MEGA TIPP

HERRLICHE ZEITEN

(Concorde)

Kinostart: 3. Mai 2018

Drei Jahre gab es nicht aus dem Regiestuhl von Oskar Roehler zu sehen. Im Kopf habe ich immer noch den überzeugenden Film „Tod den Hippies – es lebe der Punk“. Jetzt bewegt sich Roehler in der Welt der Reichen und lässt die Ausschweifungen glitzernd und glamourös erstehen. Dreh und Angelpunkt ist das Ehepaar Claus und Evi. Claus ist Schönheitschirurg, allerdings mit immer weniger zufriedenen Patienten und Evi hat mit Partnerin Karlotta eine Gartenarchitektur und Planungsfirma. Doch als beim letzten laufenden Großauftrag, der Auftraggeber mal kurz vom Rohbau springt, weil seine Investoren abgesprungen sind und genau vor Evis Füßen landet, braucht die eine Auszeit. Eine Auszeit zuhause ist nicht problematisch, denn beide besitzen eine schöne Vorstadt Villa mit allen Vorzügen, die man sich vorstellen kann. Doch auch hier ist nicht immer alles perfekt, denn die Putzfrau schmeißt von einem Tag zum anderen den Job und nun wird es etwas problematisch bei dem großen Anwesen.  Claus macht sich an die Welt des Internets um hier Abhilfe zu schaffen und nach ein paar schönen Gläsern Rotwein schickt er auf einem einschlägigen Portal mal den Post in die Runde „Sklave gesucht“. Am nächsten Tag stehen sie alle vor der Tür, in Lack, Leder und Gummi gekleidet, die Masochisten dieser Szene, mit der Vorfreude auf eine schöne Erniedrigung, aber nicht einen Putzjob. Als jedoch am späten Abend Bartos, gut gekleidet und wortgewandt, auftaucht und sich seriös dem Jobangebot nähert, greifen Evi und Claus zu. Aus dem häuslichen Paradies wird ein Leben wie im Schloß, geschlungene Schwäne aus Handtüchern auf dem Bett, Rosenblätter in der Wanne und Drei Gänge Menüs jeden Abend. Evi und Claus genießen und doch können sie nicht herrschen. Bartos, gespielt von einem großartigen Samuel Finzi, bringt es ihnen bei, greift Claus an seinem Ego und formt ihn zu einem gnadenlosen Herrscher. Evi wird in das Wellness-Zauberland geführt, als Bartos` Ehefrau Lana dazu kommt und sich ihrer annimmt. Jetzt beginnt Bewegung in das Spiel zu kommen, was Claus, gespielt von unserem geliebten Hitler Darsteller Oliver Masucci, über sich hinaus wachsen lässt. Evi hingegen, gespielt von Katja Riemann, der die Rolle wie auf den Leib geschrieben scheint, fühlt sich nicht lange wohl, auch wenn es anfangs anders schien. Als sie das Ende der Herrschaftszeiten einläutet zeigt sich die wahre Motivation von Bartos und seiner Frau. Auf dem Nachbargrundstück lebt ein Sohn eines Ölscheichs, der in Claus sein deutsches Ebenbild sieht und zu einem der besten Turn arounds deutscher Filmgeschichte beiträgt. Lust und Last, Dienen und Herrschen, alles trägt seine Schwierigkeiten in sich und ist nicht für die Allgemeinheit gemacht und nicht erlernbar. Doch es ist immer wieder die Gier die antreibt und auch beim Übertreiben zum Fall führt – meisterhaft in Szene gesetzt von Oskar Roehler mit einem „herrlichen“ Händchen für weiche Momente und einer so realistischen Betrachtungsweise deutscher Mentalität.

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