FREE KIRILL

kurz nachdem das internationale Festival Radar Ost Digital zu Ende gegangen ist, welches Kirill Serebrennikov – langjähriger Freund und künstlerischer Partner des Deutschen Theaters Berlin – mit Eine alltägliche Geschichte eröffnet hat, sind wir fassungslos, empört und sehr besorgt: Kirill Serebrennikov soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in Moskau in einem umstrittenen Strafverfahren zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt werden. Der Staatsanwalt Michail Resnitschenko forderte am Montag, den 22. Juni 2020 vor einem Moskauer Gericht darüber hinaus eine Geldstrafe von 800.000 Rubel. Neben dem international gefeierten Regisseur und Leiter des Gogol-Center Moskau werden in diesem rechtsstaatlich indiskutablen Verfahren gegen russische Künstler_innen auch dem Produzenten Alexej Malobrodski, der Direktorin des Moskauer Jugendtheaters Sofia Apfelbaum und dem ehemaligen Direktor des Siebten Studios Yuri Itin die Veruntreuung von Fördermitteln vorgeworfen – äußerst fragwürdige Beschuldigungen, die in dem seit 2017 laufenden Strafprozess in keiner Weise belegt werden konnten.

Das Verfahren steht international als politischer Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland in der Kritik. Kanzlerin Angela Merkel sowie internationale Künstler_innen hatten sich für den Regisseur und Theaterleiter eingesetzt. Auch das Deutsche Theater Berlin erklärte immer wieder seine Solidarität mit Kirill Serebrennikov und schloss sich der „Free Kirill“-Bewegung an, als dieser vor zwei Jahren festgenommen und für eineinhalb Jahre unter Hausarrest gestellt wurde.

Das Deutsche Theater Berlin pflegt seit mehreren Jahren einen intensiven Austausch mit Kirill Serebrennikov und dem Gogol-Center Moskau. Die ursprünglich für die Spielzeit 2018/2019 geplante Inszenierung von Decamerone musste aufgrund des umstrittenen Strafprozesses mehrfach verschoben werden. Nachdem es im Sommer 2019 noch so schien, als könne Kirill Serebrennikov für die Proben zu Decamerone nach Berlin kommen, wurde das Verfahren im September wieder aufgenommen, so dass es zu einer länderübergreifenden Kooperation zwischen den Theatern kam: Am 8. März 2020 feierte Decamerone in Abwesenheit des Regisseurs im Deutschen Theater Premiere.

Kirill Serebrennikov hat in seiner Videobotschaft zur Festivaleröffnung von Radar Ost Digital betont, wie wichtig Kulturaustausch und internationale Vernetzung sind – gerade in Zeiten, in denen Grenzen geschlossen sind. DT-Intendant Ulrich Khuon und die Mitarbeiter_innen möchten ihre Solidarität mit Kirill Serebrennikov und seinen mitangeklagten Kolleg_innen betonen und fordern die sofortige Einstellung des Verfahrens.

Statement Ulrich Khuon, DT-Intendant:
„Viele Künstler_innen weit über Russlands Grenzen hinaus und auch ich selbst sind entsetzt über die kaum fassbaren Strafanträge der Moskauer Staatsanwaltschaft gegen Kirill Serebrennikov und seine Kolleg_innen. Dies nach einem chaotischen, vieler Rechtsgrundsätze spottenden Verfahren. Wir, die wir Kirill Serebrennikovs Arbeitsweg seit Jahren begleiten, fürchten seine künstlerische und physische Zerstörung. Widerspruch und Widerstand sind gefordert.“

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