DIE NÄCHSTE SENSATION

Die Geschichte von Greywind ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass nur ein paar Klicks entfernt eine ganze Welt voller Möglichkeiten warten könnte. Noch vor ein paar Jahren hatte eine ehrgeizige Band nur eine Option: sich auf den Weg zu machen und ihr Talent vor so vielen potenziellen Fans wie möglich zu beweisen. Im Gegensatz dazu begann Greywinds Weg zum Ruhm bevor sie auch nur einen einzigen Gig gespielt hatten.

Greywinds Heimat Killarney, am Ufer des Lough Leane Sees im Süden Irlands gelegen, ist eine wunderschöne Stadt und ein beliebtes Touristenziel. Für junge Leute, deren Leidenschaft Musik ist – wie die O’Sullivan Geschwister Steph (Gesang) und Paul (Gitarre) – allerdings ein Ort mit beschränkten Möglichkeiten. „Mein damaliger bester Freund sagte: ‚Du lebst in Killarney, du wirst nie Sängerin werden’“, erinnert sich Steph, die zugibt, in ihrer Jugend eine Außenseiterin gewesen zu sein. „Ich war schüchtern und die Leute haben wahrscheinlich gedacht: ‚Da ist wieder dieses merkwürdige Mädchen, das My Chemical Romance hört.’“

Inspiriert von Bands wie Thrice und Jimmy Eat World, träumten die O’Sullivans von einer großen Zukunft: Auf der ganzen Welt zu touren und auf der Warped Tour zu spielen. Günstige Flüge nach England, um Bands wie Thrice und Brand New zu sehen, verschafften ihnen kurze Ausflüge in eine andere Welt, aber allein der Mangel an anderen Musikern in ihrer Heimat sorgte dafür, dass ihr Traum eine Band zu gründen, sich nie wirklich in die Tat umsetzen ließ. Ein potenzieller Gitarrist sprang sogar schon ab, noch bevor er sich der Band überhaupt angeschlossen hatte. „Wir sagten ihm: ‚Das ist kein Hobby für uns, wir wollen auf der ganzen Welt spielen.’ Wir haben uns wahrscheinlich ziemlich durchgeknallt angehört, weil wir ja noch überhaupt keine Show gespielt hatten.“, lacht Paul.

Der Wendepunkt kam nach dem Selbstmord ihres Onkels. Als sie begriffen, wie kurz und zerbrechlich das Leben sein kann, beschlossen Steph und Paul auch ohne konventionelles Line-up weiterzumachen. Dass die beiden auch heute noch vor Begeisterung strotzen und die Verbindung zwischen den Geschwistern ungebrochen ist, wird in ihrer Angewohnheit, die Sätze des anderen zu vervollständigen deutlich. „Wir wollten endlich anfangen und das Gefühl haben, etwas zu tun“, erklärt Paul und Steph wirft ein: „Wir dachten, es würde Jahre dauern. Denn normalerweise ist das ja so.“

Aus diesen erwarteten Jahren wurde eine einzige Woche. An einem gewöhnlichen Mittwochabend legte das Duo letzte Hand an den Text ihres ersten fertigen Song „Afterthoughts“ an, um am nächsten Tag das Demo aufzunehmen. Am Montag luden sie es hoch und wurden unmittelbar von einer Flut von Anfragen aus der Musikindustrie überschwemmt.

Und die Reise ging weiter. Als Daniel P. Carter das Demo spielte, wurde Radio 1 im Handumdrehen auf den Song aufmerksam und kurz danach sprang auch Zane Lowe auf den Zug auf und pickte es als seinen „Next Hype“. Innerhalb von nur sechs Wochen unterschrieben Greywind einen Vertrag mit Raw Power Management, obwohl sie außer „Afterthoughts“ und ein paar groben Entwürfen für weitere Songs nichts vorzuweisen hatten. Nachdem sich der erste Ansturm aus Meetings mit der Industrie gelegt hatte, konzentrierten Greywind sich darauf, diese Ideen auszuarbeiten und legten eine Kreativphase mit dem Grammy-dekorierten Produzenten Jason Perry ein.

Das Duo verliebte sich so sehr in Perrys Kreativität und seinen Enthusiasmus, dass sie seine Fähigkeiten auch für ihr Debütalbum in Anspruch nahmen, das sie innerhalb von drei Wochen in den Sonic Ranch Studios in Texas einspielten. Es war die Chance ihres Lebens – von der illustren Geschichte des Studios bis zu den brütend heißen Temperaturen. Am wichtigsten aber war die Möglichkeit, ihre Ideen ausgearbeitet zu hören und mitzuerleben, wie sie sich von auf der Akustikgitarre geschriebenen Entwürfen zu fertigen Songs mit satten Soundschichten entwickelten.

Mit Texten, die sich mit der dunklen Seite des menschlichen Daseins auseinandersetzen, besitzt das fertige Album den rohen Biss und die mitreißenden Hooks der Bands, die sie inspiriert haben. Aber was die Dynamik angeht, bewegen sie sich auf Pfaden, die man bei der Vorlage nicht erwartet hätte. Nicht selten explodiert die geradezu ätherische Atmosphäre in kontrolliertes Chaos – eine Herangehensweise, die ihre Liebe zu den Post-Rock-Soundlandschaften von Caspian und Explosions in the Sky widerspiegelt. Sie alternieren ganz bewusst zwischen zart, beschwörend und aggressiv und Stephs Stimme ist die magische Zutat, die Greywind in eine andere Dimension befördert.

Allein schon die reine Anzahl der Höhepunkte auf dem Album klingt nach einer Band, die jahrelange Erfahrung mitbringt. Die finale Fassung von „Afterthoughts“ ist ein ganz offensichtliches hymnisches Highlight, während die aktuelle Single „Forest Ablaze“ mit unbeirrbarer Kraft nach vorne marschiert, angetrieben von einem persönlichen und gefühlvollen Text über das stete Streben, seine Zweifler vom Gegenteil zu überzeugen. Im Gegensatz dazu steht das optimistische „In Autumn“, das vom sanften akustischen Intro in eine immer massiver werdende Gitarrengewalt abhebt, während „Safe Haven“ ihr bisher vielleicht bester Moment ist und die besonderen Elemente von Greywind in einem Killersong destilliert.

Greywind sind jetzt bereit für die ehrwürdige Tradition des Tourens, um ihre Musik in die Welt hinaus zu tragen, wenn sie im April als Gäste von Moose Blood zu sehen sind. Paul versichert: „Das ist alles, was wir je wollten – warum sollten wir nervös sein?“ Für Greywind ist die Zeit gekommen, rauszugehen und eine neue Welle hingebungsvoller Anhänger zu entzücken.

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