WO IST MEIN PAKET

Sicher kennt Ihr das auch, ich mache die Waschmaschine an und als ich die Wäsche raus nehme fehlt mir ein zweiter Socken. Für dieses Rätsel gibt es ja eine Erklärung, aber wenn ich einen Paketschein in der Hand halte, oder eine Sendenummer verfolge, mein Paket aber nie ankommt, dann wird es schon eher unerklärlich.

 

Die Zustände häufen sich. Dazu kommen die Abänderungen von Begriffen wie „Zustellen“, bedeutet eigentlich eine Sendung wird dem Adressaten übergeben. Der Begriff „Paket wurde verschickt“, sollte einen in dem Glauben lassen, dass es auch einmal ankommt. Eine „Adresse“ sollte auch als solche verstanden werden und nicht per Hand von der Post abgeändert werden. Eine „Beschwerdestelle“ sollte sich auch mit Beschwerden auseinandersetzen und nicht in das plumpe Versenden von Standartmails (eine wird schon irgendwie passen) verfallen. Die Liste der Begrifumkehr ist lang und die Schäden,  die mittlerweile entstehen , hoch. Schlimm, dass der Staat es duldet, dass diese Unternehmen nur schwer zu belangen sind, weil sie sich hinter internen Konzerngeflechten verstecken und Klagen über 5€ nicht wirklich von einem Gericht angenommen werden.

 

Aber wozu gibt es uns, die Medien. Es wird Zeit, dass wir uns einmal und sicher nicht zum letzten Mal mit diesen Gesellschaften befassen. Es ist Zeit für eine Kampfansage!

 

Gibt man sich dem Thema hin, so wird man erschlagen von Beschwerden in den sozialen Netzwerken, sogar auf den Seiten der Paketdienste, aber auch bei jedem Unternehmer, bei dem man anfragt, kommt mindestens eine skurrile Geschichte zum Vorschein. Nun wird aktuell diskutiert, ob die Zusteller nicht mehr Geld bekommen müssen, vielleicht wieder einmal mit Hilfe staatlicher Vorgaben. Von freiem Unternehmertum ist in unserem Land sowieso nicht mehr zu reden, aber das ist eine andere Geschichte. Doch bei durchschnittlich 2.200€ Gehalt muss man schon Leistung bringen und nicht rumjammern, man sei immer „in Eile“.“ Augen auf bei der Berufswahl „ heißt es und solange ihr nicht bei Amazon arbeitet, seid doch froh. Doch die Tendenz wird genau dorthin gehen, denn die Amerikaner wissen wie man Geld verdient und  wie man ausbeutet, solange es nicht unbedingt im eigenen Land ist. Aber was gehen uns die Amerikaner an. Wir bleiben in Deutschland.

N TV hatte im Jahre 2014 einen Test mit DHL, Hermes, GLS, UPS und DPD unternommen. Die Ergebnisse waren schon damals mangelhaft, aber was jetzt, fünf Jahre später, an der Tagesordnung ist, ist schon mit dem Wort „Skandal“ zu titulieren.

Damit wir nicht die kommenden 10 Seiten mit dem Thema füllen, haben wir uns erst einmal an drei Fälle gehalten, die es gilt zu verdauen.

 

1 – DHL hat eigene Gesetze

Eine DHL Sendung wurde an eine Firma A adressierte. Die Sendung stammte aus der Schweiz. In Deutschland angekommen,  wurde die Sendung, per Hand von DHL umgeleitet an ein Unternehmen B, welches eine völlig andere Anschrift hatte und einen völlig anderen Namen. Unter den beiden Firmen bestand keinerlei Zusammenhang. Dafür wurden der Firma B 6,99 € Nachsendeentgelt in Rechnung gestellt. Brisant dabei: durch die verklebte Originalanschrift wurde die Sendung geöffnet in der sich vertrauliche Verträge befanden. Firma B traf keine Schuld, denn wer kann sich schon die Adressen ansehen, wenn man mehrere Sendungen zugestellt bekommt. Die Mitarbeiter der Firma B machten sich die Mühe, die Anschrift der Firma A im Internet ausfindig zu machen und kontaktierte diese einige Tage später.

Wenige Monate später wiederholte sich genau dieser Vorgang mit einer Sendung aus Deutschland. Wieder wurde eine Sendung per Hand umgeleitet und erneut erfolgreich 6,99 € für die Annahme verlangt. 13,98 € also durch einen Fehler, der im Hause DHL menschlich geschaffen wurde. Rechnet man das mal  hoch 10, hat das Unternehmen am Tag mal schnell  69,90 € erwirtschaftet, rechnen wir weiter…aber das brauchen wir nicht. Jeder Unternehmer, der eine ähnlicheTat vollbringen würde, wäre wegen Betrug angezeigt worden. DHL entschuldigt sich mit einer Paketkarte, die das Unternehmen abgelehnt hat und legt ein Standartschreiben vor, dass sie für die Zustellung nicht haften. Was aber ist ein Fehler eines Mitarbeiters?

DHL schreibt dazu: „Eine Kulanzleistung ist eine freiwillige, einzelfallbezogene Leistung ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Sie kommt immer dann in Frage, wenn einem unserer Kunden ein Schaden entstanden ist, für den wir nach den Regelungen unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zwar nicht haften, den wir aber dennoch – zumindest teilweise – wiedergutmachen möchten. Das heißt, eine echte Haftungsgrundlage ist für den von Ihnen geschilderten Sachverhalt nach unseren AGB nicht gegeben.

Wir haften für unmittelbare Schäden an der Sendung, d. h. für Verlust, Beraubung oder Beschädigung bis zu bestimmten Höchstbeträgen. Für Folgeschäden, beispielsweise entgangenem Gewinn oder Ersatzbeschaffung, ist nach unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen PAKET/EXPRESS (NATIONAL) eine Haftung ausgeschlossen. Bitte haben Sie hierfür Verständnis.“

 

2 – DPD die ewigen Verlierer

Eine Firma verschickte Waren an ein Unternehmen, soll ja jeden Tag passieren. Der Zusteller, der bei der Firma fast täglich Sendungen abgibt, ist der Meinung die Ware im Depot zu lassen. Diese liegt dort so lange, bis sie zurückgeschickt wird. Das geschieht ein weiteres Mal und der Absender wird immer wieder darüber informiert, dass seine Sendung nicht abgeholt wird. Nur wie soll das geschehen, wenn der Empfänger keine Ahnung von einer Sendung hat. Nach dem dritten fehlgeschlagenen Versuch bricht der Absender die Geschäfte mit dem Empfänger ab, der nichts dafür kann. Allein für den Absender waren es insgesamt 80€ Schaden.

Was sagt DPD dazu: Sehr geehrter Herr XXX, vielen Dank für Ihre E-Mail. Zunächst möchte ich Sie darüber informieren, dass Sie absolut im Recht sind, dass der Fahrer Sie hätte informieren müssen. Dass dies nicht erfolgt ist, haben Sie ja bereits in Ihrem ursprünglichen Schreiben erwähnt und ich bin mir sicher, dass die Kollegen auch diesen Punkt im Verlauf der Klärung des Vorgangs ausgewertet und entsprechende Maßnahmen ergriffen haben.“

Was hat der Kunde davon, er fordert Schadenersatz, zumindest die Übernahme der Kosten für einen erneuten Versand aus Österreich.

Was sagt DPD dazu: „Sehr geehrter Herr XXX, wie bereits mitgeteilt, können wir Ihnen hier nicht direkt Weiterhelfen. Ich bitte Sie mit Ihrem Absender in Kontakt zu treten, damit dieser eine entsprechende Reklamation bei DPD Österreich einreicht. Die Kollegen aus Österreich werden dann die zuständige Schadensabteilung des ausführenden Depots in Deutschland kontaktieren und die Übernahme der Versandkosten  fordern. Erst wenn dies passiert ist, können die Versandkosten auch tatsächlich durch uns, DPD Deutschland, übernommen werden. Ich bitte Sie nochmals um Verständnis, dass dieser Prozess eingehalten werden muss, da eine Regulierung nur über diesem Weg erfolgen kann.

Der Rechtsweg steht Ihnen selbstverständlich nach eigenem Ermessen offen.“

 Da ist sie wieder, diese Arroganz „verklagt uns doch“.

 

3 – DHL/DPD warum fahren wir eigentlich mit dem Transporter?

In letzter Zeit erhalten wir immer mehr Informationen von Unternehmen und Privatpersonen, deren Zustellungen von DPD gar nicht mehr ausgeführt werden. In manchen Fällen finden sie eine Karte im Briefkasten, dass ihr Paket in einer Paketstation abgegeben wurde, obwohl sie vor Ort auf die Zustellung gewartet haben. Von dem Depot erfahren wir, dass die Fahrer nicht mehr anhalten um das Paket abzugeben und auch nicht mehr um eine Karte zu hinterlegen. Sie fahren grundsätzlich an Häusern vorbei  und geben die Pakete im Depot ab, wo diese dann nach sieben Tagen wieder zurückgeschickt werden – es ist ja keiner informiert über das Paket. „Doch einige Personen kommen jeden Tag vorbei, weil sie ein Paket erwarten und wissen, dass der Fahrer sie nicht benachrichtigt.“, sagt uns einer der Depotverwalter.

Ein Depotverwalter von DHL hat eine noch bessere Geschichte auf Lager. Er bekommt von einem speziellen DHL Fahrer wöchentlich große Mengen an Paketen, die angeblich nicht zustellbar sind. Der Fahrer gibt gerne Auskunft über seine Tour und sagt: „Bei dem muss ich gar nicht klingeln, der ist nie da. Der andere ist ein Arschloch, soll sich sein Paket selbst abholen und den hier, den kann ich gar nicht leiden.“

 

Und die wollen mehr Gehalt? Es wird Zeit, dass bestimmte AGBs nicht mehr zulässig sind, denn sonst haben die Firmen hier bald keinen Platz mehr, weil Amazon und Co ihren geknechteten Zustelldienst umfangreich verbreiten werden. Die stellen zu und dann interessiert hier niemanden mehr, wer das Paket austrägt. Schickt uns Eure Probleme und Vorfälle mit Zustellern, wir werden dem gerne auf den Grund gehen und diese publizieren.

 

Eine Anekdote aus unserem Verlag am Ende.

 

Im Juni 2018 verschickten drei unabhängige Buchverlag Rezensionsexemplare an unsere Redaktion. Der Wert der Sendungen 1.300 €. Einen Monat später schrieb unser Leiter der Buchredaktion, Thomas Ziegler, die Verlage an, warum die Bücher nicht geschickt wurden. Alle drei Buchverlage hatten eine Zustellbestätigung. Anfragen bei DHL, verantwortlich für alle drei Sendungen, wurden nicht beantwortet. Die drei Verlage schickten uns teilweise neue Ware die auch wenig später ankam. Wir schreiben das Jahr 2019, es ist Januar und als unser Vertriebsleiter ins Gebäude geht, um das Büro aufzuschließen, liegen drei Pakete vor unserer Tür. Es sind die Zustellungen aus dem Sommer 2018, ohne einen Makel, eben gut gelagert.

 

Paketzusteller sollten nicht mehr bekommen, sondern rechtlich belangt werden können, ebenso wie die Konzerne. Aber da unsere Politiker in den Vorständen und Aufsichtsräten sitzen, wird sich hier nichts verändern. Somit ist es wichtig,  jedes Problem anzugehen, wenn nicht allein, dann eben mit uns.

 

Kampfansage!

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