POLANSKI THRILLER

NACH EINER WAHREN GESCHICHTE

(Studiocanal)

Kinostart: 17. Mai 2018

 

Roman Polanski ist einer der umstrittensten Regisseure und für mich persönlich immer wieder einer der besten seines Fachs. Natürlich fallen einem die Kultfilme wie „Tanz der Vampire“, „Rosemaries Baby“ und „Ekel“ als erstes ein, doch hat Polanski seit 1955 so viele, oft auch nicht ausreichend, gelungene Filme gedreht, dass ich gar nicht wüsste wo ich anfangen sollte, würde ich von Polanskis Arbeit berichten wollen. Ich fange einfach mit dem neusten Film an „Nach einer wahren  Geschichte“. Delphine (gespielt von der unglaublichen Emmanuelle Seigner) ist eine erfolgreiche Schriftstellerin und lernt auf einer Verlagsparty Elle (gespielt von einer einnehmenden Eva Green) kennen. Elle beginnt sich in das Leben von Delphine zu schleichen, mit den üblichen „ich bin Deine Freundin“ Vorzügen wie: gut zuhören, immer lustig sein und das ganz große Verständnis – alles was Delphine zurzeit fehlt. Delphine leidet unter einer Schreibblockade und ist auch sonst sehr ausgelaugt. Elle übernimmt, selbstlos, mehr und mehr die Aufgaben von Delphine und versucht ihr klar zu machen, dass sie mit ihrem Schreibstil und deren Inhalten einen Wandel durchführen muss. Einen Wandel der, gewollt oder ungewollt, mehr und mehr Formen annimmt, je mehr Delphine in die Fänge von Elle gerät. Doch der Zuschauer wird immer wieder hin und her gerissen, wer eigentlich wen manipuliert und vor allem ausnutzen will. Zu sehr verfangen sich Szenen in den Erinnerungen von Filmen wie Stephen Kings „Misery“ und suggerieren dem Zuschauer einen ähnlichen Verlauf. Dabei rutscht man sehr stark in eigene Vorstellungen ab und gibt dem weiteren Filmverlauf einen ganz anderen Anstrich. So haben die Wandlungen Polanskis einen noch mächtigeren Aha-Effekt und reißen den Zuschauer immer wieder aus seinem eigenen Drehbuch heraus. Ohne Seigner und Green wäre das allerdings nicht möglich, denn man hängt an den Totaleinstellungen der beiden immer und immer wieder, vergisst Zeit und Raum und ist verblüfft über die wandelbare Darstellung und die schauspielerischen Fähigkeiten der Beiden.

Natürlich nährt sich Polanski auch aus seinen eigenen Filmen. So finden sich Anleihen aus „Der Ghostwriter“ und „Frantic“ in dem neuen Film, doch nie so aufdringlich, als dass man von einfallslosen Kopien oder einem Abklatsch reden könnte. Vielmehr geben solche Ansätze dem neuen Film etwas Vertrautes, ohne dass man gleich weiß warum einen dieses Gefühl überkommt. „Nach einer wahren Geschichte“ fesselt bis zur letzten Sekunde und zeigt wie großartig Polanski, nach über 50 Jahren Regisseurleben, immer noch ist.

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