MIT 600 SEITEN LEBEN/LESEN

Für mich fängt der Tag ganz normal an und auch im Büro ist alles wie immer. Kaffe, Small Talk, neue Bücher vom Vortag und ein paar Mails zu neuen Veröffentlichungen und anstehenden Büchern. Doch dann kommt er, der DHL Bote und schleppt, im Schweiße seines Angesichts, ein Buch in die Redaktion. Er hat kaum noch Luft und bittet um ein Glas Wasser. Das Ausmaß des schweren Paketes können wir noch gar nicht ermessen, erst als wir das Paket öffnen. „Alter“ das ist ein Stein. Nein eine Neuauflage der Bibel, sagt Filmchefin Katja. Doch es ist wirklich ein Buch und wie Autor Virgil Kane selbst sagt „  . Ich glaube allerdings, Ihr seid nochmal ganz gut weg gekommen. Tolstois „Krieg & Frieden“ hat über 2.000 Seiten und Herr Tolkien bringt es mit seinem „Herr der Ringe“ auch auf schlappe 1.500. Bei Mister Kings „ES“ ist es ähnlich und von „Moby Dick“ fange ich jetzt gar nicht erst an.“ Da hat er Recht und ich schiebe das Buch von rechts nach links auf meinem großen Redaktionstisch. Dann der Tag wo mir klar wird, wofür ich überhaupt bezahlt werde: „Lesen“.

 

TO GO: Erlaube mir eine freche Einleitung. Bist Du noch ganz dicht mir einen Roman mit 680 Seiten vor den Latz zu knallen?

(Virgil lacht) Ich wollte ein Buch, das auf eigenen Beinen stehen kann, ungestützt und aus eigener Kraft. Dazu braucht man eine gewisse Breite. Die UNESCO definiert „Buch“ als Schriftwerk ab einer Seitenzahl von 49. Da wollte ich unbedingt drüber. Dass es dann über 600 geworden sind, war nicht abzusehen. Ich glaube allerdings, du bist nochmal ganz gut weg gekommen. Tolstois „Krieg & Frieden“ hat über 2.000 Seiten und Herr Tolkien bringt es mit seinem „Herr der Ringe“ auch auf schlappe 1.500. Bei Mister Kings „ES“ ist es ähnlich und von „Moby Dick“ fange ich jetzt gar nicht erst an.

 

TO GO: Meinst Du nicht damit neue Leser eventuell abzuschrecken oder zu überfordern?

Es scheint tatsächlich so zu sein. Jedenfalls höre ich das oft. Zu viele Seiten und kein gutes Cover sind die beiden Lieblingsausreden, um das Buch nicht lesen zu müssen. Aber diese Leser braucht das Buch dann auch nicht. Man muss sich als Leser die Geschichte verdienen.

 

TO GO: Bitte erzähl unseren Lesern kurz etwas über den Inhalt ohne zu spoilern.

Phil, Katy und Pete verbindet ein gemeinsames Schicksal. Aus ihren Blickwinkeln erfahren wir die Hintergründe zu den Ereignissen um Victor van Pelt, die in einer Luzerner Nobelklinik enden. Erst nach und nach werden die Dinge von allen Seiten beleuchtet und Zusammenhänge klar.

Die Erlebnisse der handelnden Personen sind in weiten Schwüngen miteinander verwoben und kreisen wie die Schatten eines großen Windrads um ein gemeinsames Zentrum: was ist Wirklichkeit und wie kommen wir in ihr zurecht? Die Handlung bildet die Kulisse für den Versuch, die tiefer liegenden Fragen des Lebens anzugehen. Wo liegt sie wirklich verborgen, diese Welt? In all den Dingen um uns her? In unseren Gehirnen? Oder doch in der Art und Weise wie wir fühlen, handeln und lieben?

 

TO GO: Worin besteht für Dich die Leidenschaft zu schreiben?

Es gibt da mehrere Ebenen. Das ist zunächst das haptische Erlebnis. Ich schreibe noch regelmäßig von Hand, manchmal eine Art Tagebuch, manchmal einfach nur den gegenwärtigen Fluss der Gedanken im Stil des automatischen Schreibens. Und schon alleine das Aufschlagen dieses Moleskin-Buches, das Ansetzen des Füllers, das Beobachten der fließenden, versickernden Tinte tut mir gut. Die zweite Ebene ist die Entstehung von Worten und Sätzen zu erleben. Manchmal kämpft man um jede Silbe und dann wieder kann man gar nicht so schnell tippen, wie die Worte nacheinander kommen. Und schließlich die dritte Ebene ist die Entwicklung der Bedeutung hinter den Worten zu beobachten. Wenn ich einen Abschnitt lese, und sich dabei Emotionen einstellen. Wenn ich eine Geschichte erzähle und sich plötzlich eine Wendung ergibt, auf die ich reagieren muss. Wenn eine Story erst langsam keimt und sich dann durch ein weiteres Wort plötzlich ausbreitet, größer wird, zum Horizont reicht….das ist dann ein sensationelles Gefühl.

 

TO GO: Bei welchem Wein vergisst Du die Zeit?

Bei jedem, wenn die Menge stimmt.

 

Und damit gehen wir zum gemütlichen Teil von 680 Seiten über. Das Buch ist ein absolutes Highlight im Bereich spannender und unterhaltsamer Literatur. Wer hier seine Nase nicht reinsteckt – selber schuld.

 

 

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