KUNSTWERK

Das Kunstwerk des Monats Januar ist der „Winternachtsbaum“ von Simone Haack. Die nächtliche Szene zeigt ein Waldstück in einer Winternacht. Die Bäume sind in ein zartes Licht getaucht, das von oben in die Szene einfällt. Ob das Licht von den Sternen oder vom Mond ausgeht, oder ob es sich um ein irreales Licht handelt, bleibt unseren Augen verborgen. Wir sehen nur die weiche Spiegelung des Lichts auf der Schneedecke über dem Waldboden.

Das zentrale bzw. bildbestimmende Motiv des Gemäldes bildet ein imposanter Baum, der durch den Wiederschein einer (unsichtbaren) Lichtquelle frontal stark betont ist. Dadurch steht der Baum in einem merkwürdigen Kontrast zu der ins Dunkle getauchten Landschaft um ihn herum. Das geheimnisvolle transzendente Licht scheint den mächtigen Baum geradezu aus der Dunkelheit heraus zu schälen. Dabei hebt es die plastischen Qualitäten und die ungeheure Präsenz des Baumes hervor und lässt den Stamm geradezu wie eine archaische Wächterfigur erscheinen. Mehr noch: die Lichterscheinung bewirkt eine seltsam unwirkliche, traumhafte und ebenso zauberhafte wie magische Atmosphäre.

Diesen Eindruck unterstreichen auch die Farbeffekte und Lichterscheinungen, die sich inmitten der Szenerie, wie aus dem Bilddunkel heraus, aktivieren. Unruhig pulsieren und vibrieren sie, wie in einem Spiel miteinander. In weißen, grauen, blauen, rötlichen, violetten und gelben Farben durchschimmern sie die Sphäre der Nacht.

In weichen Übergängen geht der helle Vordergrund des Bildes allmählich in einen dunklen Hintergrund über. Hinter dem Baumriesen schluckt das Dunkel alle Einzelheiten wie Bäume oder Buschwerk. Doch es scheint, als erheben sich im Hintergrund die Häuser, Dächer und Türme einer Stadt.

Das Gemälde „Winternachtsbaum“ von Simone Haack ist von einer eigentümlichen Stimmung erfüllt. Eine seltsam geheimnisvolle Atmosphäre liegt in diesem Nachtstück der Künstlerin. Wie in vielen anderen ihrer Werke spielt auch in diesem Bild die Inszenierung durch Licht eine entscheidende Rolle. In „Winternachtsbaum“ ist der Raum in eine magische unwirkliche Lichtstimmung – eine Lichtvision – versetzt. Zu einem intensiven malerischen Bilderlebnis trägt die feine Nuancierung von hellen und dunklen bzw. bunten und unbunten Farben bei, was dem Bild seine eigenwillige Spannung zwischen einer (vordergründig) eher ruhigen, ja kontemplativen und einer (unterschwellig) vital-unruhigen Stimmung verleiht. Eine wichtige Funktion innerhalb des Kompositionsgefüges kommt auch dem raumgliedernden Bildaufbau zu. Durch die Staffelung von aufgehelltem Vordergrund über den in ein Dunkel getauchten Hintergrund und die Ausweitung der Raumtiefe zum nachtblauen Firmament hin, entsteht eine starke räumliche Wirkung.

André Lindhorst, 2021

Galerie Köppe Contempary

www.villa-koeppe.de


 

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