URBANE FARBBILDER

Aus dem einstmals programmatisch festgelegten Kanon der Konkreten Kunst stechen die Werke von Martin Voßwinkel vor allem durch ihre Sinnlichkeit heraus. Sie besitzen eine unverwechselbare Dynamik zwischen abstrakter Farb- und konkreter Raumerfahrung. Martin Voßwinkels Bildkonzepte eröffnen einen Dialog mit dem urbanen Raum. Die reale Welt wird somit wieder zum Ausgangspunkt, Bezugssystem und integralen Bestandteil der Konkreten Kunst. Die Publikation »Urbane Farbfelder« gibt einen umfassenden Einblick in Voßwinkels Arbeiten im öffentlichen Raum.

»Was mich schon immer an der Konkreten Kunst begeistert hat, ist ihre Ehrlichkeit. Das Werk muss nicht mehr bedeuten als das, was man sieht. Es muss und kann keine Geschichte hineininterpretiert werden. Nichts ist konkreter als eine Farbe, eine Linie, eine Fläche. Die Konkrete Kunst ist für mich eine Befreiung von inhaltlich künstlich aufgeladenen Werken. Farbe und Form werden zum eigentlichen Inhalt. Das Leben ist voller Dinge, hingegen ist Kunst ein Raum mit einer gewissen Leere, aber diese Leere ist für mich ein Geschenk, denn sie ist offen für Impulse.«

Was die Arbeiten von Martin Voßwinkel (*1963) vom einstmals programmatisch festgelegten Kanon der Konkreten Kunst unterscheidet, ist ihre Sinnlichkeit. Entgegen dem Kanon, nachdem ein Werk vollkommen schlüssig auflösbar sei, gibt es in seinem Werk Bereiche, die rational nicht fassbar sind. So zeigt sich ein spielerischer, sinnlicher Umgang mit den jeweiligen Konstellationen. Seinem Werk ist eine immanente Wechseldynamik von Farb- und Raumerfahrungen eigen. Keineswegs sind seine Arbeiten als konservativer Rückzug auf die Traditionen Konkreter Kunst zu deuten, ebensowenig erfolgt eine Renaissance rigider Postulate früherer Manifestationen. Ihm liegt ein routinemäßiger Gebrauch vorgeprägter Methoden und Schemata fern. Weder setzen seine Arbeiten dem Chaos der Welt eine Ordnung aus reinen Formelementen entgegen noch werden die Visionen, Utopien und Träume der Konkreten fortgeführt. Eine derartige inhaltliche Aufgeladenheit kann dem Werk nicht zugeschrieben werden. Hingegen gebieten sie Einhalt in einer Zeit, wo die täglichen Ereignisse, Dramen und Schrecken der realen Welt, mit denen wir konfrontiert werden, ständig auf uns eindringen und sich zugleich wieder verflüchtigen.

Die Arbeiten wollen nicht nur sein, begnügen sich nicht mit einem selbstreferentiellen Status. Fraglos basiert sein künstlerisches Denken auf dem Eröffnen unterschiedlicher Referenzen aus Architektur und Kunstgeschichte. Bezugsfelder, die sich nicht aufdrängen, sondern auf subtile Weise die Selbstgenügsamkeit Konkreter Kunst relativieren und neue Erfahrungshorizonte und Perspektiven ermöglichen. Längst hat sich ein Ablösungsprozess von den Dogmen Konkreter Kunst vollzogen, ohne sich dabei in einer Diskurslastigkeit zu verlieren.

So können wir das Werk von Voßwinkel nicht nur ins Verhältnis zur Kunstgeschichte setzen, sondern auch vor dem Hintergrund zeitgenössischer Kunstproduktion hinterfragen und einordnen. Seine Arbeiten oszillieren zwischen Konkreter Kunst und urbanem Raum, bewegen sich an der Schnittstelle dieser Bereiche und loten die Grenzen neu aus.

Der Katalog »Urbane Farbfelder«, der im Rahmen einer Ausstellung in der Städtischen Galerie Bremen erschien, gewährt einen umfassenden Einblick in Voßwinkels Arbeiten der letzten Dekade und ordnet sein Werk kunsthistorisch ein.  

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