ES NAHT…

Der Nachrichtensender CNN berichtete Anfang der Woche über ein mögliches Ende der freizügigen Bordell-Kultur in Amsterdam. Nach Corona wird wohl nicht nur mit den weltberühmten Fenstern, sondern mit Prostitution insgesamt im Stadtkern Schluss sein. 
 
Die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema, war schon vor Corona kein Fan des vielleicht bekanntesten Rotlichtviertels der Welt. Die unter Massentourismus leidende Stadt würde sich offenbar gern eines ihrer größten Besuchermagneten entledigen.
 

Das war bisher nicht nur wegen der langen Tradition, sondern auch wegen der rechtlichen Akzeptanz von Sexarbeitern in den Niederlanden ein umstrittenes Vorhaben. Im Windschatten der Coronakrise scheint Halsema nun Fakten schaffen und die Prostitution aus De Wallen vertreiben zu wollen.

Unzweifelhaft ächzt die Stadt unter den Besucherströmen. Weit über 18 Millionen Übernachtungen hat die Stadt zu verkraften. Die Einwohner fordern seit Langem eine stärkere Regulierung. Auf maximal 12 Millionen Übernachtungen will eine Bürgerbewegung den Tourismus in der Stadt eingrenzen. Die Kampagne »Amsterdam hat die Wahl« bekommt derzeit großen Aufwind, konnten die Bürger der Stadt in der Corona-Krise ihre eigene Stadt wieder genießen und wahrnehmen.
 
In diese Stimmungslage versucht Halsema für ihren Plan einer Umsiedlung des Rotlichtbezirks in die Außenbereiche der Stadt die nötigen Mehrheiten zu bekommen. Doch insbesondere bei den ohnehin notleidenden Sexarbeitern regt sich Protest.
 
Seit Mitte März ist Sexarbeit in Amsterdam wie nahezu überall auf der Welt aufgrund der Corona-Maßnahmen vorläufig verboten. Das für seinen Trubel berüchtigte Vergnügungsviertel in Amsterdam gleicht seitdem einer Geisterstadt. Über 300 registrierte Sexarbeiterinnen, die in den berühmten Fensterbordellen ihre Dienste anboten, mussten monatelang ohne Einkommen auskommen.
 
Wie in anderen Ländern auch wurden dadurch zahlreiche Sexarbeiter in die Illegalität gezwungen, denn das älteste Gewerbe der Welt findet nun mal statt, ob reguliert oder illegal. Das bestätigt auch Felicia Anna, selbst Sexarbeiterin und Gründerin des Interessenverbands Red Light United. Die Frauen haben »oft keine andere Wahl«, als in die Illegalität abzutauchen.
 
Und das obwohl es durchaus anders als in anderen Ländern finanzielle Beihilfen
vom Staat gibt. 1100 Euro im Monat reichen einfach nicht aus, um das Leben in Amsterdam zu bezahlen. Seit dem 1. Juli ist Prostitution in den Niederlanden nun wieder erlaubt. Damit ging die Regierung auf die Nöte der Sexarbeiter ein und wich von dem ursprünglichen Plan ab, Prostitution bis September zu untersagen. Die Vorschriften für Sexarbeiter sind eher milde, so sollen Sexarbeiter ihre Kunden fragen, ob sie Corona-Symptome haben. Auf Küssen und direkten Gesichtskontakt soll verzichtet werden.
 
Nun sorgt das Vorhaben der Bürgermeisterin, die Sexarbeit generell in ein Bordell in die umliegenden Bezirke Amsterdams zu verlegen, für Unmut. Sexarbeiter fühlen sich zu Unrecht diskriminiert. Die Verbannung des Rotlichtbezirks würde das Tourismusproblem kaum lösen. Billigflüge und im Bezirk selbst die Junggesellenabschiede seien ein viel größeres Problem für die Stadt.
 
Was Femke Halsema als Alternative für De Wallen andenkt, scheint auch eher eine triste Säuberung. Statt Fensterbordelle sollen die Flächen als Büros und Ladenlokale genutzt werden. Prositution soll in ein riesiges Prostitutionsbrodell außerhalb der Innenstadt weichen. Der Rat der Stadt will über die Zukünfte der Bürgermeisterin noch im Sommer entscheiden.
 
Schon jetzt aber gelten im Vergnügungsviertel neue Regeln. Stadtführer dürfen vor den Fenstern nicht mehr halten und keine Fotos der Sexarbeiter mehr machen. Damit soll die Situation zumindest etwas entzerrt werden.
 
Die Sexarbeiterinnen selbst würden nur ungern an den Stadtrand weichen. Die extreme Sichtbarkeit der Frauen sorge eben auch für Sicherheit. Außerdem haben sie Angst, dass ihre Umsätze einbrechen könnten, schließlich sind viele der Touristen ihre Kunden, auch wenn der Großteil lediglich zum Gaffen vor den Fenstern auftaucht.

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