OHNE JEDE WÜRDE

RAINBOW – Berlin – Velodrom –

 

Es ist der erste richtig warme Tag in Berlin. Ideal für ein paar Bier und old school Rock`n Roll. RITCHIE BLACKMORE`s RAINBOW haben zu einem einzigen Konzert in Deutschland geladen und das gaben sie in der Hauptstadt. Meine Erinnerungen an das Konzert in Original Besetzung 1977, mit King Fish im Vorprogramm, waren seit Tagen in meinem Kopf und so auch die Vorfreude. Auch das Konzert von 1982, mit Girlschool im Vorprogramm, war mir noch in bester Erinnerung. Aber bei allem schwebte natürlich auch die Tatsache mit, dass diese Formation mit RAINBOW eigentlich wenig am Hut hat. 19:50 war Treffpunkt der Fotografen in der Vorhalle. Dort erfuhren wir, dass die Vorband THE LORDS, persönlich von Blackmore eingeladen, bereits spielt weil der Meister selbst kurzfristig beschlossen hat schon um 20:30 aufzutreten. Das würde für die ca. 4.000 Leute vor der Halle bedeuten, sie sehen vielleicht die Hälfte der Show, denn der Einlass ging sehr langsam. Auf dem Weg zum Fotograben kam die Nachricht Blackmore wolle nun doch um 21.00 beginnen und die Lords müssen länger spielen. Im Innenraum angekommen kam dann die nächste Ansage: die LORDS dürfen nicht im Fotograben fotografiert werden, sondern nur aus der Halle heraus. Vielleicht hatte mal Angst um die Faltenpracht, immerhin einer der Dienst ältesten Bands überhaupt (Gründungsjahr 1959). Irgendwann waren die Lords fertig, dachte ich zumindest, dann kamen sie zurück „wir sollen noch ein bisschen spielen“, sagte Klaus Peter Lietz. Bei allem Respekt, gepasst hat die Band in keinster Weise und eine Band auf die Bühne zurück zu schicken, um die Zeit zu überbrücken, ist unprofessionell und vermittelt den Eindruck einer Schülerveranstaltung. Ganz besonders auch die Security, alle so um die 60 und ganz wichtig. „Hier können sie ihr Bier nicht hinstellen, dass tun sonst hunderte andere auch“, sagt einer zu mir. Nur so viel Fans waren noch gar nicht in der Halle. Alle zehn Minuten nimmt der Security Mann sein Walkie Talkie ans Ohr, hätte ja eine Durchsage kommen können. Doch irgendwann war auch das zu Ende und ein kurzer Umbau war schnell erledigt. Jetzt kam einer der Veranstalter auf die Bühne und verkündete, dass der Ausschank von Getränken im Innenraum auf Wunsch von Blackmore eingestellt wurde. Dazu fällt mir nichts mehr ein…

Nun begann ein unangenehmes Spiel. Immer wieder wurde das Licht gedimmt, doch keiner betrat die Bühne, folglich wurde wieder das Saallicht angemacht. Immer wieder, was dann zu einem verdienten Pfeifkonzert führte. Nun hätte die Produktion, anhand der Zahl der Anwesenden, sowieso ins Tempodrom oder die Columbiahalle verlegt werden können, da sollte man sich das zahlende Publikum nicht auch noch weiter verärgern. Um 21:10 war es nun soweit und es erklang das Intro zu „Over the rainbow“ wie auf der „Live on stage“ Scheibe. Aber gleich wurde musikalisch in die Ära der kommerziellen Alben „Straight between the eyes“ und „ Difficult to cure“ gewechselt und so konnte man erahnen wohin die Reise geht. Keinem wehtun, das Augenmerk auf Frontmann Ronnie Romero lenken, alle anderen blieben schön im Hintergrund. Selbst Drummer David Keith bekam nicht mal einen Drumraiser. Ronnie singt wie ein Metalsänger, er ist kein Geschichtenerzähler wie Dio einst, er ist geeicht auf die kommerziellen Tracks der Joe Lynn Turner-Zeit, aber das macht RAINBOW nicht aus. Eine große LED Wand im Hintergrund präsentierte ein paar Farbenspielchen, völlig überflüssig und nicht dem gerecht was man erwarten durfte. Der dritte Song „Mistreated“  war für mich dann der absolute Absturz, Romero versagte völlig in der Interpretation des Songs und machte ihn zu einem Rocksong ohne Seele und auch Blackmore hatte wohl keinen Bezug mehr zu dem Song.  Er spielte ein Solo, welches jeder Gitarrenschüler bereits in der zweiten Stunde spielen könnte. Aber auch sonst war Blackmore, meist mit geschlossenen Augen, in seiner eigenen Welt. Gekleidet in seinen mittelalter Klamotten, etwas fülliger und so gar nicht wie ein Rockmusiker. So klang dann auch alles und hatte wohl auch nur die Aufgabe ein wenig Geld einzuspielen. Es bleibt eine Show die wenig Produktionskosten hatte und dem Namen RAINBOW völlig unwürdig war. Dieses Konzert war der klare Beweis, dass es eben auch Bands gibt, die keine Reunion Shows machen sollten, sie enden peinlich und haben einen sehr bitteren Nachgeschmack.

Fotos: c-williams

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