A LONG STORY SHORT…

MICHAEL DAVID PATE im ausführlichen Gespräch mit Oliver Williams.

Das erste richtige Aufsehen erregte David Michael Pate mit dem You Tube-Sternchen Streifen „Kartoffelsalat“. Man kann geteilter Meinung über den Film sein, aber für die You Tube-Generation ein lohnenswertes Geschäft. Nicht geteilter Meinung kann man über den Horrorstreifen „Heilstätten“ sein, denn der ist großartig geworden, egal von welcher Perspektive man ihn betrachtet. Noch gelungener ist allerdings sein Filmdebüt, der Underground Streifen „Gefällt mir“.

 

2014 wurde der Film „Gefällt mir“ bester Film auf dem Cinestrange Festival, aber weder im Kino noch in der Zweitverwertung konnte der Streifen punkten, leider. Hinter dem simplen Titel „Gefällt mir“ verbirgt sich der wohl erste Social Media Thriller, der sich der Gefährlichkeit der Thematik bei Jugendlichen annimmt.

Doch auch als Autor für Romane konnte sich David Michael Pate bereits einen Namen machen und hier muss man sagen, ist seine Fantasie so ausgereift, dass eigentlich schon größere Filmstudios aus manchen Geschichten einen Film hätten machen müssen. Empfohlen sei an dieser Stelle der Roman „Wenn die Hölle zufriert“, eine aufreibende Geschichte mit vielen Turn arounds und einem beeindruckenden Ausgang.

Was kann er eigentlich nicht?, fragt man sich und wenn dann das Thema „Rock`n Roll“ auf den Tisch kommt, muss man sagen „kann er auch“. Aktuell ist er am Planen des Wackenfilms. Ja richtig gehört, es wird die Geschichte des kleinen Dorfes nun auch als Spielfilm geben, wobei in diesem Jahr schon einige Sequenzen auf dem Festival gedreht wurden.

Es gibt also genug worüber man sich unterhalten kann, was wir auch getan haben, aber aus den über zwei Stunden Material können wir nur Teile präsentieren. Doch auch für den Rest werden wir noch eine passende Veröffentlichungsstrategie einfallen lassen, denn es gibt viel in den Tiefen des David Michael Pate.

 

SLATE: Wir müssen ein bisschen ausholen. Vielleicht kannst du dich noch daran erinnern dass du irgendwann in der Schule oder ein bisschen später gesagt hast:“das will ich werden“.

DMP: Ja das war ich. Ich bin Jahrgang 80 geboren und mein Vater war schon Filmfreak. Und der hat uns nie richtig zum Sport geschickt, sondern hat uns mit Filmen großgezogen. Und mit den Beatles. Er hat damals mit zwei Videorekordern gearbeitet und Filme wie „Stirb langsam“ oder „Batmans Rückkehr“ kindergerecht geschnitten. Das war für uns Kindern in den 90‘er harte Kost. Da hat er die Filme geschnitten, so dass wir die gucken konnten. Es gab also eine FSK 6 Fassung von „Stirb langsam“. Es war total irre und mich hat immer die Kunst des Filmemachens fasziniert, einfach diese Illusion. Mein Vater war auch hauptberuflich, jetzt ist er in Rente, Zauberkünstler. Sein Job war es dann einfach ein Zaubertrick, eine Illusion herzustellen und das Publikum zu verzaubern. Letzten Endes mit Lügen und so ungefähr ist ja ein Kinofilm auch. Ich habe Making of‘s als Kind gesehen und nicht auf DVDs wo du immer gucken kannst, „Blick hinter den Kulissen“ und „Making Of“, war ja was ganz besonderes. Wow, das fasziniert mich, wie sie da mit Theaterblut oder mit gebauten Raumschiffen und Kulissen und Lampen arbeiten. Wie sie da wirklich eine Geschichte erzählen und das hat mich nie losgelassen und dann habe ich mit 12 angefangen Hörkassetten aufzunehmen. Ich habe mit 5 schon angefangen Filme mit meinen Geschwistern nach zu spielen aber im Kopf hauptsächlich einen Film zu drehen, ohne Kamera. Ja, das hört sich zwar schon fast bekloppt an, aber es war so. Und mit Hörkassetten bin ich immer auf 90 Minüter gegangen und habe Abenteuergeschichten erzählt mit Soundeffects. Ich habe sogar „Star Wars“ Fortsetzungen gemacht, in dem ich mit dem Kassettenrekorder Dialoge aus „Star Wars“ aufgenommen habe und dann mit eigenen Dialogen von mir und den Geschwistern neu umgeschrieben hab. So als Gegensprecher, wenn Darth Vader was sagte und dann Pause, sprach einer von uns und hat eine eigene Geschichte erzählt. Das habe ich dann später auch mit „Batman“ gemacht. Und dann bekam ich 1995 eine Hobbykamera in die Hand von meiner Großmutter und dann war vorbei. Da gab es keine Postproduktion, da sah ich schon das Licht. Ja und damit habe ich auch den ersten Film gedreht, eine Fortsetzung von „Jurassic Park“. Ich habe immer meine eigenen Fortsetzungen davon gedreht. Mit allen Schikanen, Spielzeuge besorgt, als Miniaturfilme verfilmt.  Die Kostüme besorgt oder selbst gemacht, Drehbücher in Schulheften geschrieben, und da es keine Postproduktion gibt, hast du keine Wahl als deine Szene vorher im Kopf aufzulösen und sie dann chronologisch zu drehen. Action, Cuts, wenn die schlecht waren, zurück spulen, im Final gucken, ansetzen, neu. Und wenn ich in einem Film Musik haben wollte, hatte ich ein Kassettenrekorder dabei und sei es der Soundtrack von dem Film den ich gerade habe, fortsetzen, dann immer auf Pause und dann, Schnitt gedacht, ok hier musst du jetzt wieder ansetzen,wieder zurückspulen. Das war echt Aufwand, wenn ich die dann heute gucke und denke: „Oh sind die schlecht“. Man sah die Ambitionen. Dann habe ich mit 20, das dann als Hobby weiter gemacht. Und mit 22 hab ich die erste Digitalkamera bekommen, das war irre. Dann habe ich angefangen zu studieren, Management und Technik, dann habe ich den Weg eingeschlagen in die Finanzbranche, weil ich relativ früh ein Stiefkind hatte mit 24. Inzwischen habe ich 4 Kinder, wohne immer noch in Heide. Es war für mich immer etwas wovon ich leben wollte, ich habe aber nie den Weg gefunden und so. Ich habe 2010 in Heide einen Filmclub gegründet, heißt „Projekt Kino“, den gibt es heute noch. Aber ich bin jetzt davon zurück getreten, habe es in andere Hände gegeben, da die Zeit es einfach nicht mehr zulässt. Es ist einfach so ein Pool für Filmfreaks gewesen, die einfach zusammen -es ist ein eingetragener Verein- „Filme machen“, einfach der Leidenschaft wegen. Und da habe ich mehrere Premieren veranstaltet und habe sogar ein Preis gewonnen mit einem Kulturfördernden Kurzfilm. Dann habe ich 2013 gesagt: „Komm, ich will jetzt meinen ersten Kinofilm machen“ und hatte kein Budget dafür. Wusste nur, wie man ohne Budget ein Film macht. Ich habe schon ein paar Filme gemacht, die würde ich jetzt nie groß zeigen oder in meiner Vita angeben. Wenn du die guckst, siehst du, ok da wurde kein Geld ausgegeben, aber das was im Drehbuch steht wurde verfilmt. Also das Beste war zu kommunizieren, habe schon über die Jahre meine Drehbücher rumgereicht gehabt, aber keinen Produzenten begeistert.  Eins meiner Drehbücher handelte von einem Mörder der sich so im Social Media Bereich breit macht und man muss bedenken, es war damals gar nicht so selbstverständlich, das Thema. Es war alles so im Kommen, die Leute hatten noch nicht alle ein Smartphone in der Tasche, die hatten Handys irgendwie, ja. Aber sie haben noch Facebook am Rechner aufgemacht. Da hab ich schon die Idee mit „Gefällt mir“ gehabt, und wie nackig machen wir uns im Netz und ich habe auch gedacht, den Filmtitel gibt es noch nicht. Es gibt einen Kurzfilm. Der heißt „Gefällt mir“, aber sonst, also dachte ich den staubt mir noch einer weg und dann habe ich irgendwo gesehen, oh die Branche hat schon erkannt dass es sowas gibt. Da haben sich schon Sachen angedeutet und da bin ich nervös geworden und hab gesagt: „Komm ich will der erste gewesen sein“ und habe fest proklamiert, ich mach diesen Film und habe Schauspieler an gegraben und bekam auch Zusagen, die das Buch gelesen haben und gesagt haben, geiler Stoff, und habe immer kommuniziert es wird ein Indie Film und die Wahrheit war, das ich noch nicht wusste wie ich ihn stemme. Da hab ich mit einem Produzenten gesprochen, das ist ein guter Freund, „Ich würde gerne diesen Film drehen“. „ Ja cool, dann treib mal 100.000€ auf und dann helfe ich dir“. Aus heutiger Sicht sage ich, 100.000€, dass wird knackig das wird Stress geben und Nerven kosten. Damals habe ich gedacht, wieso brauche ich 100.000€, was kostet eine Kamera? Und diese Naivität damals, war ja auch gut, denn hätte ich gewusst, was für Probleme, Hürden und Risiken mit dem Filmdrehen verbunden sind, dann hätte ich mir das wahrscheinlich fünfmal überlegt. Die Hummel kann eigentlich nicht fliegen, sie weiß es aber nicht, deswegen fliegt sie einfach. „Gefällt mir“ war auch der erste Film, behaupte ich, der das Internet richtig visuell dargestellt hat.

SLATE: Dann kam „Kartoffelsalat“ und durch viele glückliche Verbindungen brachte der Film Euch weiter. Als du „Kartoffelsalat“ fertig hattest, wie verliefen dann so die Parallelarbeiten mit der Firma. Gab es da schon einige neue Drehbücher, gab es da Angebote von Drehbüchern?

DMP: Ich krieg Drehbücher ständig rein, sowohl als Post, als Email, als auch eine Filmidee „Hey, können wir uns treffen?“. Die muss ich heute leider schon teilweise nach Hause schicken und sagen: „Sorry ich kann jetzt nicht deine Idee für dich zu Ende schreiben. Wenn du ein Drehbuch hast, lass uns gerne gucken“. Aber letzten Endes bringt es auch nicht so viel, weil ich schon eine Karriere aufbauen will, wo ich das drehe, was ich auch geschrieben hab. Damals bei „Kartoffelsalat“ war das schon mit dem „Wacken Film“, in meinen Gedanken, zum spinnen und auch sprechen. Mit den Wacken Gründern, Holger und Thomas, auch den ganzen Wahnsinn den wir immer machen, sind auf uns aufmerksam geworden, mit ein paar Ideen für Social Media und da ist mit dem Treffen mit denen ein bisschen klar geworden, ein Kinofilm mit denen, über ihre Entstehungsgeschichte, wäre doch der Hammer, mit denen man sich identifizieren kann. Weil was bei mir Film ist, ist bei denen Musik. Die Geschichte ist aber erstaunlich gleich. Die haben 2002, habe ich gehört, erst schwarze Zahlen geschrieben, mit dem was sie machen. In den Film, den wir jetzt tatsächlich machen, der erzählt 1990 – 1993 und macht dann so ein Sprung in die Gegenwart, aber wir machen so drei Akte. So es geht los, oh mein Gott es geht alles schief, oh mein Gott die Jungs haben durchgehalten, jetzt ist alles ein Erfolg. Aber der Weg ist immer wieder steinig, also eigentlich müsste es eine Serie werden.

SLATE: eine schlammige Serie.

DMP: Schlammig, ja genau. Nee und mit der Geschichte kann ich mich so gut identifizieren, was die Jungs da gerissen haben und die wohnen, so wie das Wacken Open Air stattgefunden hat, vor meiner Haustür 20 Minuten entfernt. Und das war auch immer so ein Gesprächsthema. Es gab auch eine Drehbuchfassung über die letzten Jahre, die immer so rum gingen. Dann kam „Heilstätten“ und dann habe ich mich natürlich darauf konzentriert und jetzt nach „Heilstätten“ ist es noch konkreter mit dem „Wacken“ Film geworden, und jetzt haben wir endlich mal eine fortgeschrittene Drehbuchfassung, die auch den Schauspielern sehr viel Spaß macht, wenn sie die lesen und das wird ein Film jetzt. Diese ganz schwierige Kiste, wenn du so einen Film machst, wann ist es Dokumentation und wann ist es Drama. Und das muss man wirklich irgendwie erstmal zu Ende knacken die Nuss. So und jetzt haben wir einen Film, wo ich der Meinung bin, das bringt wirklich was. Bringt so ein paar Denkanstöße, motiviert auch sein Traum zu leben, was auch immer dieser Traum ist. Nicht zu schnell aufzugeben und nicht zu schnell zu jammern und Rock’ n Roll ist eine wichtige Lebenseinstellung. The Story of my life und ohne Rock’n Roll hätte ich nicht so viel gerissen und ich finde ich die Geschichte richtig cool.

SLATE: Also wird es ein Film und keine Doku?

DMP: Nein, wird ein Spielfilm, genau. Das wird den Holger und den Thomas in den 20 igern, in den 90’er Jahren begleiten, wie sie auf dem Lande leben und in dem Wacken irgendein x-beliebiges Dorf war. Die waren auch auf Festivals an den Wochenenden, sind sie nach Wacken gefahren ist die Stimmung wieder gekillt und war das Thema, wann wer morgens aufstehen muss. Heutzutage hörst du das Wort Wacken und sagst: „ Heavy Metal, ja, Schlamm“. Das war damals nicht so und sie hatten eine Garagenband und die wollten Auftritte für diese Band bekommen, das hat nicht so geklappt. Und da haben sie gesagt, wir nehmen die Sache selbst in die Hand. Eine Sache die ich sehr gut wieder erkenne und haben dann irgendwann gemerkt: „Wow hier entsteht was, was größeres als nur ein Konzert für unsere Band“. Das ist der Wahnsinn, was das heute ist. Und heute sind ihre Sorgen und Probleme einfach mit gewachsen und das erkenne ich auch alles wieder. Also mein Weg fühlt sich immer noch unfassbar steinig an. Es gibt Phasen, wo du sagst, Wahnsinn, super geil, schöner Erfolg. Dann gibt es Phasen wo du echt abkotzt und alles in Frage stellst, warum mache ich diese scheiße. Immer wenn du in der aktuellen Phase bist, dann gibt es immer was, wo du sagst, jetzt ist mal gut. Die Schreibphase, jetzt möchte ich mal gerne in Planung gehen. Dann die Vorproduktion, bist genervt dich mit den Leuten rumzuschlagen, die Antworten auf all die ganzen Fragen, jetzt möchte ich endlich mal gerne drehen. Beim Drehen, dann ist kalt oder heiß. Dann die ganzen Diskussionen und logistische, Mensch wie viele Einstellungen brauchst du noch und diese ganzen Dinger. Ich möchte endlich in die Postproduktion und dann sitzt du im Schnitt und dann tut dir der Rücken irgendwann weh. Und dann sagst du, man jetzt möchte ich das Ding los sein.  Und dann arbeitest du die ganze Zeit auf eine Premiere hin, auf ein Abend, wo du ein Publikum 90 Minuten lang zu sprichst, deine Geschichte erzählst und höchstwahrscheinlich kannst du den Abend gar nicht genießen, weil du so geschlaucht bist von der Erfahrung.

SLATE: Gibt es noch ein anderes Schubladenprojekt was du liegen hast?

DMP: Ja, ich entwickle nebenbei noch ein bisschen Horrorsachen. Aber da ist jetzt nichts spruchreif, so zwei drei Bücher/Prämissen, also Bücher die ich so gerade anschiebe. Teilweise mit meinem Bruder zusammen. Und ich bin noch mit dem Schmerbeck im Kontakt, der hat auch so ein Folgeprojekt im Kopf und da bleibe ich so ein bisschen für. Und ich habe auch ein paar Anfragen bekommen, aber der eine Dreh wurde dann verschoben oder der eine Dreh wurde abgesagt oder ich habe auch mal Nein gesagt, weil es haut nicht immer hin. Es gab auch größere Anfragen teilweise, auch kleinere Anfragen und jetzt konzentrier ich mich auf den „Wacken“ Film, weil ich glaube der könnte wirklich was werden.

SLATE: Das ist ja auch ein ambitioniertes Projekt.

DMP: Ich hab jetzt auch vor ein paar Monaten eine Entscheidung getroffen, nicht alles jetzt zu verfilmen was ich in der Schublade habe, sondern Romane zu schreiben. Diesen Monat kommt mein zweiter Roman raus. Mein erster ist seit Mai auf Amazon Kindle und auch als Taschenbuch. Das ist tatsächlich befreiend, weil Filmemacher wollen ihre Geschichten erzählen und nicht jeder Film ist ein Kinofilm und nicht jede Geschichte ist ein Film. Und ich habe auch für mich entschieden. Weil bei mir auch englische Drehbücher liegen, habe ich mir gerade zwei so vom Leib geschrieben, die in Amerika spielen müssten und die ich in der nächsten Zeit verfilmen würde. Das erste läuft erstaunlich gut, sehr gute Rezensionen und der ist jetzt irgendwo stabil in der Mitte von den Top 1.000 auf Amazon unterwegs und deswegen haue ich die Dinger so zwischen durch mal raus und das ist auch gut, du lässt deine Stoffe einfach mal los. Wenn du es raushaust, hast du es erst mal aus dem System. Also mein erstes Buch heißt „Wenn die Hölle zufriert“ und handelt von einem Hinrichtungsgebäude in einem US Gefängnis in den Rocky Mountains und wie es ja auch oft in Amerika der Fall ist ein kleines Countainergebäude, also wirklich klein, es gibt wenig Räume, es gibt eine Zelle, es gibt ein Klo, es gibt ein kleinen Korridor, es gibt ein Zeugenraum, ein Hinrichtungsraum und ein Henkersraum, that’s it. „ Wenn die Hölle zufriert“ handelt von einem Gefängniswärter der mal Polizist war, eine schwierige Vergangenheit hatte und jetzt diesen Job macht, um einfach seine Familie zu ernähren. Es ist Hinrichtungsnacht, ein Schwarzer soll hingerichtet werden, weil er was ganz schlimmes getan hat und während eines historischen Schneesturms wird das Gefängnis von einer Lawine platt gemacht und also das Containergebäude ist tagelang komplett verhüllt und der Schneesturm geht draußen weiter und weiter. Und das ganze Städtchen ist im Ausnahmezustand und wir befinden uns in diesem Containergebäude mit einem Gefängniswärter und einem Todeskandidaten, die sich nun irgendwie zusammen tun müssen um zu überleben. Alles ist aus den Angeln gehoben. Sie haben eine Henkersmahlzeit von dem Todeskandidaten die sie sich jetzt teilen müssen, um über die Runden zu kommen, Handynetz tot. Auch in der Hinrichtungskammer, alle 4 Telefone alles tot, arschkalt, Wasserleitung geht nicht. Ihre einzige Option ist erst mal zu versuchen sich raus zu buddeln, aber je mehr sie buddeln, umso mehr Schnee kommt ins Gebäude rein und die Wände werden immer, die haben eine Frostschicht von innen und die werden immer labiler, weil irgendwann wird Metall brüchig wenn es zu kalt ist. Da tickt die Uhr gegen die Jungs. Da gibt es auch eine schöne Ironie. Zum Beispiel im ersten Drittel des zweiten Akts, da ist ein Vorgesetzter noch am Leben, der schwer verletzt ist und total unterkühlt ist. Der lag unter dem Schnee, den holen sie raus, die eine Tür war auf und er wollte gerade raus und die Lawine kommt. Und es stellt sich heraus, dass der Todeskandidat im früheren Leben Tierarzt war und er ist qualifizierter als jeder in diesem Gebäude, um sich irgendwie zumindest die Verletzung anzugucken und was zu machen. Da haben wir so ein schönes Bild von einem Rednek-Gefängniswärter, der verantwortlich war für den Ablauf der Hinrichtung und der liegt auf der Todespritsche und kriegt eine Vollnarkose und wird verarztet von dem schwarzen Verurteilten. Und dann gibt es auch einfach Momente so wie, er braucht halt irgendwie eine Vollnarkose und die Risiken sind einfach die dass er es nicht schafft. Aber was machen wir, die erste von euern Spritzen können wir ihm doch geben, das ist doch zum Einschlafen und dann ist es der Wärter, der Protagonist, der den Verurteilten fragt „ Sind sie sicher, dass er davon nur einschläft“, „ Sie fragen mich?“. Also das ist auch eine Symptomatik die mich bewegt beim Ausnahmezustand, was passiert mit den Menschen, wenn die Dinge sich plötzlich ändern, wenn die Gesetze nicht mehr sind, wie wir sie kennen. Mein zweites Buch was ich jetzt  raushaue, handelt von einer Mutter die an einem sonnigen Dienstagmorgen im Central Park ihre 3-jährige Tochter verliert. Verschwindibus, weg.  Und zufällig wird gleichzeitig das World Trade Center angegriffen von Flugzeugen und das nimmt sie am Rande alles war, die ganze Welt bleibt stehen und sie ist völlig verzweifelt weil sie ihre Tochter nicht finden kann und irgendwann „Scheiße ich muss die Polizei anrufen“ und was passiert, kommst nicht mal durch und gehst zur Polizeiwache – keiner da. Du nimmst ein Passfoto und machst Vermisstenanzeigen. Interessiert keine Sau. Die ganze Welt hat größere Sorgen, weil Blickwinkel verändern, alle kennen Bilder von den brennenden Türmen. Ich bin ja halber New Yorker, ich versteh schon dass es ein schrecklicher Tag war, aber mich interessiert immer so die andere Variante.

SLATE: Wenn du sowas machst, zurück gehend auf das was du anfangs als kleiner Junge gemacht hast, dann müsste ja letztendlich die Konsequenz daraus sein auch wieder Hörbücher selber einzusprechen.

DMP: . Ja witzig, ne? Ja das kann sein, schreiben hat auch seine Vorzüge, habe ich schon gemerkt. Craz du bist wirklich in einer anderen Welt, du erzählst diese Geschichte, du erzählst sie auch selbst. Setzt dich damit auseinander und ein Buch ist auch schon so ein One Take Wonder, du überarbeitest dein Buch, aber schreibst nicht fünf Fassungen von einem Roman. Du musst die Kunst des Schreibens schon irgendwie ein bisschen beherrschen und du musst eine Geschichte schon liegen haben und dann gehst du sie nochmal durch, räumst sie nochmal auf. Also das hat seine Vorzüge: Du bist bei deiner Familie, du kannst deine Uhrzeiten selber festlegen.

SLATE: Möchtest Du noch etwas los werden?

DMP: Also ich habe tatsächlich noch ein antikes Kraut das muss unbedingt weg muss. Also wenn du da irgendwen kennst. Fazit: „Lebe deinen Traum“.

 

 

Wir verlosen drei signierte TO GO BERLIN Ausgaben, mit der HEILSTÄTTEN-Titelstory. Signiert von David Michael Pate und von Timmy Trinks, der an dem Tag auch noch im Cafe vorbei schaute. Wer teilnehmen möchte, der schickt eine Mail mit „DMP“ bis 03. Januar an: verlosung@cuteanddangerous.de

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