GELUNGENE AUSSTELLUNG

Flughäfen sind Logistikzentren, sie sind ebenso zweckmäßig wie nüchtern durch­konstruiert. Es sind präzise organisierte technische Betriebe, die auf Effizienz angelegt sind – auf den Massenumschlag von Mensch und Material. Die Besonderheit des Flughafens Tegel liegt in seiner Bedeutung für die Mauerstadt Berlin während des Kalten Krieges. Gegenüber anderen Flughäfen sticht der TXL heraus aufgrund seiner baulichen Raffinesse: Seine außergewöhnliche Architektur brachte dem TXL das Marken­zeichen „Flughafen der kurzen Wege“ ein. Vom Check-In zu den Gates und von da zu den wartenden Maschinen auf das Flugfeld waren es nur wenige Schritte und ein Katzen­sprung mit dem Bus oder dem Taxi in die Berliner Innenstadt.

„Tegel Moments“ heißt die Ausstellung des in Berlin ansässigen Foto­künstlers Bernd Rathjen. Der Künstler und seine Kuratorin Nadine Barth haben in der Präsentation eine Auswahl von knapp 50 Motiven von Innen- und Außen­aufnahmen versammelt, die Rathjen zwischen 2012 und 2020 auf dem Flughafen Tegel aufgenommen hat.

Rathjens Vorgehen ist methodisch. Die Inszenierung ist zumeist klar, streng und schnörkel­los. Und doch findet sich in manchem Motiv auch etwas Persönliches, zumal dann, wenn es an die Eigenschaften eines Porträts erinnert. Rathjen erzeugt mit seiner Kamera Intimität, so als sei dieser Ort beseelt. Und so klingt in der Ausstellung auch die Melancholie eines letzten Moments an.

Manche Szenerie wirkt wie entrückt, wie ein in einer Zeitkapsel abge­schlossener eigener Kosmos, so die „Anfahrt zur Haupt­halle“ oder das Motiv des Towers im Bild „Geometrie“ beispielsweise. Und auch Kunstbezüge finden sich in der Ausstellung allent­halben. So wirken die Fotografien aus den letzten Monaten des menschen­leeren und bereits verwaisten Flughafens, der im November 2020 endgültig geschlossen wurde, wie Still­leben. Und die nun funktions­los gewordenen Orientierungs­spuren auf dem Tegeler Flugfeld dekonstruiert Rathjen zu abstrakten Bildern, die an die geometrisch-konkrete Kunst erinnert.

Wie ein Memento schließlich der Blick auf die Haupthalle TXL (siehe oben), in deren Scheiben sich die Air France 1235 spiegelt – der letzten Maschine, die am 8. November 2020 von Tegel nach Paris abhob. Seltsam irreal wirkt diese Szene, die vom finalen Moment des Flughafens kündet.

André Lindhorst

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