus, ohne Frage. Aber es ist eine Art und Weise des Labels, die Kosten wieder rein zu bekommen. Das Pressen von Vinyl ist teuer und die Vinyls kann man nur beim Label ordern, das ist cool.

C&D:   Wie fühlt es sich an, dass ihr die Alben „Black Tar Prophecies 1,2 und 3“ erneut pressen musstet?

Tess:    Es ist toll, wenn die Fans es toll finden. Es gibt bekannte und unbekannte Bands die Probleme damit haben, viele Alben zu verkaufen. Dann gibt es noch die Bands, die viele Alben verkaufen, aber von denen man nicht viel hört. Eine unserer Lieblingsbands ist so eine Band. Selber jetzt zu diesen Bands zu gehören, die nicht sehr bekannt sind aber viele Alben verkaufen, ist toll. Das ist etwas was wir nicht geplant und erwartet haben. Man muss einfach schlauer und klüger sein als andere. Für uns ist es ein besonderes Album, da es wie eine Selbstoffenbarung ist. Dass Leute dieses Album immer noch haben wollen ist einfach unbeschreiblich.

C&D:   Habt ihr es nur erneut gepresst oder es auch neu aufgenommen?

Tess:    Wir haben es nur erneut gepresst. Dieses Album kann man nicht noch einmal aufnehmen und das gleiche Ergebnis erhalten. Es war einfach ein verrückter Moment in unserem Leben.

C&D:   Wie ist es für Euch auf Tour live zu spielen?

Alex:    Großartig.

Tess:    Es ist wie eine erneute Pressung. Wir sind wieder da und die Menschen kommen immer noch und es kommen sogar mehr. Das ist echt cool.

C&D:   Habt ihr noch etwas, was ihr euren Fans mit auf den Weg geben möchtet?

Tess:    DAVID BOWIE hat einmal gesagt:“ du weißt, dass du in die richtige Richtung gehst, wenn du dich unwohl fühlst.“ Und es ist gut, wenn man nicht weiß, wohin man geht oder was man möchte, dann begebe dich in unbekannte Gewässer. Und was am wichtigsten ist, verschwende deine Zeit nicht!

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