DER NACHWUCHS

Aus einer abgelegenen Region im Nordwesten von Benin kommt die siebenköpfige Star Feminine Band, eine Gruppe junger Mädchen im Alter zwischen neun und fünfzehn Jahren, die frech, unbeschwert und voller Energie Genres wie Garage-Rock, Pop und traditionelle Songs ihrer Heimat durcheinanderwirbeln. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum wird am 13.11.2020 bei Born Bad Records veröffentlicht.

 

Geboren wurde die Band 2016 als Idee des professionellen Musikers André Baleguemon. Er wollte eine ausschließlich weiblich besetzte Band zusammenstellen, die sich aktuellen Themen annahm. Der Grund für seine Initiative: „Im Norden haben Mädchen keine Möglichkeiten weiterzukommen und Frauen werden an den Rand gedrängt. Ich wollte einfach zeigen, wie wichtig Frauen in der Gesellschaft Nord-Benins sind, indem ich ein weibliches Orchester gründe.“ Gesagt, getan: Unterstützt von der 35.000 Einwohner zählenden Stadt Natitingou, die fünfzehn Stunden Fahrt vom Regierungssitz Cotonou entfernt liegt, veröffentlichte André eine Pressemitteilung beim Radiosender Nanto FM, in der er kostenfreie Musikstunden für Mädchen anbot. Dem Aufruf folgten Dutzende junger Musikerinnen. „Die Mädchen wussten nichts über Musik – wir entschieden uns für sieben Mädchen aus den umliegenden Dörfern mit Waama und Nabo-Hintergrund. Einige von ihnen hatten Instrumente wie Keyboards noch nie gesehen.“

 

In den intensiven Proben kristallisierte sich folgendes Line-Up heraus: Angelique und Urrice an Schlagzeug und Gesang, unterstützt von der dritten Schlagzeugerin Marguerite, Sandrine an Keyboards, wie auch Grace, die außerdem singt. Julienne ist am Bass und Anne an der Gitarre zu hören. Die Band hat mittlerweile Dutzende Konzerte in der Region gespielt, ihr Repertoire immer weiter ausgebaut und viele Fans vor Ort gewonnen. Neben den musikalischen Fortschritten legt André Baleguemon einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit darauf, die Familien von der Wichtigkeit des Projekts auch in menschlicher Hinsicht zu überzeugen, und zu bewirken, dass die Mädchen weiter in die Schule gehen statt in Gelegenheitsjobs als Straßenverkäuferinnen oder in die Heirat gezwungen zu werden. In vielen ländlichen Regionen des afrikanischen Kontinents und auch in manchen Metropolen hat sich das Leben der Frauen seit den 1960er Jahren, als während der Unabhängigkeitskämpfe ein positiver Wandel zu Modernität, Kultur und Emanzipation angestrebt wurde, kaum verändert. Selbst die aktuelle MeToo-Bewegung hat bislang keinen spürbaren Wandel bewirkt. Die Star Feminine Band thematisiert die Lage der Frauen in ihren Texten, die in verschiedenen Sprachen verfasst sind. André Baleguemon dazu: „wir komponieren Songs in Französisch, Waama und Ditamari, zwei unbekannte ethnische Gruppen aus dem Norden. Wir singen in unserem neuen Repertoire auch Songs in Bariba und Fon, der Hauptsprache in Benin, um von möglichst vielen Menschen verstanden zu werden.“ André komponiert die Songs, aber alle sieben Bandmitglieder bringen ihre eigenen Ideen mit ein, wie er sagt: „Sie sprechen über die weibliche Genitalverstümmelung, Missbrauch und Gewalt gegen Frauen. Wir wollen diese Themen in die politische Debatte in Benin und wenn möglich, auch anderswo in Afrika einschließen.“

 

Ende 2018 brachte ein Treffen mit dem jungen französischen Toningenieur Jérémie Verdier das Projekt in Bewegung. Er holte seine Freunde Juan Toran und Juan Serra mit ihrem Aufnahmegerät an Bord, um die ersten Songs im Anbau eines Museums in Natitingou einzuspielen. Rein zufällig hörte Jean-Baptiste Guillot vom Label Born Bad Records die Aufnahmen und beschloss, die Band Ende 2019 in ihrer Heimat zu treffen. Daraus entwickelte sich die jetzt anstehende Albumveröffentlichung.

 

Mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen, viel Charisma und nicht zuletzt einem tiefen Glauben hat sich die Star Feminine Band zum Stolz der Atakora-Region entwickelt. Die Bandmitglieder verkörpern die Zukunft. Sie schauen sich nach Ausbildungsberufen um und bereiten damit den Boden für die nächste Generation der Mädchen aus der Provinz. Gerry Goffins berühmte Aussage „In the Sixties, God was a young black girl who could sing” nimmt sechzig Jahre später in einer vergessenen Provinz des afrikanischen Kontinents neue Bedeutung an.

https://www.youtube.com/watch?v=sQzCl6dUSnM.

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close